Autokauf als Tourist USA - 2011 - 2026

Dieser Chevrolet Tahoe sollte nie unser sein.

Autokauf in den USA (Kalifornien hat andere Regeln)
Stand 2026

Um es vorweg zu sagen: Als Tourist ist es nicht möglich, ein Auto zu kaufen und zu registrieren (auch nicht mit einem 6-Monate-Visum). Für eine Registrierung braucht man eine "permanent address". Viele Touristen geben eine Adresse von Freunden oder Verwandten an. Dies ist aber illegal, da man ja gar keinen permanenten Status hat und auch nicht offiziell angemeldet ist (z.B. beim Elektrizitätswerk oder ähnlichem). Das Problem ist, dass man 6-Punkte zur Verifizierung erfüllen muss:
http://dmv.ny.gov/forms/id44.pdf

Man kann aber als Tourist selbstverständlich ein Auto kaufen, wenn man es exportiert. Man erhält eine für 4 Wochen gültige temporäre Bewilligung zur Benutzung des Autos. 

Im April 2026 habe ich einen Car Dealer in New Jersey per E-Mail angeschrieben. Seine Antwort:

Hey Gerold,
 

I spoke with my Motor vehicle agent to confirm we are able to register the Grand Cherokee and they have a few questions. 
1) Where do you plan on registering the vehicle? IN nj or out of state? Can you please provide the address? 
2) Would you be able to provide 6 points of ID? From the NJ motor vehicle site, in order to register a vehicle in NJ you would need 6 points of ID. 

AD   
BDC Representative    §1
Car Dealer New Jersey

Wenn man das Formular ausfüllt, hat man zuerst Freude.
1. "Foreign Passport"                             =  4 Punkte
2. "Foreign Driver license with photo"   =   4 Punkte

Dann wären die 6 Punkte erfüllt. Es hat aber eine Notiz, man solle auf Seite 3 die genauen Ausführungen zum "Foreign Passport" lesen:


I-551 stamp or statement ist die "Permanent Resident Card" (Green Card). Also ist man wieder bei 4 Punkten!

Welchen Status muss man haben, um als Ausländer ein Auto kaufen zu können?

Entweder man besitzt eine Green Card oder sonst ein langjähriges Visum (Investoren-Visum z.B.) oder ein Studentenvisum, dann ist ein Autokauf kein Problem. 

Risiko bei "permanent address" ohne dort zu leben

Wenn man mit der "permanent address" schwindelt, hat man eine Registrierung illegal begonnen, dann könnte eine Versicherung eine Deckung eines Schadens ablehnen, da falsche Angaben gemacht wurden. Mittlerweile wird auch ein Dokument verlangt, das die "permanent address" bestätigt, wie zum Beispiel eine Elektrizitätsrechnung mit dem eigenen Namen und der Adresse.

Ich würde es nicht auf ein Verfahren gegen US-Versicherer ankommen lassen. Ich weiss aber, dass sehr viele dieses Risiko eingehen. Und statistisch gesehen werden die allermeisten nie eine Versicherung auf ihrer Reise brauchen. Also: Up to you.

Ebenfalls sollte kein Kollege mit permanenter Adresse den Kauf übernehmen. Er gilt von der Versicherung als Halter und wird als erster von einer Versicherung zur Kasse gebeten, wenn der Fahrer einen Versicherungsfall hat. Ein Kollege kann den Kauf natürlich schon übernehmen, aber er setzt sich einem Risiko aus, auf das er keinen Einfluss hat.

Wie kann ich trotzdem mit dem eigenen Auto durch die USA reisen?

Ich habe einzig von der Möglichkeit gehört, mit temporärer Adresse in Montana oder South Dakota den Wagen zu registrieren. In Montana habe ich es 2026 abgeklärt. Es ist tatsächlich möglich, als Tourist dort ein Auto zu registrieren. Allerdings muss man eine Firma gründen (LLC). Wenn man das Fahrzeug dauerhaft in einem anderen Bundesstaat nutzen will (z.B. California oder New York), können lokale Gesetze die Umschreibung innert 30 bis 90 Tagen verlangen. 

In South Dakota ist es auch möglich, aber nur mit einer KFZ-Versicherung, die für Ausländer nicht ganz einfach zu erhalten sind.

Bei der Versicherung (Haftpflicht) muss man sicherstellen, dass die den tatsächlichen Standort des Autos kennt, um im Schadensfall  Deckungsprobleme zu vermeiden.

Ausnahme Kalifornien

In Kalifornien braucht es keine 6-Punkte-Identifikation. Eine Adresse (keine P.O. Box Adresse) reicht aus (und selbstverständlich Versicherung und Pass und internationalen Führerschein).

Von einem Autokauf in einem anderen Staat und einer Registrierung in Kalifornien raten wir ab, da Kalifornien strengere Abgasreglemente kennt und eine Umrüstung umständlich und teuer ist.

Auch Kanada als Lösung

Es gibt auch die Möglichkeit, in Canada ein Auto zu kaufen. Dort kann man es legal registrieren lassen (mit einem "Temporary Status") und ohne Probleme durch die USA fahren. Es ist zwar ein ähnliches Prozedere wie in den USA, allerdings wird eine kanadische Adresse verlangt, aber man akzeptiert auch Hotel- oder Airbnbs-Adressen. Da Kanada die Verfahrensweisen "kantonal" regelt, sollte man sich vorher über die genauen Voraussetzungen für eine Registrierung der jeweiligen Provinz erkundigen.

Kein Kopfschütteln

Wer jetzt denkt "Diese Amerikaner!" sollte wissen, dass es auch in der Schweiz nicht möglich ist, als Tourist ein Auto zu kaufen und zu registrieren.


Steuern

Noch ein Hinweis. Wer länger durch die USA reisen will, sollte sich mit den steuerlichen Gesetzen abgeben. Bei einer Aufenthaltsdauer über 31 Tagen in einem Jahr und von über 183 Tagen innerhalb 3 Jahren wird man in den USA steuerpflichtig. Das gilt für die Jahre, in denen man in den USA Zeit verbringt. Kehrt man nicht zurück oder weniger als 31 Tage, ist man sofort von der Steuerpflicht befreit. Inhaber von Greencards sind immer steuerpflichtig, egal wo sie leben. Diese Angaben sind ohne Gewähr.


Unsere Erfahrung
Juli / August 2011

George Washington Bride, New York

Nach dem Kauf eines Occasions-Tahoe für 9500 USD bei einer offiziellen Chevrolet-Garage in New Jersey und dem Warten auf den Title, das wir mit einer ungeplanten Reise nach Massachusetts und Maine überbrückten, passierte danach folgendes:

Die 500 Meilen von Maine zurück nach New Jersey, zuerst in heftigem Gewitter und dann bei immer schöner werdendem Wetter, verliefen für einmal ohne Staus. Eine Seltenheit auf den Highways der Ostküste. Bis kurz vor der George Washington Bridge in New York. Im Schritttempo legten wir die paar  letzten Meilen auf den aufgerissenen Strassen und unter den rostigen Autobahnbrücken zurück. Draussen die klamme Hitze und der Lärm der amerikanischen Trucks.  Ich wischte mir eine Schweissperle von der Stirne und stellte die Lüftung auf mich. Noch wärmere Luft liess mich noch mehr schwitzen, aber auch die Erkenntnis, dass die Klimaanlage ausgestiegen war. Eine erste Schwäche unseres alten Tahoes.

Ausnützung einer Notlage?

Wir mussten die Klimaanlage sofort reparieren. Die Temperaturen im Juli sind viel zu heiss, als dass man ohne fahren könnte. Den Kompressor ersetzte Richard in einer der zahllosen schmutzigen Autoreparaturhütten, die die Strassen von Amerika säumen. Für 550 USD plus 38 USD Taxes. Ob der Staat die 38 Bucks je sehen wird? Denn Richard, ein Asiate, den ich beim Beten in seinem Büro gestört hatte, wollte den Betrag „cash“ und setzte sich auf die Lückbank, um uns zum nächsten ATM (Geldautomaten) zu lotsen. „Make a light“ verstand ich nicht auf’s erste Mal, aber Richard folgte nur einer gewissen Logik, schliesslich sagt man ja auch nicht „make a reft“. Wie Richard aber seinen Namen bei den Behörden buchstabiert, wird mir ein Rätsel bleiben.

Ohne Auto nach Manhattan

In East Rutherford, New Jersey, hatten wir ein Hotel gebucht. Zweimal noch fuhren wir nach Manhattan um Thomas zu treffen, einmal mit Leuten aus seiner Crew und Urs, dem Surfer aus der Schweiz, und einmal mit einem Bekannten aus der Schweiz, der 2 Jahre in New Jersey gewohnt hat. Mit dem Path (Zug) ist man unglaublich schnell mitten in Manhattan, man könnte aber auch die Ferry (Fähre) nehmen, allemal schneller als mit dem Auto durch die Tunnels.

Remake des Filmes "Terminal"?

Eigentlich wollten wir schon lange Richtung Westen unterwegs sein. Massachusetts und Maine waren nicht geplant gewesen. So verglich uns Thomas mit Tom Hanks aus dem Film "Terminal" mit dem Typen im Flughafen von New York. „Ihr kommt hier einfach nicht weg...“ Ja, ein ganz Lustiger, unser Tom.

Die Ernüchterung(en)

Den Title, den die Garage endlich unseren Freunden in "Upper Black Eddy, Pennsylvania" gesendet hatten,  holten wir ab und fuhren ins DMV (Strassenverkehrsamt) von Lodi, New Jersey, um unseren Wagen zu registrieren. Da wussten wir noch nicht, wie nah Thomas der Wahrheit mit seinem Spruch kam. Nach gut einer Stunde warten, erklärte uns eine Beamtin, dass wir das Auto mit einem B2 Visa nicht registrieren könnten. Nur wer ein Jahr in New Jersey bleiben kann, dürfe registrieren. Ich glaube schon lange nicht mehr den Auskünften einer einzelnen Person und so fuhren wir 20 Meilen südwärts in ein kleineres Office des DMV, nur um die selbe  Auskunft zu erhalten.

Verspätete Internet-Recherche

Im Internet kamen wir zu wenig mehr Informationen und glaubten, dass man in Manhattan, Staat New York, den Wagen ohne "permanent address" registrieren kann. Im Strassenverkehrsamt warteten wir 2 Stunden bis wir endlich an die Reihe kamen, aber: Wir erfüllten die "6-Punkte-Regelung" zur Identifikation nicht (CH-Pass mit I94 Form, bzw. B2 Visa = 3 Punkte, Bankkonto = 1 Punkt, die fehlenden zwei Punkte müssten mit einem amerikanischen Dokument erreicht werden). Langsam ahnte ich, dass wir in eine unangenehme Geschichte schlitterten.

Nicht alles glauben, was erzählt wird

Wir hatten noch gut eine Woche bis unsere „temporary registration“ ablaufen würde, die man für 4 Wochen erhält. Wir versuchten uns über die Zulassung in den Nachbarstaaten zu informieren. 

Ein Afro-Amerikaner in der Lobby unseres Hotels bekam mit, was uns beschäftigte und riet uns, nach Mississippi zu fahren. In seiner Heimat könne jeder einen Wagen registrieren, vorausgesetzt, er verfüge über einen Title. Keine Stunde später sassen wir im Auto und fuhren Richtung Mississippi. Sicher nicht. Wir riefen vorher an. Aber auch Mississippi besteht mittlerweile auf der "6-Punkte-Regelung".

Wir zogen in Betracht, nach Kalifornien zu fahren (2500 Meilen) allerdings mit der Unsicherheit, dass unser Auto nicht angenommen wird. Kalifornien besteht auf viel strengeren Abgasregeln als die anderen 49 Staaten. So werden die meisten Autos in den USA für die anderen Staaten gebaut, nur für den Verkauf in Kalifornien werden die Wagen angepasst. Und viele ältere Modelle sind nicht umbaufähig. 

Die Verleugnung (ihr uns auch!)

Meine Anrufe bei unserem Verkäufer des Tahoe's und meine E-Mails blieben unbeantwortet.

Wir wollten nicht aufgeben, aber...

Alle Abklärungen ergaben stets das selbe Ergebnis. Ohne Green Card , Studenten-Visum oder Driver License aus den Staaten, keine Chance auf eine Registrierung. Und zum eine "Driver License" zu erhalten, muss man die 6-Punkte Identifikation bestehen.

Nahe am Betrug. René hat den Durchblick...

Da wir nicht damit rechneten, dass unser Verkäufer das Auto zurücknehmen würde, wollten wir es verkaufen. René, ein Italo-Amerikaner, Inhaber einer der zahlreichen Used-Cars Dealer, hätte uns auch ein Angebot gemacht, wenn wir denn im Besitz eines auf uns registrierten Titles gewesen wären. Tatsächlich hatte der Verkäufer nicht wie versprochen den Title auf uns umgeschrieben, sondern nur meinen Namen von Hand auf der Hinterseite als Käufer eingetragen. 

René meinte, dass wir ohne 6-Punkte ID auch keinen Title erhalten würden, somit sässen wir auf einem Wagen, der zwar uns gehört, den wir aber weder fahren, noch verkaufen konnten. Seine Frau jedoch meinte, dass wir den Title umschreiben lassen könnten, aber den Wagen trotzdem nicht registrieren könnten. Typisch für die Auskünfte in diesem Land. In diesem Fall hatte René recht. Das DMV verweigerte die Überschreibung. Was auch einen Verkauf verhinderte.

Zurück an den Anfang

Am nächsten Tag standen wir nach fast 4 Wochen wieder beim Ford-Vertreter in Somerville, der uns das Auto verkauft hatte. Nicht ohne Furcht, dass wir auch noch beschuldigt würden, illegal ein Auto gekauft zu haben und noch schlimmer, illegal eines verkaufen zu wollen... 

Thomas wird in 5 Jahren (was er nicht ist) zurück in die Schweiz gezogen sein, wir würden immer noch versuchen, unsere Unschuld zu beweisen!

Ganz so schlimm kam es nicht. Nach zweistündigen Beratungen mit und ohne uns, machten sie uns den Vorschlag, den Wagen für USD 5900 zurück zu kaufen. Wir wollten dem Nightmare ein Ende bereiten, ein Lawsuit (Gerichtsfall) würde sich laut Online-Lawyer über ein Jahr hinziehen, und es war schon gar nicht sicher, ob nicht wir schuldig gesprochen würden. Tatsächlich machten wir den Kardinalfehler, uns nicht vorher zu erkundigen, ob eine Registrierung möglich ist. Aber wer tut das schon, wenn er ein Jahr zuvor das selbe in einem anderen Kanton des Landes ohne Probleme machen konnte?

3600 USD hat uns das kurze Vergnügen gekostet, dafür kann der nächste Besitzer auf einen brandneuen Kompressor zählen. Wobei uns ein Mietwagen für die fast 4 Wochen auch einiges gekostet hätte. 

Zementierte Vorurteile

Autoverkäufer sind Gauner
Beamte sind schnippisch und das Gegenteil von hilfsbereit
Auf das Wort von anderen ist kein Verlass
Reisende informieren sich zu wenig

Lösung Mietwagen

Wir mussten unseren Weg mit einem Mietauto fortsetzen. Allerdings machte das Ganze nicht nur unserem Budget zu schaffen, ebenfalls unseren Plänen, müssen wir den Wagen doch wieder nach New Jersey zurückbringen, andernfalls würden wir pro Meile einen USD Rückführungsgebühr zahlen. So haben wir beschlossen, gar keine Pläne mehr zu machen: Erstens ändern wir sie früher oder später selber und wenn nicht, dann greift das Schicksal ein.

6-Punkte-ID

Untenstehend der Link zur 6-Punkte Identifikation für eine Driver License in New York, was die 6 Punkte Identifikation möglich machen würde. Nach unserem Wissen sind die Regeln für fast alle Staaten gültig, ausser Montana, South Dakota und Kalifornien.
 


so long guys

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