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6. September 2026

Die vergessene Legende von Zürich und die fast vergessene vom Engadin

Unverkennbar Zuoz - das Hotel Crusch Alva am Hauptplatz. Eines der ältesten Hotels der Schweiz. 1500 erbaut, diente es zuerst als Rechtswirtshaus, in dem Richter tagten und auch Essen und Übernachtungsmöglichkeiten angeboten wurden. Ab 1735 wurde es zum Gästehaus ausgebaut.

Die fast vergessene Legende von Maloja
14. August 2026 - 16. August 2026

Es muss mehr als zwanzig Jahre her sein, seit Sabina und ich das letzte Mal gemeinsam im Engadin waren.

Damals übernachteten wir im Julier Palace in Silvaplana und verbrachten unter anderem einen wunderbaren Abend in der Hotelbar. Wir kamen mit der Bardame ins Gespräch, sie wiederum mit einer Kurzzeitbekanntschaft, und irgendwie wurde daraus einer dieser ungeplanten Abende, die einem länger in Erinnerung bleiben als manches sorgfältig zusammengestellte Ferienprogramm. Den General-Schlüsselbund des Hotels, den sie spät nachts in unserem Zimmer vergessen hatte, steckten wir ihr beim Morgenessen zu...

Leider bekam die Geschichte wenige Wochen später eine ausgesprochen traurige Fortsetzung. Unser gemeinsamer Bekannter verunglückte mit dem Motorrad schwer und ist seither gelähmt. Was für eine Tragik!

Eine zweite Erinnerung jener Reise ist ebenfalls geblieben. Allerdings aus einem ganz anderen Grund.

Das Geisterhotel

Irgendwann an einem Abend dieser Woche fuhren wir in der Dämmerung auf den Parkplatz des Maloja Palace. Ich war ziemlich sicher, dass dieses riesige Gebäude nicht mehr in Betrieb, wenn nicht sogar komplett verlassen war.

Dann hörten wir Musik. Und in einem der Speisesäle sahen wir junge Mädchen mit weissen Häubchen geschäftig hin und her rauschen. Musik. Junge Mädchen mit weissen Häubchen. Ein vermeintlich verlassenes Grandhotel. Dämmerung. Es hatte etwas ausgesprochen Gruseliges.

Wir taten deshalb das, was vernünftige und ausgesprochen mutige Menschen in einer solchen Situation tun: Wir hauten ab. Nicht ohne zu schwören, hier einmal übernachten zu wollen.

Bei Sabina und mir kann „irgendwann“ durchaus etwas länger dauern.

Vom 14. bis 16. August 2026, mehr als zwanzig Jahre später, war es endlich soweit: Wir hatten ein Zimmer im Maloja Palace gebucht.

Ein Belgier mit einer grossen Idee

Dass uns dieses Hotel damals etwas unwirklich vorkam, passt eigentlich hervorragend zu seiner Geschichte.

Ende des 19. Jahrhunderts hatte der belgische Graf "Camille de Renesse" die eher unbescheidene Idee, Maloja zu einem Treffpunkt der europäischen Aristokratie zu machen – eine Art "Monte Carlo der Alpen".

1884 wurde das damalige Hôtel Kursaal de la Maloja eröffnet. Rund 500 Arbeiter waren an dem gigantischen Bau beteiligt. Bei seiner Eröffnung gehörte es zu den grössten Gebäuden der Schweiz. Luxus wurde nicht gerade klein geschrieben: Kristall, Silberbesteck, Billardtische, Badewannen – was Europas begüterte Gesellschaft damals eben brauchte, um sich auch auf 1'800 Metern über Meer angemessen langweilen zu können.

De Renesse soll sogar venezianische Gondeln angeschafft haben. Bei einem Fest wurde ein Saal geflutet, damit die Gäste darin Gondel fahren konnten.

So gesehen waren unsere Mädchen mit den weissen Häubchen noch die harmlosere Erscheinung.

Der Traum vom mondänen Maloja bekam allerdings schon kurz nach der Eröffnung einen kräftigen Dämpfer. Eine Cholera-Epidemie in Italien führte zu Reisebeschränkungen, Gäste blieben aus, Geld wurde knapp. Der Graf ging Konkurs.

Später erlebte das riesige Haus eine wechselvolle Geschichte mit Schliessungen, Wiedereröffnungen und unterschiedlichsten Nutzungen.

Vielleicht hatten wir vor zwanzig Jahren also doch keine Gespenster gesehen.

Obwohl – bei diesem Gebäude würde ich mich bis heute nicht festlegen.

Zwanzig Jahre später und eine faustdicke Lüge

Am Freitag ging es über den Julierpass ins Engadin.

Im Ospizio auf dem Julier machten wir Mittagspause und assen hervorragend. So hervorragend, dass wir zu diesem Zeitpunkt noch der naiven Meinung waren, das Engadin meine es an diesem Wochenende kulinarisch ausgesprochen gut mit uns.

Als wir im Ospizio sassen, nahm an einem Tisch ein älteres Pärchen Platz. Sie ging kurz darauf auf die Toilette. Die Bedienung hetzte Richtung Buffet, er streckte seinen Arm aus, sie fiel fast hin. "Eine Portion Pommes frites, bitte." Seine Frau kam zurück und er meinte: "Ich habe Pommes bestellt." "Ah, Du hast Dir schon Pommes bestellt?!" "Ja, ich musste. Sie hat mich angesprochen und mich zu einer Bestellung aufgefordert!" Ich möchte nicht mit ihm befreundet sein. So ein Halunke!😇

Wir erreichten Maloja, checkten ein und lösten damit endlich unser über zwanzig Jahre altes Versprechen ein. Das Palace ist noch immer ein beeindruckendes Haus. Vielleicht ein wenig in die Jahre gekommen, hier und dort würde etwas Liebe nicht schaden – aber gerade das gehört für mich zu seinem Charme.

Kein steriles Designhotel, bei dem man morgens nicht mehr weiss, ob man in Zürich, Dubai oder Singapur aufgewacht ist. Dieses Hotel hat Geschichte. Und man spürt sie.

Was ich allerdings bei der Buchung reichlich spät entdeckt hatte: Im Juli und August ist das Maloja Palace stark auf orthodox-jüdische Gäste ausgerichtet: Koschere Küche. Eine Synagoge im Hotel. Schabbat. Und sehr, sehr viele schwarze Hüte.

Nun gut. Wir hatten zwanzig Jahre auf diese Übernachtung gewartet. Und niemand hatte verlangt, dass sie langweilig sein sollte.

Offenbar hatten nicht nur wir das Kleingedruckte übersehen

Kurz nach unserer Ankunft folgte bereits die nächste Überraschung. Von unserem Balkon aus sahen wir, wie ein Mann mit dunklem Teint aus einem Auto stieg. Dann folgte seine Begleiterin.

Eine elegant gekleidete muslimische Frau, vollständig verhüllt. Nur ihre Augen waren sichtbar.

Sabina und ich schauten uns an. Ausgerechnet hier?

Ein Hotel, das in diesen Wochen praktisch auf orthodox-jüdisches Leben eingestellt war und nun checkte ein muslimisches Paar ein?

Offenbar waren wir nicht die Einzigen, die bei der Buchung etwas übersehen hatten. Die beiden blieben nur eine Nacht.

Am Sonntag sollte die Geschichte noch eine kleine Fortsetzung bekommen. Ich kam mit einem wirklich netten Zürcher Juden ins Gespräch und fragte ihn, ob er das muslimische Paar beim Einchecken ebenfalls gesehen habe.

Er reagierte vollkommen gelassen:

„Ach, wir haben sogar im Aussenministerium Moslems (er meinte natürlich Israels AM).“

Okay.

Dann zeigte ich ihm das Foto der Frau, das ich in der Lobby aufgenommen hatte.

„WAAAAS? Die hat hier eingecheckt?“

Die Gelassenheit war blitzartig verschwunden. Plötzlich war von Sicherheitsbedenken die Rede.

Ich fand weniger die Frau bemerkenswert als die Reaktion meines Gesprächspartners. Solange sie nur in meiner Erzählung existierte, war alles kein Problem. Dann sah er das Foto.

"Alarmstufe Maloja".

Dabei hatten die beiden nichts Spektakuläres getan. Sie waren in ein Hotel gekommen, hatten eingecheckt, übernachtet und waren am nächsten Tag wieder verschwunden. Eigentlich genau das, was Hotelgäste seit Erfindung des Hotels tun. Nur im falschen Hotel zum unpassendsten Zeitpunkt.

Quöllfrisch und Feldforschung

Nach diesem ersten kleinen Kulturschock beschlossen wir, dass wir für den Freitag genügend Programm hätten. Wir genehmigten uns ein Quöllfrisch und genossen den Abend im Hotel.

Und natürlich beobachteten wir fasziniert das Treiben um uns herum.

Überall wieselte es durch die Gänge. Männer in schwarzen Anzügen und mit hohen Hüten, Frauen, Kinder, ganze Familienverbände. Wir verstanden vermutlich höchstens zehn Prozent dessen, was um uns herum geschah, fanden aber hundert Prozent davon interessant.

Man kann einen Freitagabend schlechter verbringen.

Das Mistkratzerli schlägt zurück

Am Samstag wollten wir dann doch etwas vom Engadin sehen. Wir fuhren über St. Moritz nach La Punt und kehrten zur Mittagszeit im Fö e Flamma ein.

Auf der Karte: Mistkratzerli. Perfekt. Sabina eines, ich eines. Sie sahen gut aus, schmeckten aber eigenartig, mit einer sehr speziellen Marinade. Und leider waren sie nicht ganz durchgebraten. Wir bemerkten es zwar, machten uns zunächst aber keine grossen Gedanken.

Wo ist das nächste Bett?

Auf der Rückfahrt hielten wir zwischen La Punt und St. Moritz am Inn und machten einen Spaziergang. Eine ausgesprochen gute Idee, denn so konnten wir in wunderschöner Engadiner Landschaft beobachten, wie es uns beiden zunehmend beschissener ging. Und zwar gleichzeitig. Aus dem gemütlichen Spaziergang wurde sehr schnell nur noch eine Frage:

Wie weit ist es von hier bis zum nächsten Bett?

Uns wurde brutal schlecht. Wir brachen sämtliche Vorhaben ab und fuhren so schnell wie möglich zurück ins Maloja Palace. Dort legten wir uns hin.

Wer Mr. Bean nach dem Genuss seiner Austern kennt, kann sich ungefähr vorstellen, wie wir uns fühlten.

Schabbat fast aus der Horizontalen

Damit hatte sich unser sorgfältig nicht vorhandenes Samstagsprogramm erledigt. Statt Engadiner Seen, Bergpanoramen und irgendwelcher Sehenswürdigkeiten gab es Maloja Palace. Sehr viel Maloja Palace.

Immerhin war Samstag – Schabbat – und damit gab es im Hotel einiges zu beobachten.

Besonders fielen mir Männer mit ihren hohen Hüten auf, die immer wieder vor einen älteren Mann traten und sich vor ihm derart ausdauernd und hektisch verbeugten, dass ich mir irgendwann Sorgen um ihre Bandscheiben machte.

Dann wurden Weinflaschen feierlich entkorkt. Ich lernte dabei etwas ausgesprochen Wichtiges:

Wein braucht offenbar unter gewissen Umständen religiöse Aufmerksamkeit. Bier nicht. Es gibt also Konstanten im Leben, auf die man sich verlassen kann.

Wir kamen mit Helene ins Gespräch, einer Zürcher Jüdin,  wohnhaft in London. Fast hätte ich „wahnhaft“ geschrieben. Eine kleine Ahnung weshalb.

Helene erzählte uns einiges über den Schabbat, über Traditionen und über die religiösen Schriften, in denen die Frauen an diesem Tag gerne lesen. Sie wirkte auf mich sehr intelligent, offen und angenehm. Sie meinte auch, Juden seien ein friedliches Volk, wenn man sie in Ruhe lasse.

Nun könnte ich an dieser Stelle einen längeren Exkurs über Weltpolitik beginnen. Ich lasse es lieber.

Interessanter fand ich ohnehin, für ein Wochenende einen kleinen Einblick in eine Welt zu bekommen, die sich von unserer fundamental unterscheidet. Vieles erschien uns fremd. Manches faszinierend. Manches werde ich vermutlich nie verstehen. Und ich muss es auch nicht. Man kann beobachten, fragen und zuhören, ohne anschliessend derselben Meinung sein zu müssen.

Einen einzigen Punkt am Judentum fand ich allerdings schon immer sympathisch: Es missioniert nicht.

Niemand klopft an meine Haustür und versucht mich davon zu überzeugen, dass ich dringend Jude werden sollte. Im Gegenteil: Eine Konversion zum Judentum ist zwar möglich, aber traditionell alles andere als ein unkomplizierter Vereinsbeitritt. Jeder soll glauben, was er will. Solange er mir nicht erklärt, dass ich dasselbe glauben muss.

Ab nach Hause

Am Sonntag ging es unseren Mägen etwas besser. Die Betonung liegt auf "etwas". Da Sabina sehr viel weniger von dem Güggel gegessen hatte, war sie am Sonntag eigentlich schon fast wieder okay. Bei mir flatterte das Mistkratzerli noch fast eine Woche in meinen Eingeweiden herum.

Unsere Lust auf weitere kulinarische oder touristische Experimente hielt sich deshalb in überschaubaren Grenzen. Wir packten unsere Sachen und machten uns auf den Weg zurück nach Dietikon.

Damit endete unser erstes Engadin-Wochenende seit über zwanzig Jahren wesentlich weniger aktiv als geplant. Aber vielleicht sind genau das die Reisen, an die man sich später erinnert.

Wir hatten endlich in diesem geheimnisvollen Grandhotel übernachtet, vor dem wir damals beinahe fluchtartig davongefahren waren.

Wir waren für ein Wochenende in eine für uns ziemlich fremde religiöse Welt geraten.

Wir hatten eine vollständig verhüllte Muslimin in einem orthodox-jüdisch geprägten Hotel getroffen.

Wir hatten gelernt, dass Wein komplizierter sein kann als Bier.

Und wir hatten herausgefunden, dass zwei nicht ganz durchgebratene Mistkratzerli ausreichen, um das touristische Programm eines Wochenendes im Engadin auf einen (Flügel-)Schlag zu erlegen.

Vor allem aber hatten Sabina und ich endlich im Maloja Palace geschlafen.

Und kein einziges Mädchen mit weissem Häubchen kam nachts in unser Zimmer. Zumindest haben wir keines bemerkt. Allerdings ging es uns derart schlecht, dass ein Geist problemlos durch unser Zimmer hätte schweben können und wir vermutlich nur gesagt hätten: „Mach bitte die Tür hinter dir zu.“


Hotel Maloja Palace
14. August 2026


Das Licht des Engadins. Schön, wenn man ins Zimmer tritt und schön, wenn man am Morgen im Bett liegt.

Das Maloja Palace verströmt die Aura eines grossen Hotels mit leidvoller Geschichte aber auch glücklichen Jahren.

Der Blick aus unserem Hotelzimmer auf den tiefblauen Silsersee, der um 3 Meter die 1800 m ü.M. verfehlt.

Kurz nach dem Einchecken genehmigten wir uns ein Quöllfrisch und fuhren an den Silvaplanersee. Die Engadiner Seen machen einen grossen Teil des Reizes dieses Hochtales aus. Denn was fehlt, sind markante Berge (die Daumen runter nehme ich in Kauf😏). 

Zu unseren Füssen tummelten sich Elritzen im sauberen und kalten Wasser des hochalpinen Sees. Einheimische nennen sie Bameli oder Butzli. Das Engadin ist bekannt für seine schön gefärbten Bachforellen und Saiblinge.

Wir bezogen Zimmer Nummer 305. Schön eingerichtet und sehr sauber geputzt.

In der Bibliothek findet man alte Bücher, viele recht zerlesen. Wer lieber ein Gym besucht, sollte ein anderes Hotel wählen. Die paar Geräte lassen kein richtiges Training zu.

Die heiligen Hallen des geschichtsträchtigen Hotels mit seinen verschiedenen Gästen.

Das nenn ich ein würdiges Treppenhaus. Man kann die Ballkleider fast rauschen hören.

Am Abend schwirrten die Rauchschwalben durch die Luft und wir genossen die kühlen Temperaturen auf dem Dach des Maloja Palace.

Im Bergell, am Fusse des Maloja Passes entdeckten wir diese verlassene Kirche mit einer beleuchteten Wasser-Musik-Show im Innern. Die Chiesa di Gaudenzio ist einen Halt wert, es ist ganz schön unheimlich. Ganz alleine und weit und breit kein bewohntes Haus. 1518 gebaut, wurde das Kapelle 1738 schon wieder aufgegeben. Gaudenzio habe im 4. Jahrhundert das Christentum ins Bergell gebracht und an diesem Ort getötet. 


Verhängnisvolles Mittagessen
15. August 2026


Am Samstag erkundigten wir die Umgebung des Hotels. Das Bächlein mit der Kuh an seiner Seite ist der Beginn des Inns. Man mag es kaum glauben, dass dieser reissende Fluss so friedlich plätschernd und klein beginnt.

Das Maloja Kulm, wohl wirklich am höchsten Punkt des Maloja-Passes, hat ausgezeichnete Rezensionen.

Vielleicht fahren wir im Herbst nochmals ins Engadin und würden uns dann wohl für das Kulm entscheiden.

Ein paar Bilder vom Samstag. Rechts unten die Mündung des Inns in den Silsersee.

Wir fuhren nach La Punt und bestellten mit Heisshunger im Fö e Flamma je ein Mistkratzerli. Leider nicht ganz durchgebraten und mit einer sehr speziellen Marinade bestrichen. Der Kellner erliess uns die Beilagen und ein Mistkratzerli, da er gesehen hatte, dass die kleinen Güggel nicht durch waren. Sehnsüchtig dachte Sabina an ihre Capuns und ich an mein Rindsfilet vom Vortag auf dem Julierpass im Ospizio la Veduta zurück. Das Mahl dort oben war sehr sehr gut. 

In La Punt bestaunten wir die riesigen Engadinerhäuser und fuhren weiter nach Zuoz. Links oben, das Chesa Alta, das grösste Haus von La Punt, rechts davon ein mächtiges Patrizierhaus am Hauptplatz von Zuoz, links unten das obere Plantahaus, auch in Zuoz und rechts unten, das Chesa Merleda in La Punt.

Ein gut gewählter Grand Tour Photostop!

In La Punt und auch später in Zuoz spürten wir noch nichts, dafür bestaunten wir die unglaublich eindrücklichen Häuser in den beiden Ortschaften.

Wie immer: Meine hilfsbereite Frau.

Da lachte Sabina noch. Von diesem Punkt aus machten wir einen kleinen Spaziergang an den Inn.

An diesem idyllischen Flecken mit Blick auf den schon mächtigen Fluss ging es mir schon hundsmiserabel. Mir war, als hätte das Mistkratzerli in meinem Magen seine Flügel ausgebreitet.

Genau so dramatisch wie auf diesem Bild ging es in unseren Mägen los. Wir wollten nur noch eins: Im Hotelzimmer aufs Bett sinken. 

Aber wir wollen das Engadin hell und freundlich in Erinnerung behalten.

Fazit
16. August 2026

Die 3-stündige Fahrt von Zürich ins Engadin kann in der heutigen Zeit zur Geduldsprobe werden. Zum Glück ging der Riesenstau in Thusis in die andere Richtung. Auch an der Viamala Raststätte hatten wir Schwein und benutzten die einzigen 2 kleinen WCs bevor Dutzende von Menschen Schlange standen. 

Die Nadelöhre in Thusis, Tiefencastel, Savognin und Bivio sind immer noch gleich wie vor 20 Jahren. Die Fahrt über den Julier haben wir sehr genossen, wenig Verkehr, herrliches Wetter und bestes Essen im Ospizio. Und die Bündner Polizei ist um 60 Franken reicher. Aber anders als beim letzten Besuch fährt man nicht mehr von der Passstrasse fast direkt ins Hotel Julier Palace. In Silvaplana hat man eine sinnvolle Umfahrung gebaut, mit einem Aussichtspunkt, der die schönsten Seiten des Engadins zeigt. 

Im Hotel Post, Bivio, habe ich ein paar gute und ein paar üble Sachen erlebt. Aber das sind Geschichten vom letzten Jahrtausend. Rechts oben: Sicht von der neuen Strasse bei Silvaplana auf den See. Nur schon wenn ich das Essen hier vor mir sehe, bekomme ich Hunger. So gesehen, wird das durchgeknallte Mistkratzerli keine bleibenden Schäden hinterlassen.



Die vergessene Legende von Zürich
17. Mai 2026

"Augenblick", die Tochter, auch Gegenwart genannt, mit dem Vater, dem Hüter der Zeit.

Im Frühjahr 2026 spielte in der reformierten Kirche Zürich-Enge ein Ensemble "Die vergessene Legende von Zürich". In der Kuppel der Kirche inszenierten die Macher ein gewaltiges Licht- und Farbenspektakel. 

Etwas bescheidener kam die Geschichte der vergessenen Legende daher. Kurz: Eine Tochter des Hüters der Zeit liest verbotenerweise in einem Buch und bringt damit das Zeitgefüge durcheinander. Die Töchter, "Vergangenheit", "Gegenwart" und "Zukunft" streiten sich in der Folge untereinander und der Vater versucht zu schlichten. Am Schluss ist aber wieder alles gut und die Zuschauer können getrost in ihre Gegenwart zurückkehren.

Die 70 Minuten lohnten sich nur schon wegen dem Farbenspektakel.

Das Buch, das alles auslöst.

Für's Augen eine gigantische Show.

Hüter der Zeit, man spielt nicht mit dem Schicksal. Mein Rat.😏

Alles fügt sich wieder zusammen. 


Ein Blick in die Zukunft?
Juni 2026

In diesem heissen Sommer wird dieses Bild zur Drohung. Der Bergzug der Lägern erhebt sich schwarz aus dem glühenden Limmattal. Alles Leben ist schon lange erloschen.

Zum Glück vorerst nur ein schöner Sonnenuntergang am Horizont von Dietikon.


so long guys