18. Mai 2021

Der Herr Pfarrer und ich... und andere Geschichten

 
Morgenstimmung an der Limmat

Himmlische Rettung

Es ist frühmorgens, Sonntag, der 9. Mai 2021. (Beginnen nicht die meisten Aktenzeichen XY-Fälle so?) Nach einer herrlichen Fototour in den frühen Morgenstunden stand Sabina in der Limmatbäckerei und ich mit einem wartenden Kunden vor dem Ladenlokal. Da stürmte ein Maskierter mit Baseball Cap an uns vorbei. (Vor zwei Jahren hätte die Geschichte selbstverständlich eine komplett andere Richtung genommen.) Der musste ja mächtig Kohldampf haben und auf meine Frage, ob er das ernst meine, schrie er etwas hektisch: "Ja, 11 Entchen sind vom Hausdach gefallen!" und verlangte nach Plastikhandschuhen. Grund genug, mich an seine Fersen zu heften. (Vielleicht ist jemandem aufgefallen, dass ich in den letzten paar Monaten vor allem Vögel fotografiere...😏) Ich sah eine Menge Leute, die links und rechts der Abschrankungen einer Baugrube der Limmattalbahn Spalier standen. In der Grube sass eine Entenmutter mit ein paar Küken fest, die noch hektischer als der Bäckerräuber zwischen Baumaschinen, Schaufeln und Zuschauern mit Hunden einen Ausweg suchte. 

Plötzlich stoppte der Maskierte: "Bist Du nicht der Guggi?" (mein Nickname auf Instagram). "Ich like Deine Bilder immer... die sind geil. Ich bin der Pfarrer von Dietikon!" Da ich nicht darauf achte, wer meine Fotos "liked", wusste ich nicht, dass sogar das reformierte Oberhaupt von Dietikon an meinen Bildern Freude hat. Der Herr Pfarrer brachte nun mit seinen Plastikhandschuhen die restlichen, hilflos umherirrenden Küken zurück zur Gruppe. Die Entenmutter führte anschliessend alle (Küken, Pfarrer, Sabina, mich und ein paar andere) über einen Schleichweg an die Reppisch. Gemäss einem Ansässigen tut sie das jedes Jahr! Aber gut für die Küken, waren wir dabei. Denn auf dem Weg wurde eine Katze auf die kleinen Entchen aufmerksam. Aber die hatte nicht mit dem Pfarrer gerechnet. Der bellte das Raubtier in bestem Hundegekläff vom Platz. Der bellende Pfarrer von Dietikon! Sachen gibt's!! 

Die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Die Entenmutter verrannte sich mit ihren Jungen in einen Garten ohne Ausweg. Kurzerhand packten wir die Küken in eine Kartonschachtel, während die Mutter 15 Meter tiefer in der Reppisch nach ihren Jungen rief. Mit der Schachtel und 11 Küken sprang ich über eine 3 Meter hohe Mauer (verzeiht mir die Uebertreibung), hangelte mich den steilen Abhang hinunter und schubste die Kinder in die Reppisch. Glücklich vereint entschwand die Familie unseren Blicken. Und ich genoss den Applaus der nicht wenigen Zuschauer...!

Ente gut, alles gut!

Aber als ich wenig später die Foto studierte, die ich von der Familie geschossen hatte, stockte mir der Atem:

Es waren 12 Küken! Sabina und ich suchten den ganzen Weg nochmals ab und während wir der Reppisch entlang liefen, entdeckten wir wunderbar idyllisch gelegene Häuser und Terrassen mitten in Dietikon, das wohl nie den Preis der schönsten Stadt der Schweiz erhalten wird, aber keine Küken. Zuletzt kann ich nur noch hoffen, dass wir uns verzählt haben! 

Anmerkung der Redaktion: Wasservögel haben einen schlechten Geruchssinn. Sollten Küken wirklich in Not sein, dann kann man die ohne Probleme auch ohne Handschuhe anfassen. Die Jungen werden von den Eltern nicht verstossen. 

Trotzdem: Herzlichen Dank dem Pfarrer Matthias Wetter für seinen tollen Einsatz. 

Schwanenschlüpfen

Viel grössere Beachtung als unsere Rettungsaktion bekam das Schwanenpaar, das seit dem 31. März ihre Eier ein paar Meter neben der Route 66 (Fahrradweg Baden-Zürich) und bestens einsehbar für jeden Passanten ausbrüteten. Normalerweise schlüpfen die Küken zwischen dem 34. und 36. Tag, aber am 8. Mai, 39 Tage später, waren immer noch alle elf Eier ganz. Am Muttertag war es soweit, ein Küken streckte den Kopf unter dem Flügel der Mutter hervor. Immerhin eines hatte es geschafft. Und es folgten den ganzen Sonntag und Montag noch 9 weitere. Zwischendurch wurde das Nest zu einem kleinen Wallfahrtsort. Wunderschöne Bilder boten sich den Anwesenden und sogar der Limmattaler berichtete über das erfolgreiche Schwanenpaar. Die werden uns noch viel Freude bereiten! Was allerdings zwei Tage später schon wieder relativiert wurde. Am 20. Mai waren es nur noch 5 Jungschwäne, eines lag tot im Nest, von den vier anderen keine Spur mehr.

Skrupellose Betrüger

Keine Freude hatte ich am Donnerstag, den 13. Mai. Seit Jahren schauen Sabina und ich wenn immer möglich Aktenzeichen XY. Am Mittwochabend wurde das Verbrechen an einer alten Frau gezeigt, von falschen Polizisten, die ihr weismachten, Einbrecher hätten es auf ihre Wertsachen abgesehen und den Gaunern über 3 Wochen (!) alles Ersparte anvertraute. 400'000 Euro! Aus Angst, sie würde laufende Ermittlungen gefährden. 

Die ganze Geschichte von Aktenzeichen XY auf diesem Link (nicht mehr auffindbar)

Als am nächsten Abend gegen 22 Uhr die Nummer meiner Mutter auf meinem Handy aufleuchtete, ahnte ich nichts Böses. "Gerold, stell' Dir vor, soeben hat mich die Kantonspolizei angerufen, es seien 3 Einbrecher in meinem Dorf unterwegs, einen hätten sie geschnappt und bei ihm ein Notizbuch gefunden und darin sei meine Adresse gross angekreuzt. Ob ich Bargeld, Wertsachen oder einen Tresor im Haus habe...!"

Haargenau die gleiche Masche, wie am Abend zuvor in XY! Es war gar nicht so einfach, meiner Mutter klar zu machen, dass die Anrufer Betrüger waren. Wer in seinem Bekanntenkreis ältere Menschen kennt, die bitte ich, diese Personen auf solche Machenschaften hinzuweisen. Kein Polizist wird jemals Wertsachen von Bürgern in Sicherheit bringen wollen!

Neues Rohr - Objektivkauf hat sich gelohnt

Nachdem mir auch von einer fremden Passantin bestätigt wurde, dass ich nicht gut bestückt sei (was die Vogelfotografie angeht) und ich das selber auch weiss, habe ich mir ein Sigma 150-600mm Sports für CHF 1'500.-- gekauft. Die Kommentare von Testpersonen überschlugen sich vor Superlativen. Für einmal völlig zu recht. Es ist zwar 3 kg schwer und an der Grenze zum aus der Hand schiessen, aber da die Fitnesscenter wieder offen sind, trainiere ich gezielt für das ruhig Halten meines neuen Equipments. Das sieht vielleicht etwas komisch aus, aber bald wird diese Uebung in den Trainingslehren Eingang finden. Ich kann kräftigen Fotografen das Objektiv bestens empfehlen. Allerdings kommen jetzt Passantinnen auf mich zu und meinen: "Du bist ja mit einem Riesenrohr unterwegs." Ich kann Sabina beim besten Gewissen versichern, dass sie das Objektiv meinen!😏

frisch geschlüpft
Passanten bestaunen die Schwanenfamilie

der Erstgeborene am Sonntag früh (geb. Samstag, 8. Mai 2021, ca. 1900h)
der Vater nimmt die Geburten extrem gelassen
kurz nach dem Schlüpfen sind sie noch nass und sehen wie langhaarige Freaks aus
es vergeht keine halbe Stunde, da werden sie flauschig
der hat wohl Freude an den vielen Zuschauern
einfach zuckersüss die Kleinen
und vom ersten Tag an ziemlich selbständig
Schlüpfen zehrt an den Kräften
noch ganz frisch
und wenn die Sonne verschwindet und ein kalter Wind aufzieht, suchen sie schnell die Nähe ihrer Mutter
ein kurzes Gedränge
fast geschafft
aber schon nach wenigen Tagen sind sie auf der Nötzliwiese
immer im Auge der Eltern
es gibt viel zu erkunden
auch die Kleinen haben ein wachsames Auge auf ihre Umgebung
wenn's regnet...
sind Mutters Daunen immer noch das Beste
auch wenn die Technik noch zu wünschen übrig lässt
20. Mai 2021, von 10 nur noch 5! Immerhin wird dieses wohl überleben, zwei traurige Bilder hier im Link
am gleichen Tag wurde ich zum Hochzeitsfotografen zweier Tauben
ich hoffe, er hält seine Versprechen!
a kiss is just a kiss
and a second doesn't mean more - und ausserdem wollte ich schon immer eine Braut in Weiss fotografieren - so gehen Wünsche in Erfüllung
und das alles, während der Reiher vorbei flog

Es gibt noch andere Tiere in unserem Naturparadies. Die Nilgans etwa: Eigentlich in Afrika heimisch, büxten ein paar aus einer Zucht in den Niederlanden aus und besiedeln seitdem langsam den Rhein und seine Nebenflüsse. Bis an die Nötzliwiese von Dietikon. Wenn auch nicht heimisch, trotzdem ein wundervoller Vogel, der allerdings die hiesige Fauna aufmischt! Es gibt Leute, die möchten die Nilgans abschiessen. Ich denke, der Mensch sollte sich nicht immer einmischen. 
wie ein General schreitet sie die Wiese ab
allerdings verbrachte sie nur ein paar Tage in Dietikon. Die Glückliche, sagen einige:-)
oder die Mittelmeermöwe, immer für eine Einlage gut
mit eigener Waschtechnik!
und die Ringelnatter, nahe am Nest der Blässhühner, das Ziel war aber wohl ein Frosch oder so...
dieser hat bis jetzt überlebt!
der Teichrohrsänger, schwierig vor die Linse zu kriegen
a song is just a song
und nicht jeder Vogel will verewigt werden
sie freute sich diebisch über ihren kleinen Streich!
die ersten Enteriche verlieren gegen Ende Mai ihr Prachtkleid und sehen dann wie Weibchen aus, nur am Schnabel sind sie noch zu unterscheiden
diese Schildkröte (welche Art?) zeigte sich nur kurz im Nötzliwiesensee
neben den Schwänen tauchen auch immer wieder neue Küken an der Nötzliwiese auf, wie die Stockentenjungs
härzig, nicht?
deren Mutter sich wohl ein klein wenig in Sabina verguckt hat
sie ist aber auch herzallerliebst (Sabina) und hat vor allem die Schwäne in ihr Herz geschlossen
so langsam werde ich auch zum Hoffotografen von Ronny Degiacomi, der Bündner mit dem Auge für schöne Vogelbilder
er legt sich mächtig ins Zeug, was seiner 12-jährigen Tochter Rhiana, die ihn manchmal begleitet, etwas peinlich ist😏

und der endlich nicht nur auf der "Briefmarkenfotografie"-Plattform Instagram zu Hause ist, sondern auch eine Homepage kreiert hat
humorvoll, intelligent, mit grossem Herzen für jedermann und ein ausgezeichneter Fotograf, würde man ihm gar nicht geben, gell😀
und natürlich sieht man auch immer wieder die gleichen Pappenheimer, wie Rita und Christian
oder Bruno Schaffner, immer etwas im Stress. Die Aufzählung ist nicht abschliessend:-)
am Schönsten ist es aber, wenn man ganz alleine frühmorgens in der Dämmerung Lichtsituationen vorfindet, die jedes Herz höher schlagen lassen... ob Gänsesäger...
oder Blässhuhn

bei solch einer Stimmung wird sogar die Jack Daniels Flasche zum Kunstobjekt
die goldene Stunde geht langsam vorbei

wir staunen immer wieder, wie zahm die Vögel in Dietikon sind!
allen voran die Schwäne, die uns in allernächste Nähe ihrer Jungs und Mädchen lassen...
ich bin allerdings sicher, dass die Schwäne Menschen erkennen können, so genehmigte sich der Vater sogar beim Schlüpfen seiner Kinder in nächster Nähe von mir, ein Nickerchen
sie können auch darauf zählen, dass ihnen nichts passiert, wenn ich in der Nähe bin... vielleicht spüren sie dies sogar. Und die Kleinen übernehmen das Verhalten der Eltern, ich bin sicher, dass sie bald über unsere Füsse stolpern
aber andere Vogelarten halten bewusst Abstand, wie der Reiher, der sogar am anderen Ufer skeptisch wirkt
der Seidenreiher zeigt sich nur kurz am Morgen, wenn er über den Nötzliwiesensee fliegt
die Gänsesäger haben sich mittlerweile an die Menschen in Dietikon gewöhnt, er gähnt...
während seine Frau mit einer Nachbarin spricht:-)
oder hat sie ihm einen Befehl erteilt?

es "menschelt" auch bei den Tieren, ausser bei den Blässhühnern, wenn ich die Jungen so anschaue, glaube ich an Ausserirdische!
ein Gentest würde das vielleicht bestätigen!
in der Pubertät zeigen sie ganz neue Perspektiven! Langbeinige Schönheiten, wie Models auf dem Laufsteg!
aber die Erwachsenen sind kleine Terroristen, keiner ist vor ihnen sicher!
sie hocken auf's Nest der Schwäne (zählt wohl die Jungen!)
und scheuen nicht mal, den jungen Schwänen den Tarif durchzugeben, im Beisein der Alten!
und dann tauchen sie ab wie U-Boote
und verfolgen liebend gerne Artgenossen
die sie dann unter Wasser drücken
brutale Kerle

während Stockenten im Flug relativ einfach zu fotografieren sind...
wie der Enterich... (es sind hervorragende Flieger! Bis zu 6000m hoch und 125 km/h schnell!)
und auch das Blässhuhn keine Mühe macht
und die einsame Knäkente dank ihrer "fliegen-aufwärts/treiben-abwärts/fliegen-aufwärts"-Technik unzählige Versuche zulässt und ...
die trumpsche Ente ihren eigenen Flugstil pflegt...
und Kolbenenten einen Trauerflug starten
der Gänsesäger etwas unelegant zur Landung ansetzt
ist es bei den Rauchschwalben eine riesige Herausforderung, die im Flug zu erwischen
für diese Fotos habe ich über 400 Versuche gebraucht!
das Problem ist, dass sie nur bei schlechtem Wetter knapp über der Wasseroberfläche Mücken jagen
nicht mal im Anflug auf ihre Pausenstation sind sie leicht zu erwischen!
da ist es sogar einfacher, ein frisch geschlüpftes Schwanenbaby zu fotografieren
oder kleine Aliens
auch denen mundet wohl nicht jede Mahlzeit, bei mir war's und ist's und bleibt's der Rosenkohl:-)

Manchmal vergesse ich komplett, dass wir in Dietikon sind... mit einem weit herum bekanntem Harley-Shop... vor Muttertag noch 'ne Ausfahrt! Wie ich Harley-Fahrer einschätze, habe ich in diesem Post von 2010 beschrieben:-))
vieles dreht sich bei den Wasservögel um die Gefiederpflege, keine zwei Meter von uns entfernt
und so geniessen wir einen wunderschönen Feierabend auf der Nötzliwiese (Foto Sabina Guggenbühl)
na, waren das nicht wieder schöne Tage??

wer noch nicht genug hat:









so long guys!