Hvar, Hauptort der Insel und Treffpunkt der Reichen und Schönen
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8. Juni 2011 - 12. Juni 2011
8. Juni 2011 - 12. Juni 2011
SI TE NOSTI CUR SUPERBIS (wenn Du siehst wer Du bist, warum bist Du so eitel). Diesen Satz meisselte Petar Hektorovic in die Mauer seines Klos. Hektorovic, Poet und Universalgelehrter, der 1568 sein wichtigstes Buch "Fischerei und die Dialoge von Fischern" veröffentlichte. Für diese Schrift hat er Hvar das einzige Mal in seinem Leben verlassen: Um 3 Tage auf Fischerbooten zu verbringen. Leider habe ich das Buch nicht gelesen. Ist vielleicht ein Vorläufer von "der alte Mann und das Meer". Jedenfalls kann ich ihn gut verstehen. Wer will schon eine Insel verlassen, auf der die Geschichte lebendig ist und die vor Schönheit nur so strotzt? Vielleicht war es zu jener Zeit aber auch ein bisschen mühsamer und gefährlicher als heute.
Fast Food in ehrwürdigen Gemäuern
Wir jedenfalls setzten in knapp 2 Stunden mit der Autofähre von Split
nach Stari Grad über. Stari Grad bedeutet alte Stadt, nur gut, wurden
nicht alle Städte aus dieser Zeit so benannt. Wir fuhren mit dem Auto
die 15 km auf die andere Seite der Insel, nach Hvar. Die Altstadt ist
autofrei, daher parkten wir auf einem kostenpflichtigen Parkplatz und
schleppten unsere Taschen und Fotoausrüstung ins alte Städtchen. Vorbei
an Fast Food Ständen, die in alten Gemäuern Pizza und Hamburger
anbieten. Dann öffnet sich die Gasse zur Pijaca, dem Hauptplatz von
Hvar. Umrahmt von alten Häusern, meist aus der Zeit der Renaissance. Ein
Platz mit Restaurants, Bars und Cafés, auf dem sich die Touristen und
Einheimischen Tag und Nacht treffen.
Nach ein paar hundert Metern erreichten wir unser Hotel, das Palace, ein
wunderbarer Altbau, in dem man gebeten wird, nasse Kleider nicht zum
Trocknen über den Balkon zu hängen, um das alte Gemäuer nicht zu
verunstalten. Absolut verständlich.
Wie im Freilichtmuseum
Immer
wieder staune ich über die schön gepflegten alten Städtchen in
Kroatien. Die Menschen in Hvar leben wie in einem Freilichtmuseum, in
dem noble Restaurants mit gutem Essen und einheimischen Wein, wie dem
fast schwarzen Faros, die Touristen locken. Bars und Esstempel säumen
den alten Hafen und den Quai, an dem kleine, alte Kreuzfahrtschiffe
anlegen und Taxiboote, die Besucher von den grossen Schiffen, die in der
Bucht ankern, hin- und herfahren. Teure Privatyachten zeugen von der
zunehmenden Beliebtheit der Insel bei Reichen und Prominenten. Und
trotzdem sind die Preise im angenehmen Rahmen. Wer zu zweit mehr als 80
Euro liegen lässt, hat wohl beim Wein und den Digestifs mehr als nur
zugeschlagen.
Immer wieder neue Herren
Hvar wurde schon in der Vorgeschichte von Jägern und Fischern besiedelt.
Später stritten sich die Illyrer mit den Griechen um die strategisch
wichtige Insel. Ihnen folgten die Römer, aber auch die Awaren und die
Neretvaner besetzten die Stadt. Die Herren wechselten sich munter aus:
Ob Venedig, Byzanz oder die Piraten aus Omis. Sogar Bauern und Bürger
vertrieben im 16. Jahrhundert Reiche und Adlige. Immer wieder wurde die
Stadt Opfer von Piraten. Es gab wohl auch ruhigere Zeiten, jedenfalls
wurde 1612 in einem Dock am Hafen ein Theater gegründet, das heute als
das älteste Schauspielhaus Europas gilt. In der jüngeren Geschichte
gaben sich die Oesterreicher, Franzosen, wieder die Oesterreicher und
die Italiener die Hand. 1922 fiel die Insel an das Königreich
Jugoslawiens, um im April 1941 von Italienern beherrscht zu werden. Nach
der Kapitulation von Italien 1943 hausierten kurze Zeit deutsche
Verbände in Hvar, um 1944 von den Partisanen vertrieben zu werden. Bis
1991 gehörte es zu Jugoslawien und jetzt zu Kroatien. Möge das so
bleiben, obwohl die Geschichte ja immer neu geschrieben wird.
Die blaue Grotte
Auch
wir wollten für kurze Zeit die Gewässer rund um Hvar erobern und
buchten einen Tagesausflug um die blaue Grotte und die Insel Vis zu
sehen. Morgens um 9 fuhren wir gemächlich an den vielen Booten und
zwischen den kleinen Insel vor Hvar hinaus auf die Adria. Nach 3 Stunden
auf dem azurblauen Wasser erreichten wir die blaue Grotte. Gemäss
Prospekt ein Weltnaturereignis. Tatsächlich ist die Einfahrt zur Höhle
abenteuerlich. Wir wurden auf ein kleines Boot verladen, 2.50 breit und
kaum einen Meter hoch. Unser Fahrer steuerte es auf ein lächerlich
kleines Loch in einer Felswand zu. "Kopf runter" lautete der harsche
Befehl und ein kleines Wellental ausnützend, drang das Boot links und
rechts an die Wände schrammend ins Dunkel der Höhle ein. Wer den Befehl
missachtet, dem wird die Höhle wohl zur Gruft! Das leuchtend blaue
Wasser im Innern belohnt den Besucher vollends.
Besser in Komiza auf der Insel Vis essen
Ein kleiner Tipp. Im Preis von 380 Kunas pro Person ist auch ein Lunch
inbegriffen. Wer aber nicht gerade völlig ausgehungert den Ausflug
angeht, überlässt das Mahl lieber den Fischen. Schliesslich landet man
um ca. 2 Uhr nachmittags in Komiza, einem herzigen Fischerdorf auf der
Insel Vis, in dessen Nähe die Tito-Höhle liegt, von der aus er 1944 den
Widerstand gegen die deutsche Besatzung organisiert haben soll. 2
Stunden Aufenthalt in Komiza würden für ein herrliches Mal in einem der
vielen Restaurants reichen. Vis hat eine ähnliche Geschichte wie Hvar
und war bis 1995 militärisches Sperrgebiet.
Gefährliche Rückfahrt
Unterdessen hatte die Bora aufgefrischt. Im Windschatten fuhren wir
ein paar Seemeilen Vis entlang. Aber kaum waren wir auf offenem Meer,
schlingerte der alte Kutter in 2 Meter hohen Wellentälern hin und her
und auf und ab. Wir lagen auf dem Oberdeck in Liegestühlen, wie die
meisten der anderen Gästen. An Gehen an Bord war kaum mehr zu denken.
Die Stühle rutschten auf dem nassen Deck hin und her und verzweifelt
klammerten sich die meisten an die Reling. Eine grosse Welle hatte der
Kapitän perfekt erwischt. Die Gischt ergoss sich in Sekundenschnelle
über uns. Klatschnass rappelten und krochen wir auf das untere Deck, das
von Plastikplanen etwas geschützt wurde. Nur noch 2 Stunden bis Hvar!
Der Kapitän kreuzte gegen die Wellen und den Wind um dann wieder Vorwind
die Richtung zu halten. Sabina aus dem Zürcher Oberland hielt sich
tapfer, aber einige der Mitreisenden klammerten sich verzweifelt an die
Tische. Ihre Knöchel so weiss, wie ihr Gesicht. Ich will hier nicht den
Helden markieren, aber als alter Seebueb vom Zürisee... mir hat's
gefallen.
Wo ist der Lavendel?
Am nächsten Tag wollten wir die Buchten und Landschaft der Insel
erkunden. Vor allem die Lavendelfelder wollten wir vor die Linse
bekommen. Schliesslich sei Hvar im Juni von diesen violetten Blüten wie
von einem Teppich überzogen. Leider konnte uns niemand so recht sagen,
wo diese Felder liegen. Nicht einmal der alte Verkäufer in einer Gasse
von Hvar, dessen Familie einmal 1700 Stauden besass, die aber von einem
Feuer vernichtet wurden. Von ihm erfuhren wir auch, dass die
Parfumindustrie von Grasse in vergangenen Tagen Lavendel aus Hvar
kaufte, die Qualität sei einmalig. Sabina erfuhr auch, dass er wenig für
die Regierung und Vorschriften übrig hatte und so manches mehr. Ich
konnte endlich einmal eine Viertelstunde in den Gassen fotografieren,
ohne den Atem von Sabina im Nacken zu spüren und ohne unsere Objektive
zu kreuzen...:-) Gefunden haben wir sie leider nicht, aber immerhin ein
paar Büsche in der Wildnis der Insel.
Hvar lebt vom Tourismus, selbstversorgender Landwirtschaft (das Beef von
der Insel war perfekt), dem Anbau von Lavendel (mit dem Wissen von
heute würden wir ihn finden), dem Wein und Oliven. Ja, eine Insel, auf
der man den Rest der Welt glatt vergessen könnte. Aber nicht nur
Weinliebhaber, Gourmets, Segler, Surfer und Kreuzfahrer kommen auf ihre
Kosten, auch wer das Tanzbein schwingen oder ohne Textilien in einer
Bucht oder auf einer Insel liegen will, ist hier richtig.
Aber nach vier Nächten in Hvar wurde eine weitere Inschrift von Petar Hektorovic wahr: "HEU FUGIUNT FLUXU NON REDEUNTE DIES (Oh, weh, wie auf Nimmerwiedersehen die Tage dahinfliehen)!
Ein hilfsbereiter und selbstloser Franzose? Das gibt's!
So
einfach wollte die Insel uns aber nicht gehen lassen. In Kroatien ist
beim Autofahren Licht am Tag Pflicht und auch in diesen modernen Tagen
übersteht eine Autobatterie 14 Stunden bei eingeschaltetem Licht nicht.
Selbstredend war es auch Sonntag und wieder einmal wurde ein Vorurteil
etwas fester in den Stein gemeisselt. Der Südländer ist hilfsbereit,
höflich und fröhlich, aber nur wenn es ihm passt. So verwies uns der
Parkplatzwächter an die Garage, der Garageninhaber auf Montag, der
Scooterverleiher wollte uns einen Scooter leihen und war von seiner Idee
so begeistert, dass er verhindern wollte, dass wir noch einen
Taxifahrer um Rat baten. Mit dessen Kabeln und der Hilfe von einem
Franzosen, der neben uns geparkt hatte und 20 Minuten selbstlos auf uns
wartete, starteten wir doch noch Richtung Split durch.
Insel Hvar, Kroatien
8. Juni 2011 - 12. Juni 2011
Ausfahrt aus dem Hafen von Split.
Sabina freut sich auf unseren Trip.
Blick über die Dächer von Hvar auf die spanische Festung.
Die Pijaca, der Hauptplatz von Hvar.
Links im Bild, unser Hotel Palace Elisabeth, damals im Juni 2011 noch zahlbar, 2025 extreme Preise.
Damals war es schon wunderbar eingerichtet, die Zimmer allerdings wurden später renoviert.
Ausblick aus unserem Hotelzimmer.
Hochzeiten sind beliebt im Hotel Palace, die Blumengeschäfte werden davon profitieren.
Gepflegte Gässchen in der Altstadt.
Dieser Herr, ein Erbe der Lavendelfelder, erzählte uns eine Menge über die Geschichte von Hvar.

Blick aus dem Hotel.
In pittoresken Gässchen kann man flanieren und im Dalmatino herrlich speisen, damals noch ein Geheimtipp, im 2025 4.8 Sterne auf Google.
Hanibal Lucic war ein Schriftsteller (1485 - 1553).
Fangfrisch für die Restaurants, die um den Hafen von Hvar liegen.
Im Hintergrund die Mega-Yachten der reichen Besucher, im Vordergrund die Boote der Einheimischen.
E gibt auch eher ruhige Ecken im Hauptort.
Das Quai von Hvar.
Am Quai buhlen die Restaurants um Kunden, ob das im 2025 immer noch so ist?
Der Eingang des ersten kommunalen Theaters in Europa, 1612 eröffnet.
Ein prächtiger Bau, dieses Theater.
Man sagt der Stunde kurz nach Sonnenuntergang die "blaue Stunde", etwas überzeichnet.
Ausflug in die "Blaue Grotte" der Insel Bisevo und nach Komiza, Insel Vis
10. Juni 2011
10. Juni 2011
Von Hvar ging es vorbei an noblen Kreuzfahrtschiffen, wie das Wind Surf.
Das Wind Surf, ein Motorsegelschiff der Extraklasse, Stapellauf 1989, 308 Passagiere, 188 Mann Besatzung und 188 Metern Länge über alles.
Der Leuchtturm am nord-östlichen Ende der Insel Bisevo.
Irgendwie schon speziell, diese "Blaue Grotte" auf der Insel Bisevo, der Eingang ist 1.50 m hoch und gut 2.5 m breit, das Boot nur unwesentlich kleiner, der Bootsführer muss ein Wellental abwarten und dann im Wellental in die Grotte reinfahren: "Bitte ducken!" Der Eingang ist künstlich, früher konnten nur Taucher in die Grotte eindringen. Bei hohem Wellengang ist ein Besuch nicht möglich.
The "Blue Cave"! Sabina staunt ab dem blau leuchtenden Wasser. Wenn die Sonne am Zenit steht, ist das Blau besonders intensiv. Das Wasser filtert das rote Licht und lässt nur das blaue Licht in die Höhle, ein weisser Sandboden kann das noch verstärken.
Wenn man aus der Höhle wieder hinaus auf's Meer fährt, sollte man sitzen bleiben, denn das Seil ist in nur 1.50 Metern Höhe gespannt... ich stand auf und beinahe hätte es mich in voller Fahrt erwischt! Danke Sabina, ohne Deine Warnung wär ich wohl schwer verletzt heimgeflogen!
Komiza, Vis
10. Juni 2011
10. Juni 2011
Der Hafen und die Festung von Komiza, Hauptort der Insel Vis.
Im Hafen von Komiza.
Man wird von seltsamen Gesichtern beobachtet.
Auch die Taube behielt uns im Auge.
Hafengebäude auf Vis.
Dieses schöne Segelschiff wird auch für Touristenfahrten benutzt.
Mit dem 27 Meter langen Vagabundo schipperten wir in den Wellentälern und -bergen auf und ab. Auch im 2025 fährt das Schiff noch jeden Tag nach Vis und zur blauen Grotte.
Zurück in Hvar
10. Juni 2011 - 12. Juni 2011
10. Juni 2011 - 12. Juni 2011
Lavendel und Gräser wiegen sich im sanften Hvarer-Wind.
Immerhin haben wir doch noch einige Lavendelfelder gefunden.
Das letzte Bild aus Hvar.
Man muss schon eine gewisse Neigung zu Gunsten von Split haben, um sie als schönste Stadt der Welt zu bezeichnen.
Aber die Altstadt mit dem Diokletianspalast ist wirklich einzigartig.
Die Einsamkeit des Kreuzfahrers.
so long guys




















































