18. Juli 1930 - 1. Oktober 2022
Das Lange Leben meiner Mutter
Eigentlich gehen sie nur voraus. Dies wird einem vor allem beim Tod eines Elternteils sehr bewusst. Meine Mutter wurde über 92 Jahre alt. Immerhin gingen ein paar Wünsche von ihr in Erfüllung. So konnte sie bis auf die letzte Nacht, die sie im Spital Männedorf verbrachte, in ihrem Einfamilienhaus in Uerikon leben.
Ich hatte Stunden vor ihrem Tod noch lange mit "Mötti", wir wir Kinder sie nannten, telefoniert. Gott sei Dank blieb ich trotz ihrer leichten Verwirrung ruhig und geduldig und kündigte meinen Besuch im Spital für den nächsten Tag an. Drei Stunden später ist meine Mutter, auch die Pfleger überraschend, am 1. Oktober 2022 um 1945h sanft und leise verstorben.
Gertrud "Trudi" Menz-Gut wuchs mit einem heute längst verstorbenen Bruder und ihren Eltern in Höngg auf, besuchte die Töchterschule, heiratete früh und wurde mit 22 Jahren zum ersten Mal Mutter. Im Abstand von 2 Jahren kamen noch 2 weitere Kinder dazu und nach einer 6-jährigen Pause erblickte ich 1962 das Licht der Welt. Ich durfte im neuen Einfamilienhaus in Uerikon einziehen, in dem Trudi die nächsten 60 Jahre verbringen würde.
Sie blieb ihrer Familie stets treu, auch wenn die Ehe nicht einfach war und schwärmte zeitlebens vom Tessin, schliesslich war sie eine Nachfahrin der verarmten Adelsfamilie Maggi aus Castel San Pietro im Mendrisiotto.
Sie hatte viele Interessen und verfolgte bis zuletzt das politische Geschehen auf der Welt. Zur Überraschung aller, oder mindestens zu meiner, outete sie sich in ihren letzten Jahren als grosse Verehrerin von Nationaltorhüter Yann Sommer, obwohl sie Sport sonst eher nicht interessierte. Schwärmen für jemanden ist wohl keine Altersfrage!
Neben spazieren und etwas Yoga zu Hause war Schwimmen ihre einzige sportliche Tätigkeit. Sobald das Wasser einigermassen warm war, schwamm sie bis ins hohe Alter fast jeden Tag im Zürichsee und in jüngeren Jahren von Uerikon zur Insel Ufenau und zurück. Ohne Begleitung!
Aber der Schriftsteller Philip Roth sagte: Das Alter ist kein Kampf; das Alter ist ein Massaker! Vielleicht war es bei meiner Mutter nicht gerade ein Massaker, aber die letzten Jahre waren für alle schwierig. Und nichts hilft gegen die Erkenntnis, dass man geboren wird, um zu leben und stattdessen stirbt (Roth).
Wir Geschwister sind jedenfalls froh, dass unsere Mutter so sanft wie nur möglich einschlafen durfte. Ihrem Wunsch gemäss gab es nur eine kleine Gedenkfeier der Familie und ihre Asche wurde dem Wind und den Wellen ihres geliebten Zürichsees übergeben.
Mutter, riposa in pace!
Step back in time.
So habe ich sie nie gekannt.
Mit dem Erstgeborenen.
Meine zwei Geschwister ältesten Geschwister.
Der Nachzügler Geroldeli mit Trudi.
Tochter und Mutter.
Der Matrose vom Luganersee hätte seine helle Freude gehabt (Insider).
Mit ihrer Mutter in Uerikon.
Mit Schwiegertochter Sabina, dem Süssen nicht widerstehend.
In ihrem geliebten Mendrisiotto (2016).
Auf dem Friedhof Stäfa, wo ihr 2009 verstorbener Mann Heinrich liegt. Vorglühen? Nein, ihre Asche wurde im Zürichsee verstreut.
In ihrer Stube.
Juli 2021 Besuch der Schwiegertochter.
Sommer 2021.
Trudis Mutter "Grosmüeti" Luise Menz-Gut.
Die Tochter Trudi im etwa gleichen Alter, Juni 2022.
Am Schluss bleibt nichts. Die Asche haben wir im Zürichsee verstreut, die Urne hat sich dann auch noch aufgelöst. "Bis die Tage Mutter!" Oder wie Sabina und ich auf einem Friedhof in Kalifornien gelesen haben:
"Until we meet again!"
so long guys















