Schweizerischer Nationalzirkus Knie
3. Juni 2013
3. Juni 2013
"Nullam quis te, cum in circo sum vir!" Wer kennt diesen weltberühmten Satz nicht, der über jedem altehrwürdigen Zirkus eingemeisselt ist? (1) Denn anders als die meisten von uns glauben, waren die frühen Zirkusse nicht im Zelt unterwegs, sondern spielten in festen Gebäuden und manche ständig am gleichen Ort.
Die Ursprünge der modernen Zirkusse gehen ins 18. Jahrhundert zurück, nach England und Pferden, die man in einer 13-Meter-Manage laufen liess. Noch heute ist dies die meistbenutzte Grösse, da die Pferde perfekt in der Kurve liegen und Akrobaten die Zentrifugalkraft bestens ausnutzen können. So begann der moderne Zirkus vornehmlich aus Pferde-Dressur und Akrobatik auf deren Rücken. Eine Attraktion, die in den meisten Zirkussen noch heute ein sicherer Wert ist.
Doch mit den Clowns kamen die Tränen
Ein Gen-Forscher Roman von Johannes Mario Simmel, metaphorischer Kontext.
Ein Gen-Forscher Roman von Johannes Mario Simmel, metaphorischer Kontext.
Die Aussage "Mit dem Zirkus kamen die Clowns" ist genau so falsch, wie die Tatsache, dass Raubtiere schon immer zum Zirkus gehörten. Clowns gab es schon lange vor dem 17. Jahrhundert, eine erste Erwähnung findet man in der irischen Sagenwelt. Mit dem Meeresgott Manannan, der sich den Menschen in verschiedenen Kostümen zeigte, begann die Figur des Clowns Gestalt anzunehmen. In Bel-Atha Senaig auf der Isle of Man soll sich folgendes zugetragen haben: "And while they were talking, they saw a Clown coming towards them, old striped clothes he had, and puddle water splashing in his shoes..."
6 Sprachen, 15 Musikinstrumente
Später zeigten Clowns in den Pausen von Schauspielen ihr Können und kamen erst nach und nach zum Zirkus. Heute ist die Figur des Clowns untrennbar mit dem Zirkus verbunden. Clowns wurden zum Teil weltberühmt, wie Charles Adrien Wettach, der Schweizer, besser bekannt unter dem Namen "Grock". Der Akrobat, Clown und Komponist, der 6 Sprachen beherrschte und 15 Musikinstrumente spielte, ist heute noch berühmt, obwohl er schon 1959 in Italien verstarb.
Ein Clown ist jemand, der genau im richtigen Moment das Falsche tut... so gesehen ist wohl schon jeder von uns einmal im Leben als Clown dagestanden. (Ich kenne viele!😏)
12'000 Zuschauer, 1200 Angestellte, 55 Elefanten
Die Geschichte des Zirkus, wie wir ihn heute kennen, begann erst Ende des 19. Jahrhunderts. Die Innovation des Zeltzirkus schwappte, wie könnte es anders sein, von Amerika in das alte Europa über. Die Blütezeit der Wanderzirkusse nahm ihren Anfang, nicht wenige der ganz Grossen gingen auf Welttournee.
So begeisterte 1900 Barnum & Bailey vier Wochen lang die Hamburger. Nicht weniger als ein Dutzend Zelte, von denen das grösste 12'000 Zuschauer fasste, zeigten den Deutschen eine Mega-Show. 1200 Angestellte legten dabei bis zu 40'000 km im Jahr zurück.
Ein Deutscher selbst schrieb Zirkusgeschichte, als er mit nicht weniger als 55 Elefanten auftrat. Eine Zeitlang wurden Rekorde en masse gebrochen, immer mehr exotischere Nummern, Tiere, ja selbst siamesische Zwillinge und Schwarze wurden in den sogenannten "Side-Shows" ausgestellt. Etwas, das heute zum Glück undenkbar ist.
Niedergang und Auferstehen des Zirkus
Doch mit der grossen Weltwirtschaftskrise und dem zweiten Weltkrieg begann der Niedergang vieler Dynastien. In den Nachkriegsjahren setzte Fernsehen und Kino den Zirkussen noch mehr zu. 1956 schrieb ein US-Magazin "Zeltzirkus, wie es ihn heute gibt, gehört der Vergangenheit an". Zum Glück hatte der Schreiber damals Unrecht. Mit dem "Cirque du Soleil", dem Zirkus aus Montreal, der gänzlich auf Manege und Tiernummern verzichtet, lebte eine neue Form der zirzensischen Unterhaltung gewaltig auf.
Mit "We reinvent the circus " wurde er über Nacht weltberühmt und ist 2013 ein Unternehmen mit über 5000 Mitarbeitern, dessen Wert 2004 auf 1 Milliarde Dollar geschätzt wurde.
Auch der Circus Knie, der seit 1919 95 Tourneen gespielt hat, ging in den 90er Jahren eine Verbindung mit dem Cirque du Soleil ein. Und genau auf Knie's Zirkusplatz stand ich am frühen Morgen des 3. Juni 2013, bewaffnet mit meinen zwei Kameras.
Kühle Begrüssung, keine Verabschiedung
Ich hatte den Medienverantwortlichen Peter Küchler angefragt, ob ich einmal hinter den Kulissen fotografieren dürfte. Ich erhielt eine Einladung, einen Aufbau des Zirkuszeltes mitzuverfolgen. Gespannt blinzelte ich zu früher Stunde und am ersten halbwegs schönen Tag seit Wochen in die Morgensonne. Knie gastierte nach einem Monat in Zürich für nur 2 Tage in Wettingen, bevor es am Donnerstag weiter nach Basel geht, wo der Zirkus 14 Tage bleiben wird.
In insgesamt 43 Schweizer Städten wird er Halt machen und 351 Vorstellungen geben. (Link Tourneeplan) Begrüsst wurde ich äusserst kühl, verabschiedet gar nicht. Wahrscheinlich dachten sie, ich sei ein einflussreicher "Influencer". Dem ist nicht so.
Kindheitstraum
émotions heisst das diesjährige Programm. Emotionen kamen auch bei mir auf, ging ich doch als Kind und auch später als Erwachsener liebend gerne in den Circus Knie. Manchmal stellte ich mir vor, wie es wäre, mit dem Zirkus weiterzuziehen. Natürlich als Artist, schliesslich bin ich ein Meister der 3-Ball-Jonglage. Wer weiss, vielleicht im nächsten Leben.
In diesem erlebte ich immerhin, durch Leuchtweste gesichert, den Aufbau eines Zirkus mit. Knappe 5 Stunden brauchten die aus 16 Nationen stammenden Männer, um das Zelt aufzustellen. Ruhig, geschäftig und zielstrebig gingen sie vor. Jeder Handgriff sass und was für den Aussenstehenden wie Chaos aussah, war eine durch und durch geplante Meisterleistung.
Live wird nicht aussterben (2026)
Nur die Artisten bekam ich nicht zu Gesicht, das ergibt sich sicher ein anderes Mal. Jedenfalls wünsche ich dem Circus Knie volle Zelte und ein begeistertes Publikum. Bei diesen, von You-Tube, Facebook, Twitter und TV verseuchten Generationen, kein leichtes Unterfangen. Vielleicht würden im Zelt aufgehängte Video-Würfel, auf denen man in Zeitlupe die akrobatischen Darbietungen zeigen könnte, die Diskrepanz der zirzensischen und "unserer" Welt etwas ausgleichen. Aber vielleicht ist es besser so, wie es ist.
1) "Nullam quis te, cum in circo sum vir!" ist natürlich frei erfunden, bzw. frei nach Google- Übersetzung von "ich war beim Zirkus, Mann"!
Der Aufbau des Zeltes
3. Juni 2013
3. Juni 2013
Der Zirkus Knie gastiert vom 21. März (Rapperswil) bis 17. November 2013 (Lugano).
8 Masten, der Zeltaufbau wird mit den 4 Masten, die am Vorabend eingesetzt wurden, beschleunigt, Masten 20 m hoch, ein Mast 1200 kg.
2500 qm Zelt, 8-teilig, Zeltgewicht 2500 kg
Aus 16 Nationen stammen die 100 Mitarbeiter, die den Aufbau bewerkstelligen.
120 Kilometer Nähfaden verbinden das Zelt.
5 Traktoren begleiten den Zirkus.
36 Pferde wurden in 2 Strassen-Transporter verladen und werden jetzt zu ihren Stallungen geführt.
Dem Kamel passt irgendetwas nicht und ruft nach seinem Diener.
Zwei weibliche Watussi-Rinder gehören zum fahrenden Zoo.
Nostalgie wird beim Zirkus Knie gelebt. Wohnwagen von Franco Knie.
135 Anhänger (70 Bahn, Rest Strasse) zählt man.
Knie hält zusammen.
Eine legendäre Knie-Reklametafel.
Hereinspaziert. Geld wird auch mit Kirmes-Ständen verdient.
5000 Meter Verstärkungsriemen.
Von den Arbeitern erhielt ich immer wieder nette Gesten.
Konzentriert.
Neben dem harten Job bleibt auch für Lachen Zeit.
Jeder Job ist präzise definiert.
Die sympathische Frau des Papageien-Königs Alessio Fochesato. Auch 2026 noch aktiv.
Der nordkoreanischen Trapez-Künstler zeigt meine Visitenkarte.
Der Aufbau ist Schwerarbeit.
Noch scheint es Tage zu dauern bis das Zelt steht.
Einer der 20 Materialwagen wird ausgeladen.
Innert Minuten war das Zelt erkennbar.
Knie, ganz klar, Knie.
Ein paar Eisendreiecke für die Zuschauertribünen.
Es gibt Pferde, die wirken nicht überheblich, die sind überheblich.
23 schön frisierte Ponys reisen mit.
Diese Stute sieht man in der Manage. Ein Kraftpaket.
3 Elefantendamen gehörten zum Team. Es war nicht einfach, sie aus den Eisenbahnwagen zu bekommen.
Leider laust sie nicht der Affe.
Ich tippe mal auf Männergarderobe.
Das Zelt steht.
Die Bestuhlung dauert vielleicht eine Stunde.
3 Stunden dauert der Aufbau für Ton und Licht.
Schwerstarbeit.
Die Trapezkünstlerin überwacht die Installation persönlich.
2013 waren 50 Artisten beim Knie beschäftigt.
Wer viel Fantasie hat...
Es hatte nur wenige Zuschauer beim Aufbau.
Zirkusleben. Ob es so romantisch ist, wie man sich das vorstellt, bezweifle ich.
250 kg Heu, Obst und Gemüse essen sie täglich. Und 200-250 Liter Wasser um den Durst zu stillen.
Nein, ich seh' Dich fast nicht. Können Elefanten Verstecken spielen? Sah fast so aus.
Diese beiden machten alles synchron.
Sid? Nein, eine elegante Lady. Aber als sie einen fahren liess, das war nicht "ladylike".
Langsam geht mein Besuch zu Ende. Vom Medienverantwortlichen keine Spur.
Die Halle für die Elefanten ist riesig.
Für die Tiere ist bestens gesorgt.
Das war ein Auslachen. Jede Wette.
Sie liebte das Posieren. Im Ernst.
Und Tschüss.
Zu meiner Schande bin ich bis ins 2026 nie mehr in einem Zirkus gewesen.
so long guys




















































