Humpback whale oder Buckelwal vor Provincetown, Massachusetts
Boston, Cape Cod und Martha's Vineyard, Massachusetts
18. Juli 2011 - 30. Juli 2011
2025 überarbeitet
Kein Bier nach 10
Nach 8 Stunden auf den Highways von Frenchtown in Pennsylvania und New Jersey, stop-and-go an New York vorbei und weiter nach Boston, erlitten wir einen kleinen Kulturschock. Als wir um 0955pm in einem rauchfreien Strassencafé im Herzen von Boston das erste Bier in Massachusetts bestellten, meinte die Kellnerin „last call“. Ja, am Sonntag, da gibt’s nach zehn weder was zu Essen noch zu Trinken.
Boston, eine katholische Universitätsstadt. Hier wird gelernt und
gebetet und nicht gebechert! Aber zwei Tage nach New York, einer Stadt
in der die Nacht zum Tag wird?
Weltgeschichte im kleinen Boston
Die Harvard University besteht keiner, der bis
spät nachts im Pub hockt. Und am MIT, der weltberühmten technischen
Hochschule, soll keiner mit einem Hangover an der Zukunft forschen. Das
Internet wurde zwar nicht an der MIT erfunden, wie es uns der Fahrer
unseres Sight-seeing-Gefährts weismachen wollte, aber immerhin ist
sie Sitz des World Wide Web Consortiums, dem Standardisierungsgremium
des WWWs. Auf einer dieser Touren wird die Geschichte von Amerika
lebendig. Unser Fahrer erzählte Anekdote um Anekdote, der könnte sein
Geld auch als Stand-up Comedian verdienen. Und schliesslich löste eine
Erhöhung der Tee-Steuer des englischen Parlaments 1773 den
amerikanischen Unabhängigkeitskrieg aus und nicht das Verbot von
Alkoholausschank nach zehn Uhr. Die Tea-Party Mitglieder unserer Zeit
sind demnach Nachfolger von Aufständischen und nicht von Bewahrern alter
Werte.
Baseball, ein Buch mit sieben Siegeln bei sieben Bier
Wie auch immer, als Bierliebhaber finde ich mein Getränk wie eine
Trüffelsau die edlen Knollen. So genehmigten wir uns sogar in Boston, in
einem Pub, in einer Seitenstrasse nahe des altehrwürdigen Omni-Parker
House Hotels gelegen, unseren Trank zu später Stunde. Und wie es sich
für eine Universitäts-Stadt gehört, verpasste der Barkeeper uns eine
Lehrstunde in Baseball. Vielleicht lag es am starken Bier, vielleicht
auch am angetrunkenen Lehrer, jedenfalls begreife ich das
traditionsreichste Spiel der Amerikaner noch immer nicht. Ich hebe mir
dies für das nächste Leben auf.
In Boston wird aber nicht nur gelernt. Die Stadt lebt im Sommer ganz gut
vom Tourismus. Horden von Besuchern trippeln auf dem vier Kilometer
langen „Freedom Trail“ den geschichtsträchtigen Punkten der Stadt nach.
Auf einer Hafenrundfahrt sieht man nicht nur die Skyline sondern auch
die im Minutentakt startenden und landenden Maschinen des
internationalen Flugplatzes von Boston. Im trüben Wasser des Hafens
dümpelt auch die U.S.S. Constitution, ein 3-Master, der an mehreren
Kriegen teilgenommen hat, vor Ende des 18. Jahrhunderts gebaut und nach
1990 vier Jahre lang restauriert wurde. Heute eine der
Sehenswürdigkeiten der Stadt, diese Super-Fregatte.
Dunkle Absteige im noblen Hotel
Auch unser Hotelzimmer kann man als geschichtsträchtig einstufen. Keine Ahnung aus welcher Epoche die Einrichtung stammt, aber der Preis für diese dunkle Absteige, mit Sicht auf eine Hauswand, stammt eher aus der inflationären Zukunft. So verliessen wir Boston mit keinen Tränen in den Augen und wollten auf Cape Cod, der Ferienhalbinsel der Städter, endlich die Küste von Massachusetts kennenlernen.
Bakerman is baking bread
Seltsamerweise haben wir meinen ehemaligen Schulkameraden und Handballkollegen Thomas nicht getroffen. Ich habe gar nicht daran gedacht, dass er in Boston 2006 eine erfolgreiche Bäckerei, die Swissbäkers Inc. gegründet und, wenn ich richtig informiert bin, auch im 2026 noch führt. Eine gute Geschichte!
Bodybuilder als geografisches Hilfsmittel
Cape Cod ragt wie der Arm eines Bizeps zeigenden Bodybuilders in den
Atlantik hinein. Einheimische benutzen den Eigenen gern, um Fremden die
Orientierung zu erleichtern.
Das Motel 8 in Hyannis, das wir gebucht
hatten, stand dem Preis-Leistungsverhältnis des Omnis in nichts nach
(170 USD/N). Dafür entschädigen die Städtchen der Halbinsel den
Reisenden. Kein Haus ist höher als zwei Stockwerke. Gepflegte und
verwunschene Gärtchen säumen die herzigen Holz- und Schindelhäuschen.
Eisdiele an Eisdiele, Restaurants an Restaurants, Gallerien und Kirchen
reihen sich den holprigen Strassen entlang. Und am Samstag zelebrieren
die familienfreundlichen Amis den amerikanischen Traum oft in einer der
zahlreichen Minigolfanlagen. Ich wäre nicht erstaunt gewesen, wäre ein
Scheinwerfer vom Himmel gefallen... Mit der Zeit hielt ich Ausschau nach
Hänsel und Gretel. Ich meine, die sind auch älter geworden und ich
entdeckte einige. Trotzdem sind die Ziegel nicht aus Lebkuchen, denn
hinter den Kulissen spürt man auch hier die Verunsicherung der Leute und
den immer härter werdenden Alltag. Kein Wunder wenn die Saison ganze
zwei Monate dauert und weniger Gäste immer weniger ausgeben. Allerdings
jammert man hier immer noch auf hohem Niveau.
Whale watching vom Feinsten
An der Spitze der Halbinsel liegt Provincetown, das Key West des
Nordens. Hier fühlen sich Dragqueens, Homosexuelle und Nachtschwärmer
wohl. Leider konnten wir das Nachtleben und die herzlichen Bewohner
nicht geniessen. Unser Motel Coachman Inn in Harwichport lag 35 Meilen
südlich.
Aber dafür eine
Whale-Watching Tour. Zu Beginn machten die Ausflügler noch Scherze:
„Gestern waren sie noch hier, das erzählen sie aber jeden Tag“ und so
weiter. Tatsächlich gerieten wir aber in einen Schwarm von Humpbacks (18
m), Minkes (9 m) und Finbacks (27 m). Rund um das Boot brodelte das
Wasser, die Besucher waren hingerissen und die Fotografen im
Dauerstress. Eine Ausfahrt, die, ganz unamerikanisch, alle Erwartungen
und Versprechungen übertraf,und, glaubt man den Betreibern, immer
übertrifft!
Elitäres Amerika
Martha’s Vineyard ist international bekannt. Eine Insel, die 5 Meilen
von Cape Cod entfernt liegt und die Prominenten von Amerika empfängt
(Kennedys, später Obama Family, Spike Lee etc.). Gesäumt von
kilometerlangen Sandstränden, putzigen Städtchen, Leuchttürmen,
zerklüfteten Küsten und vor der Insel segelnden Yachten erinnert sie den
Besucher einmal mehr an den nicht fallenden Scheinwerfer. Ob sich die
183 Bucks für die Fähre aber wirklich lohnen? Cape Cod ist genauso schön
und sehenswert.
Title in weiter Ferne
Morgen brechen wir nach Maine auf, genauer nach Bar Harbor. Nur um ein
paar Tage später wieder nach New Jersey zu fahren, um unseren Wagen zu
registrieren. Unser Oldie läuft und läuft, im Gegensatz zur
Kommunikation mit unserem Verkäufer. Auf E-Mails und Voicemails
antwortet er gar nicht und wenn man ihn per Zufall direkt am Telefon
erwischt, muss er zuerst abklären und zurückrufen. Ein Nicht-Rückruf ist
so sicher wie das Amen in einer der Kirchen hier. Den „Title“
(Fahrzeugausweis) haben wir noch immer nicht erhalten. Vielleicht müsste
ich an einem Gottesdienst meiner Lieblingskirche, der "Roman Catholic
Church, Chappel of our Lady of the Highway", teilnehmen. Trotzdem wird
mich dieser lausige Autoverkäufer nicht zum Gläubigen machen...
Boston, Massachusetts
20. Juli 2011
Walk for Justice? Hell und dunkel, das Gute und das Böse geben sich in den USA die Hände.
Meistens das Klügste in einer neuen Stadt: Eine Sightseeing Tour. Ich bin auf dem Bild gut zu sehen. Über dem "GOOD", wie könnte es anders sein?😏 Ob uns Boston gefallen würde? Ich weiss nicht so recht.
Aus dem Bus winkten wir wie verrückt. Aber keiner nahm uns zur Kenntnis. Na ja, schauen wir mal, ob Boston uns gefällt. Auf eine Tea Party können wir allerdings verzichten.
Die Leonard P. Zakim Bunker Hill Memorial Bridge. Konstruiert von einem Schweizer. Es ist kein gutes Zeichen, wenn ich in einer Stadt "Schwarz-Weiss" bevorzuge. Dies führt selten zu einem Wiedersehen.
Ein schönes Segelschiff. Die USS Constitution. 1797 vom Stapel gelaufen.
Die Stadtrundfahrt hat uns nicht begeistert. Aber eine Rückkehr in unser altehrwürdiges Hotel Omni Parker liess uns auch nicht frohlocken.
Wer unter 80 Jahren will in dieser Lobby Platz nehmen?
Also sagte ich zu Sabina: "Lass mich die Haare schneiden" (also nicht ich mir selber...). Und nein, ich hatte nachher keine Läuse...😜
Der Coiffeur war sichtlich überrascht, ja schon fast verwirrt, dass ein "Walk-In" und erst noch Ausländer seinen Laden betreten hat. Ich glaube nicht, dass es sein angestammter Beruf war. Und vielleicht werden in diesem Laden nicht nur Haare gewaschen.
Vielleicht tun wir der Stadt Unrecht. Aber uns gefiel sie nicht.
Die Stadt hat sicher auch ihre schönen Seiten. Trotzdem: Wir waren froh, als wir nach Cape Cod fuhren. 13 Jahre später muss ich den Bürgern von Massachusetts ein Kompliment machen: 36 % stimmten für Trump, was zwar immer noch 36 % zu viel sind, aber immerhin.
Cape Cod, Massachusetts
21. Juli 2011 - 28. Juli 2011
Uns gefiel das Motel Super 8 in West Yarmouth Hyannis, Cape Cod, MA, etwas besser als das teure Hotel in Boston. Die schlechten Bewertungen hat das Hotel nicht überlebt. Im 2025 jedenfalls ist es dauerhaft geschlossen. Es wurde durch ein Relax Inn abgelöst.
Aber Cape Cod hat nicht nur Plastikstühle. Cape Cod hat viele pittoreske Häuschen, bei deren Anblick Geschichten von Märchen in Erinnerung gerufen werden!
Cape Cod gilt als die Wochenend-Halbinsel der reichen Bostoner und Konsorten. Wie ein gebeugter Arm ragt sie in den Atlantik hinein. Provincetown am Ende wird auch das nördliche Key West genannt. Von Boston bis Provincetown sind es 115 Meilen. Wer den Roman von Richard Russo "That Old Cape Magic" (in Deutsch "Diese alte Sehnsucht") liest, bekommt ein gutes Verständnis zur Geschichte dieser Halbinsel.
Sabina hat den "Spirit" von Cape Cod in West Dennis mit diesem Bild wunderbar eingefangen. "Shiver me timbers" ist ein alter Ausdruck von Seemännern bei Sturm und drückt die Angst und den Schock aus, wenn sich die Planken biegen. Dieser Shop existiert auch im 2025 noch. Der Künstler verarbeitet Schiffsplanken zu wunderschönen Werken.
Unser zweites Motel, das "Coachman Motor Inn" in Harwich Port existierte im 2024 noch. Was wir doch als kleines Wunder ansehen, da es schon 2011 mehr als in die Jahre gekommen war. Ob es im 2025 noch offen ist, konnte ich nicht eruieren. Ein Tipp unter Freunden: "Fahre weiter."
Ein Blick ins heimelige Zimmer. Barfuss gehen würden wir nicht empfehlen.💩 Trotzdem blieben wir ein paar Tage.
Hübsch, adrett, gepflegt und exemplarisch für Cape Cod. In West Dennis gelegen.
Eines der meistfotografierten Häuser in den USA: Das "Hydrangea Walk" genannte Anliegen in Chatham, 1937 von Theodore Sears erbaut. Die Hortensien begeistern die Besucher jedes Jahr neu. Wer darin gewohnt hat, konnte ich nicht herausfinden. Aber dass das Anwesen 1996 für USD 1.25 Mio. verkauft wurde. Ein Schnäppchen, nicht?
Kajak paddeln ist im Nordosten der USA ein Volkssport. Und erst noch sehr gesund. Hier 3 Kanuten auf dem "Swan Pond River" von der Lower County Road in Dennis aus gesehen.
Ja, es gibt Menschen, die können sich einen sehr gehobenen Lebensstil leisten.
Ein nicht ganz billiges Hobby. Hochsee-Segeln.
Selbstverständlich gehört gediegen essen zum Lifestyle!
Oder man legt sich an einen Strand, wie hier an den "Eastham Beach, Eastham".
Es gibt zwar nicht so viele Windmühlen wie in Holland, aber doch enige, wie hier die "Jonathan Yong Mill", South Orleans, Cape Cod, MA. Manchmal bekommt sogar eine Führung der Betreiber.
So schön das Land, so nett die Leute. Aber die Bigotterie von vielen Amerikanern nervt mich gewaltig. Nur schon wie viele Morde und Gewalttaten an einem Vormittag über die Mattscheibe flimmern, da regt sich niemand auf. Ein Busenblitzer aber, der bringt die halbe USA in Aufruhr. Oder Leute, die den Penis eines Hundes abdecken! Wie krank ist das denn? Die sollten allesamt zum Psychiater. Ja, das nervt mich gewaltig!
Provincetown, Cape Cad, Whale-Watching
22. Juli 2011
22. Juli 2011
Mit der Dolphin VIII würden wir ein paar Wale sehen.
Auch anhand der Schwanzenden können Walforscher die einzelnen Tier unterscheiden.
Dann zeigten sie einige Sprünge. Einerseits werden sie dadurch Parasiten los, andererseits ist es auch ein Beeindrucken beim Paarungsverhalten und möglicherweise auch einfach aus Freude am Leben.
Uns haben sie schwer beeindruckt.
Die Grossaufnahme zeigt das fast geschlossene Maul eines Buckelwales (Humpback Whale). Sie werden bis zu 16 Meter lang, bis zu 30 Tonnen schwer und können fast 100 Jahre alt werden.
Sie kreuzten auf und ab.
Sie füllen den unteren und grösseren Teil des Mauls mit Wasser und schliessen dann das Maul, pressen das Wasser hinaus und verschlingen kleine Schwarmfische, Plankton und vor allem Krill (kleine Krebstiere).
Ein Riesenspektakel. Das sieht man sehr selten so nahe. Uebrigens: In den Sommermonaten nehmen sie Nahrung auf und leben in den Wintermonaten von ihren Fettreserven.
Unsere Erwartungshaltung für diese Ausfahrt war relativ tief. Und wurde gewaltig übertroffen. Wer hat denn schon einmal einem Buckelwal in den Rachen geschaut und fast seine Barten streicheln können? We were the lucky ones!
Lange dauerte das Spektakel nicht. Dann zogen sie schon wieder weiter.
Mit einem schönen Sonnenuntergang ging dieser unvergessliche Tag zu Ende.
Erst spät liefen wir in den Hafen von Provincetown ein. Man beachte die unzähligen Kormorane.
Da wir einen langen Heimweg hatten, sahen wir nur kurz die Drag Queens in ihrem Element. Auch dafür ist Provincetown bekannt.
Martha's Vineyard, Massachusetts
28. Juli 2011
Der "Gay Head Lighthouse" ein 400 Tonnen Monster am Ende von Martha's Vineyard, der Insel für die Elite der Amerikaner. Präsidenten wie Kennedy und Obama genossen die schöne Insel, wie auch sehr prominente Stars. 1799 aus Holz gebaut, wurde der Leuchtturm 1844 mit Ziegelstein ersetzt. 2015 musste er wegen der Erosion der Aquinnah Clay Cliffs fast 50 Meter versetzt werden. Gay hat nichts mit schwul zu tun. Das bedeutete früher lebhaft oder farbig.
Viele Möglichkeiten um auf die Insel "Martha's Vineyard" überzusetzen, gibt es nicht. Wir nahmen die Autofähre von "Woods Hole" aus. Wir zahlten 183 USD, hin und zurück. 45 Minuten dauerte die Fahrt.
Unterwegs begegnete uns 52824 wieder.
Wahrscheinlich ein Schulungsschiff der U.S. Coast Guard. Aber schön anzusehen.
Joseph Sylvia State Beach. Auf Martha's Vineyard bleibt man unter sich. Wir fuhren auf der Insel hin und her. Natürlich kann man an einen Strand. Oder den Leuchtturm bewundern. Oder in den kleinen Städtchen shoppen gehen. Oder wie wir: Kurz ansehen und zurück nach Cape Cod. Denn auf eine der vielen Partys, die hier scheinbar stattfinden sollen, wird auch ein gut aussehendes Touristenpaar wohl kaum eingeladen.😏
Schon bald befanden wir uns wieder im Bauch einer der Fähren. Und weiter wird es gehen. Nach Maine.
All die Reusen zeugen vom immensen Reichtum an Fisch und Hummer. Auch ich habe einen guten Fang gemacht. Allerdings schon gute 15 Jahre zuvor😏😇💕.
2025 habe ich das Buch "Die Hummerfrauen" von Beatrix Gerstberger gelesen. Es handelt vom Leben und Sterben an der Küste von Neuengland. Ziemlich gut!
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