12. April 2011

Back in good old Switzerland - Sechseläuten 2011

Alle Fotos auf Sechseläuten.

Chaltenboden versus Island in the Sky
April 2011

Da waren wir also wieder, nach einem ganzen Jahr im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Zurück in der beschaulichen Schweiz. In einem Land in dem die Flurnamen "Wächlen" oder "Chaltenboden" heissen und nicht mehr "Island in the Sky" oder "Ocean Front". 

Uns kam es vor, als hätten wir vor ein paar Wochen das Land verlassen. Aber so beschaulich ist dieses Land nicht. Da wird gehetzt, gehupt, gedrängelt. Die Fussgänger springen auf die Fussgängerstreifen, wie wenn sie das Vortrittsrecht vor 2 Tonnen Blech schützen würde. So manchen Stinkefinger habe ich gesehen, aber auch ausgeteilt. Auf den schmalen Strassen mit den viel zu grossen Lastwagen spürt man nichts von "beschaulich". 

Der Platz hier ist nun mal beschränkt. Jetzt kann ich den Amerikaner verstehen, der um den Zürichsee chauffiert wurde und meinte, er hätte noch nie eine Stadt mit einem so grossen See in der Mitte gesehen. Wir hocken ja regelrecht aufeinander. In den USA spricht auch jeder mit jedem, hier sprechen Fremde nicht miteinander und wenn man dieses Gesetz bricht, gilt das gleich als Anmache. 

Nun, ganz so schlimm war das nach Hause kommen nicht. Von unseren Freunden und der Familie wurden wir herzlich begrüsst und verbrachten ein paar herrliche Abende mit ihnen. Und manchmal schlich sich sogar der Wunsch nach Beständigkeit, einem festen Wohnsitz und geregeltem Arbeiten ein. Eine Gemeinschaft ist für den Menschen halt wichtig. Von mir aus kann das aber noch eine ganze Weile warten. 

Ich durfte bei meinem Kollegen Martin einige Tage in Wollerau verbringen und Sabina bei Claudia in Hinwil. Etwas Auszeit tat uns gut. Wer seine Ehe auf einer langen Reise kitten will, wäre gut beraten, vorher den Scheidungsanwalt einzuschalten. Zum Glück war das nicht der Grund für unseren Break und so sehen wir der Weiterreise in östliche Gefilde gelassen entgegen. Leider war die Zeit mit Autokauf (Renault Laguna, 2L T, schwarz, Kombi) und anderen bürokratischen Arbeiten ausgefüllt. Viele, die wir gerne gesehen hätten, werden wir erst in ein paar Monaten treffen können. 

Und auch hier kommt man mit Fremden ins Gespräch. Als ich in einer Wiese einen Birnenbaum knipste, stand plötzlich einer hinter mir. Jetzt weiss ich, dass dieser Baum 120 Jahre alt ist, zur Familie der "Schäfli" zählt, die heute nicht mehr angepflanzt werden, dass man die Birnen dieses Baumes im "Birreweggä" findet und der Bund die Mischkultur von Bäumen unterstützt.

Sechseläuten 2011 - tödliche Langeweile im Klassenlager 1974

Und endlich, mit bald 49 Jahren, ging ich das erste Mal (mit zwei Kameras und Fotorucksack bestückt) ans Sechseläuten. Ein paar gute Pics gelangen mir, allerdings ist es ungemein schwierig, inmitten von Zuschauern eine aussergewöhnliche Perspektive zu zeigen. Dank guten Beziehungen durfte ich aber immerhin in den Innring. 

Das Sechseläuten, von dem ich 1974 in der 6. Primarklasse im Klassenlager in Schuls, Graubünden, einen Vortrag hielt, der die einheimischen Jugendlichen zu Recht langweilte, weil ich alle 26 Zünfte, mit Gründungsjahr und allen anderen Details zeigte. 26 Mal die gleiche Leier! Ich selber war ja fast eingeschlafen.

Immerhin wurden sie von meinem Schulkollegen Roger entschädigt, der einen professionellen Vortrag der Swissair auf die Leinwand bannte. Stewardess war damals noch ein Traumberuf, von Piloten rede ich gar nicht.

Ein Fest, von dem ein guter Freund mal gesagt hat: "Das Sechseläuten ist für mich ein seltsames Ding. Da werfen die armen Leute den reichen Leuten Blumen zu..."

Reisen verändert die Sicht auf das Leben (2025)

Von vielen wurde ich gefragt, wie mich das Reisen verändert hat. Einerseits war der Entschluss, für einige Zeit die Zelte hier abzubrechen, die grösste Veränderung, andererseits erfährt man, dass es auch ausserhalb der Schweiz schöne Gegenden und nette Zeitgenossen gibt, das weiss man aber auch aus Ferien. 

Aber vor allem: Es gibt viel, viel, viel mehr Menschen auf der Welt, wie man sich vorstellen kann. Und jeder zieht seine Kreise in einer für ihn überschaubaren Masse. Genau wie wir!

Erst Jahre später habe ich realisiert, dass mich diese Reise massiv verändert hat. 


Sechseläuten-Umzug
11. April 2011 nach 15 Uhr

Herr Scherz, Präsident des Zentralkomitees der Zürcher Zünfte, ermöglichte mir wegen meinen Fotos 2011 die nächsten Jahre einen Bändel für den Zutritt zum Innring für die Fotografie des Umrittes. Herzlichen Dank.

Schleichwerbung? Der damals verantwortliche Marketing-Manager von Canon Schweiz ist auch Zoifter bei der Zunft Höngg. 

Das Fest der Blumen. Die Blumengeschäfte machen vor dem Sechseläuten ihren grössten Umsatz des Jahres. Ich mag's Ihnen gönnen.

Pferde am Umzug sind Tradition aber auch umstritten. Vor allem bei gut meinenden Tierliebhabern. Aber merkt euch: Das Gegenteil von "gut" ist "gut gemeint"!

Geküsst wird gerne und viel am Sechseläuten.

Elegenter Brötli-Werfer.

Die Zuschauerschar am Limmatquai.

Das Sechseläuten ist ein farbiges Fest.

Ist sich noch nicht bewusst, dass in der heutigen überall Kameras sind.

Rosen sind sehr beliebt.

Ich überraschte meinen ältesten Bruder, er wusste nicht, dass ich mit der Kamera am Wegesrand stand. Er ist Zoifter bei der Zunft Höngg.


Im Innring beim Umritt der Zoifter
18 Uhr

Schon 2011 eine Sucht. 2026 ist es eine Volksdroge geworden.

Auf das Dach wagen sich ungesichert Angestellte der Firmen im Haus.

Am Innring warten die Zuschauer auf die Show.

Der Umritt hat begonnen. Der Rauch erzeugt eine fast mystische Stimmung.

Der Sturz vom Pferd wird von den Kindern im Hintergrund fassungslos beobachtet. Er blieb unverletzt.

Der Bögg im Vorhof der Hölle.

Ein kontroverses Thema: Die Pferde, die meisten sediert, aber trotzdem sind nicht alle ohne  Angst. Das Feuer geht wohl noch, aber die Böller müssten nicht sein. Ich hatte fast einen Herzinfarkt, als der erste explodierte.

Während der Jahre habe ich festgestellt, dass einige Pferde grosse Angst hatten, aber bei einigen hatte ich das Gefühl, die wären Feuer und Flamme. Wohl wie bei den Menschen. Es gibt Mutige und weniger Mutige.

Die Reitergruppe der Zunft Höngg. Jedes Jahr war ich wieder begeistert, was für eine Dynamik bei so einem Umritt herrscht. Auch im Jahr 2026 werden die Pferde um den Holzstoss gejagt. Aber die Böller werden weniger.

Der Kopf des Böggs, bzw. der Hals explodierte nach 10 Minuten und 59 Sekunden.

Auch Amazonen reiten seit einigen Jahren mit um den Holzstoss.

Plötzlich entdeckte ich Dr. W. Kolb, den ehemaligen Chef meines Vaters. Ich glaube, er ritt besser, als er gehen konnte. For ever young. Mein Vater war 2009 verstorben. Er kommentierte jahrelang das Fest für das Schweizer Fernsehen. Meine Liebe zu meinem Vater hielt sich in Grenzen, aber bei der Moderation konnte ihm auch bis ins 2026 niemand das Wasser reichen. Werni Kolb war auf diesem Foto 86 Jahre alt. 2016 ist auch er verstorben. 

Viele sind froh, wenn der Umritt vorbei ist.

Die Beduinentruppe der Zunft zum Kämbel fällt nur schon durch ihr Auftreten auf.

Herrliche Bilder entstehen während des Umrittes.

Die Perspektive täuscht.

Es herrscht eine gewisse Melancholie, wenn die Zoifter zurück in ihre Stuben gehen.

Der Umzug ist gut gesichert. Auf ein nächstes Mal.


Für Sabina

I'm writing you this letter from some old hotel
I can feel the distance between us
From the Spanish Steps to the Liberty Bell
I know the angels have seen us, seen us, baby

They see you down on Seventh Avenue
While you're just hanging by a thread
And I'm sitting in a lonely room without a view
Wishing I was there with you instead

Won't you walk through this world with me
Walk through this world
Over the miles of mystery
Walk through this world with me

I'm staring out across the rooftops, baby
I've seen the writing on the wall
Heard a little bit of thunder at the seventh wonder
But everything is bound to rise and fall, that's all

Walk through this world with me
Walk through the world
Over the mountains and the shining sea
Walk through this world with me
Walk on, walk on, walk on

Let me get this ringing out of my ears
Let me get these stars out of my eyes
'Cause I just want to look back over all the years
With you right there standing by my side
Could you just

Walk through the world with me
Walk through the world
Over the miles of mystery
Walk through this world with me

Walk through the world with me
Walk through the world
Over the mountains and the shining sea, yeah
Walk through this world with me
Come on, now

Walk through the world
Walk through the world
Walk through the world

Walk through the world
Oh, yeah, yeah
Walk through this world with me
Come on baby
Walk through the world


so long guys

27. März 2011

San Francisco und der grosse Abschied

A rainy day in San Francisco.

If you're coming to San Francisco...
März 2011

San Francisco ist für mich die schönste der amerikanischen Städte. Die Hügel, die Brücken, die alten, pittoresken Häuser, die ausländischen Stadtteile wie Chinatown und Little Italy, die wechselvolle Geschichte, die Strände und nicht zuletzt die freundlichen, eher reservierten Einwohner, die aber ihr Herz auch Fremden öffnen. 

Wie die 60jährige Professorin, die spät abends in der Hotelbar unsere Reise so interessant fand und ungefragt an unserem Tisch Platz nahm. Anschliessend durften wir stundenlang Vorlesungen der Geschichtslehrerin über die alten Zeiten in Kalifornien lauschen. Es war ziemlich interessant und bald war ich ihr "Sweetheart", wohl weil sie provokante und jüngere Studenten liebt, trotzdem ging sie auf keinen meiner Einwände ein... 

Rainy days in San Francisco

In San Francisco kann man aber auch im Regen einzigartige Fotos schiessen. Nur das Warten auf farbig angezogene Leute mit bunten Schirmen kann auf die Nerven gehen. Heutzutage hüllen sich die meisten grau in grau...

Coole Boots und Sarah, die Unglückliche

Sarah (das mit dem Schweine züchten ist natürlich nicht wahr, war aber unser running gag) rauchte vor der Hotelbar. Unserer Freundschaft wird allerdings der Makel anhaften, dass sie mit einer Lüge, von wegen "You have nice boots!", begann. Trotzdem verstanden wir uns bestens und einer der Abende endete in einem Karaoke-Wettbewerb zwischen Sabina und Sarah. Mindestens zwei Blondinen werden zu Recht nie als "American Idol" enden... 

Unglaublich, diese hübsche Frau wog vor ein paar Jahren noch über 140 Kilo, wir haben ein Foto von ihr gesehen, "oh my god!". Nun, immerhin haben wir ihr einen unvergesslichen Aufenthalt beschert und ich in ihr das erloschene Interesse am Fotografieren wieder geweckt. Sogar von ihrem Mann erhielten wir ein Dankes-Mail, obwohl ich meinte, zwischen den Zeilen das Klicken seiner Winchester zu hören😢. Anyway, take care Sarah! Im 2025 denke ich, hat sie das nicht gemacht.

Mona und Bob

Wir fuhren weiter nach Santa Barbara, das zu dieser Jahreszeit eher einen tristen Eindruck macht. In Los Angeles besuchten wir Bob und Mona, den Truckfahrer und seine Frau, die wir in Cannonville, Utah, kennengelernt hatten. Sie wohnen in einer der grossen Siedlungen von LA und stolz zeigte Bob uns sein "Museum" mit den 12 steinernen Bierhumpen, der wunderschön aus Plastik gearbeiteten Lampe, die einen Goldwäscher zeigt und noch ein paar andere unersetzliche Stücke. Das Zimmer hatte tatsächlich etwas museum-artiges...

Nochmals die Walliser

Auch die Crettenands, die wir in Galveston, Texas, trafen, besuchten wir. Sie, die ein Highlight in Indio erlebten, als sie gute 5 Minuten mit Roger Federer sprechen durften. Roger Federer und die Crettenands. Ein wirklich freundlicher Weltstar. A bientôt in Switzerland!

Letzter Abend

Ja, und nun sitzen wir am letzten Abend von unserer USA-Reise im Hause unserer lieben Freunde, John und Cvetka, die uns so viele Gefälligkeiten erwiesen haben, die wir gar nie zurückgeben können. Vielen herzlichen Dank!

Herrliche Reise, bigottes Amerika

Nie hätte ich gedacht, dass uns der Abschied so schwer fallen würde. Fast auf den Tag genau ist ein Jahr vergangen. Die USA sind ein wundervolles Land. Das fängt schon bei der Stromversorgung an. Die Steckdosen in den Häusern sehen aus, als hätte der letzte Tag geschlagen, aber oh Wunder, sie funktionieren tatsächlich. Fast ausnahmslos trafen wir herzliche Menschen, nur einer schrieb nach meinem Post "Amerika ist pleite" per e-mail, dass ich mich mit meinem deutschen Flittchen aus dem Lande scheren solle. Meine Antwort war auch nicht gerade druckreif. 

Es war eine herrliche Zeit. Dass Reisen aber eine so grosse emotionale Berg- und Talfahrt bedeutet, haben wir nie gedacht. Immer wieder heisst es Abschied nehmen. Von Menschen und von Gegenden, die wir geliebt haben. Und trotzdem werden wir in Europa weiter durch die Länder ziehen (2026: Das ist nicht passiert, wir reisten zurück in den Nord-Osten der USA.) Weiter, immer weiter! 

Dass wir von den Menschen einen guten Eindruck erhalten haben, liegt auch darin, dass wir in einer gewissen Bubble unterwegs waren. Es gibt Gesellschaften in den USA, die von allen guten Geistern verlassen sind und manche davon trotzdem meinen, sie seien von Gott geleitet. Ebenso haben wir viele arme Gebiete und Menschen gesehen und manche gehen tatsächlich an einem Tag 3 Jobs nach, was ich früher immer für überspitzt gehalten habe. Nein, Amerika ist wie alles auf der Welt: Wo viel Licht, ist auch viel Schatten.

David Simchock

Mein persönliches Highlight, das ich schon fast als vom Schicksal gewollt ansehe, war sicher das Treffen mit David Simchock, der mir die Fotografie erklärte und mir ein neues Universum eröffnete. Endlich habe ich wieder eine Passion gefunden, die ich nach dem Wegfall von Skifahren, Squash und Badminton (Verletzungen) in meinem Leben doch vermisst habe. Sinnbildlich dafür steht das letzte Foto in diesem Blog, das Sabina von mir geschossen hat. 

Irgendwann geht die Zeit einen anderen Weg

Alles hat irgendwann ein Ende, mit dem müssen wir uns abfinden. Für uns ist die Zeit in den USA abgelaufen. Ja, und irgendwann, wir hoffen in vielen, vielen Jahren, wird die Zeit einen anderen Weg gehen, als wir selbst, wie Sandro Graf so treffend formuliert hat. Im 2026 wissen Sabina und ich, dass wir "running out of time" sind und Glück brauchen, damit wir noch ein paar Reisen machen können.


San Francisco und Los Angeles
17. März 2011 - 27. März 2011

Die Golden Gate Bridge, wohl die meist fotografierte Brücke der Welt.

Nicht selten kurven die Linien-Flugzeuge Sightseeing-mässig über die Golden Gate Bridge.

 Taryn, unsere Begleiterin auf der Sightseeing Tour. 

Der Fuss schmerzt noch immer vom Kick, den ich einer dieser roten Kugeln verpasst habe...

 Die Golden Gate Bridge aus eher ungewöhnlicher Perspektive. 

Spontaner Engländer, dankend lehnte ich ab, ihn zu fotografieren, wie er seine Frau leckt...

Ob er sein Outfit liebt?

Panning von Fussgängern.
 
Powell und Hyde Streets.

Pittoreskes Haus.

The House of Music.

Ebenfalls weltberühmt, das Transamerica Building.

Stolze Weltmeister.

In Europa wohl verboten, Wäsche an einem berühmten Haus zu trocknen.
 
 San Francisco Down Town von einer der Twin Peaks aus gesehen.

Die weltbekannte Häuserfront Alamo Park.

Pier 39

Ein beliebter Ort an der Fisherman's Wharf.

Otto hiess wohl der Fischer.

An der Fisherman's Wharf. Ein gutes Restaurant.

 Moderne Kunst?

 Multi-Kulti SF.

  Ticket (not for his show!)!

Immer noch Flower-Power in SF.

Sarah, die "Pig-Farmerfrau" aus Iowa.

Mona und Bob mit Sabina. Beide starben ein paar Jahre später. RIP Mona und Bob.

Les Crettenands and I in Riverside.

Los Angeles Long Beach.

Spezielle Architektur.

Der Leuchtturm von Long Beach, Palmen wurden in Kalifornien eingeführt, das sind keine heimischen Bäume.

Die Queen Mary, ein Hotel. Wir waren allerdings im Hilton Long Beach.

Svetka und John in San Clemente.

Der letzte Abend in San Clemente, California.

Im Jahr 2026 rückblickend war es wohl unser schönstes Jahr in unserem Leben, trotz allem. 

so long guys