730andmore

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Dieses Blog wurde im März 2010 eröffnet. Am 1. April 2010 starteten meine Frau Sabina und ich zu einer 2-jährigen Weltreise, die uns durch die USA, Karibik, Kroatien, USA, Kanada, Hawaii, Australien und Thailand führte. 730 Tage später waren wir wieder in der Schweiz sesshaft. Das Reisen wird uns nie mehr loslassen. Ebenso die Fotografie.

29. Juli 2010

Von Aerzten, einem Trucker und argen Nächten


Moab, dieses Dorf des Wahnsinns, haben wir verlassen müssen. Es gibt dem Scheidenden aber immerhin auf den Weg „Don’t cry because it’s over, smile because it happened!“


Wir kehrten nach Torrey , dem Ausgangspunkt für den Capital Reef National Park, zurück. Der Campground bietet dem Besucher eine herrliche Wiese, auf der wir stundenlang Frisbee spielten. Sabina ist mittlerweile ein Frisbee-Pro und ich (wohl auch wegen der Höhe von über 2000 Metern) lief zur Topform auf. Ein Energieanfall liess mich über die Wiese sprinten, da staunte nicht nur Sabina (wow, so schnell hab ich Dich noch nie gesehen, Du gehörst sonst doch zu den Behäbigen... ach ja?????), sogar die Amis unterbrachen gemäss Sabi ihr Footballgame und staunten über einen weissen Sprintstar!

Nach einem kurzen Hike im Capitol Reef verliessen wir Torrey zum zweiten Mal und wohl für immer und fuhren auf dem Scenic Byway 12 nach Cannonville, nahe dem Bryce Canyon.



Wir haben mittlerweile schon einiges gesehen und staunen doch immer wieder über diese unglaubliche Natur. 





Die Strasse führt durch das Grand Staircase Escalante National Monument, den Escalante Petriefied Forrest, Richtung Kodachrome Basin (der Name kommt von einem Kodak-Filmdreh), Bryce und Red Canyon. Auch in dieser Gegend gibt es unzählige Hikes.






Im Campground von Cannonville, einem 148 Seelenkaff, 1750 Meter tief gelegen und ohne Natelverbindung, frönten wir unserem neuen Hobby, dem Frisbee-Spielen. In fortgeschrittenem Alter auf Geröll hin und her spurten ist keine weise Tat. Ich büsste dies mit  2 Tagen heftigen Fussschmerzen. Trotzdem besuchten wir Ruby’s INNs Rodeo. Wer eine Riesenshow erwartet, wird enttäuscht. Das war angenehm bescheiden, dafür die Leistung top. Die Kollegen der Reiter gingen mehr mit als das Publikum!




Ruby’s Inn herrscht über den Eingang zum Bryce Canyon. Zwar hat man das Gefühl einer Retortenstadt, aber es wurde vor bald 100 Jahren von Reuben, einem Entdecker des Bryce’, gegründet. Heute ist es ein riesiger Komplex, mit Motels, Einkaufsstrasse, Rodeo-Arena, Zapfsäulen, Waschanlagen und vieles mehr! Und wird immer noch von der Familie des Gründers beherrscht. Der Beliebtheitsgrad in der Umgebung gleicht allerdings den frostigen Temperaturen, die über 200 Tage im Canyon herrschen.

Am Freitag war ich wieder fit. Wir fuhren in den Bryce Canyon hinauf. Der Eingang des Bryce Canyon liegt auf über 2000 Metern Höhe auf einer  Hochebene. Auf dem Rim des Canyons geht es 16 Meilen an mehreren Aussichtspunkten vorbei, bis man am Rainbow Point steht, auf 2750 Metern Höhe und eine grandiose Aussicht geniesst.

Den direkten Zugang von der Strasse zu den Aussichtspunkten im Bryce schätzen die Besucher am meisten. Ein wahres Paradies für gehfaule Touristen! Die Stars der Szenerie sind die vielen Hoodoos, die dem Wasser trotzen konnten und wie erigierte ..., - genau - in den Himmel starren.







Es wird einem nie zu wohl. Am Samstagmorgen konnte ich mit meinem linken Fuss nicht auftreten. So blieb es bei der Vorfreude auf Hikes und Jeep-Ausfahrten.

Da der Fuss geschwollen blieb, ging ich zum Arzt. Arztbesuche sind immer etwas speziell. Als ich vor  über einem Jahr mit Kniebeschwerden bei Dr. Oberholzer in der Pyramide am See zur Röntgenbesprechung antrabte, empfing er mich mit den Worten: „Na, das hat sich ja gelohnt!“ „Gelohnt?“ „Ja, sauberer Kreuzbandriss!“ Gelohnt??? Sauber??? Glücklich zeigte er mir die seiner Ansicht nach hervorragenden Bilder. „Gelohnt“ verstehe ich heute noch nicht ganz, aber sauber. Damit meinte der Herr Doktor zwei schwer erkennbare, faserartige Gebilde. Aber eben, ganz durch!

Dies war wenigstens eine klare Diagnose. Bei meinem ersten Besuch war er sich gar nicht sicher. Gross konnte ich ihm auch nicht weiterhelfen, beantwortete ich doch seine Frage, ob ich schmerzempfindlich sei, mit: „Meine Frau meint ja. Ich nein!“

Immerhin, nach einer 2. OP und etwas mehr als den 6 „versprochenen“ Monaten ist das Knie soweit wieder okay. Aber heute wäre ich vorsichtiger, wenn mir einer mit „Routineoperation“ kommt. Operationen sind heikel und vielfach heisst es „nach der Operation ist vor der Operation“!

Nun, Cannonvilles Dr. Millers Diagnose war eindeutig: „Your foot is swollen!“ Bemerkenswert, dass ein Arztbesuch sprachlich nicht sehr anspruchsvoll ist. In Deutsch ja ebensowenig. Die Diagnose, die einer stellt, ist erst einmal simpel. Aber ich kann das ja auch begreifen.Wenn er mit dir in die Details gehen würde, hättest du das nötige Wissen nicht, und wenn du es hättest, so wüssten beide, dass er einfach eine Möglichkeit aus 150 Verschiedenen aus der Trommel gezogen hat...

Immerhin ist kein Knochen gebrochen. Er verschrieb mir starke Tabletten. Nach über einer Woche Geschwulst im Fuss wird man ein bisschen nachdenklich. Und so starrte mich die Warnung auf der Packung der Tabletten förmlich an. Die Chance für Herzrhythmusstörungen, einen Herzinfarkt oder einen Gehirnschlag sei bei Einnahme dieser Dinger deutlich erhöht. Und wenn du weiter liest, bist du froh, wenn du mit vernachlässigbaren Magenblutungen aus der Geschichte rauskommst!

Und wenn man schon mal auf dem Trip ist, muss man natürlich auch im Internet um Rat suchen. Das dauert allerdings nicht allzu lange. Denn nach ein paar Seiten wird dir klar, dass du nur aus purem Glück noch am Leben bist und deine Zukunft die Fröhlichkeit eines zum Tode Verurteilten ausstrahlt!



Dann kommt die Nacht. Mit schmerzendem Fuss liegst du da und die Gedanken beginnen zu kreisen und schon bald sind sie beim allerletzten Blogeintrag. Soll ich schwarz und in grossen Buchstaben „in Dedication to“ mit einem Bild, auf dem ich mir besonders gefalle, aufschalten? Oder etwas schlichter, ein Bild, geschossen auf einer Wanderung in Flagstaff, auf dem ich auf das „END OF TRAIL“-Täfelchen zeige? Schlicht und einfach, passt doch zu mir.

Soll ich mich bedanken? Da käme Sabina natürlich an oberster Stelle, gefolgt von denen mit den meisten Blog-Kommentaren... oder soll ich schonungslos Abrechnen? Das hätte schon seinen Reiz. Spontan fällt mir der alterslose Bartträger ein, ein Mitarbeiter des Campgrounds, der Freude an Sabina gefunden hat und wenn immer möglich mit seinem Golfwägelchen auf einen Schwatz vorbeikommt und Sabina zum Wandern eingeladen hat, schamlos meine momentane Schwäche ausnützend…!




Wichtig wäre mir eine coole Grabinschrift. Soll ich eine klauen? Bei Sinatra zum Beispiel „The best is yet to come“? Oder „I ll be not back right after this...“? oder eine eigene „Eigentlich wäre ich jetzt gerne wieder Personalberater“? Oder gar einen  Trinkspruch? Würde ja auch gut zu mir passen; „Wo früher meine Leber war, ist heute eine Minibar!“ mit dem Zusatz, „die habe ich auch noch geleert...“... Bis mir einfällt, dass ich als Agnostiker und Kirchenaustreter gar keinen Grabstein zu Gute habe.

Na ja, dann wenigstens eine coole Anzeige, vielleicht im Tagi. „Bin umgezogen, neue Adresse Friedhof Nr. 152, über Besuch würde ich mich freuen...“ Erstens nicht von mir und zweitens ist für mich auch ohne Grabstein dort kein Plätzchen frei.

Weiter geht die fröhliche Runde in diesem kleinen Mehrzweckzimmer, in dem sich Sabina rittlings schon mal den Kopf am Einbauschränkchen stösst, das mir im Moment aber eher wie meine endgültige Gruft vorkommt. Es hämmert und pulsiert im Fusse. Aber irgendwann muss ich eingeschlafen sein und am Morgen trotz allem erwacht. Zwar immer noch mit schmerzendem Fuss, aber einen kleinen Hoffnungsschimmer am Horizont meine ich auszumachen....

Vor allem da ich die unverwechselbare Stimme unseres Nachbarn hörte, Bob, ein pensionierter Trucker aus LA, der mit seiner Frau Mona und zwei Hunden wieder mal on the road ist. Der hat schon viel Schlimmeres hinter sich, neben 2 Herzinfarkten mit 4 Bypässen, zwei künstliche Knies „hey, cut the bone here and here, the rest is not mine“ und uns ins Herz geschlossen hat.


Mona and Bob! Have a save trip, wherever you go!

Wir verdanken seine Zuneigung dem Schenken zweier CDs. Cowboy-Songs. Mittlerweile stehe ich ja auf Country, aber Cowboy-Songs? Da gehört Anneliese Rothenberger zu den Hardrock-Gören! Und dieser grosse, schwere Kerl mit seiner rüden Sprache liebt die innig. Er erzählt auch gerne aus seinem Leben, unterstützt von seiner Frau. Nur als er stolz davon sprach, dass er als Truckerfahrer in LA in all den Jahren jede Nacht zu Hause verbracht habe, gab's keinen Kommentar von Mona!

Zum Abschied schenkten sie uns 220 Mio Jahre alte Sandstein-Glas-Untersätze. Echte Schnüggel die zwei. Sabina wurde von beiden mächtig geherzt, ich musste bettlägrig leider passen...

Meine erzwungene Untätigkeit hat so seine Schattenseiten. So wird Sabinas Bewegungsdrang arg gebremst. Daher schleppe ich mich fast jeden Morgen an den campeigenen Swimmingpool, um meinem Hämsterchen ein bis zwei Stunden ins Laufrad zu verhelfen.

Ebenfalls wird der Wohnwagen von innen gründlich gesäubert. Sollte ich noch länger ruhen müssen, befürchte ich eine grosse Zerlegung unseres Wagenparks. Mal sehen wie das weitergeht! Wir haben heute verlängert und damit den Langzeitrekord gebrochen, mehr als 2 Wochen war noch niemand auf diesem Campground!

So long

Wie sagt Sabina immer – Nach dem Putzen ist vor dem Putzen!



Bildlegende

1  Vom Friedhof in Henrieville Richtung GSCEM
2  Good bye Moab, Musselman Arch auf dem White Rim Trail
3  Capital Reef National Park, links die Erhebung zieht sich 70 Meilen weiter
4 Grand Staircase Escalante
5  Luftige Strasse durch Grand Staircase Escalante
6 Grand Staircase Escalante, etwa 50 Meilen weiter, als erstes Foto
7  Kodachrome Basin, Chimney Rock
8  Eingang Red Canyon
9  Strasse im Red Canyon
10 Die tun echt blöd! Aber alle Reiter hielten 8 Sekunden durch
11  Es gab noch jüngere Teilnehmer
12 Die waren nur selten erfolgreich
13 Bryce Canyon, Rainbow Point
14 BC, Agua Canyon
15 BC, Natural Bridge (ist zwar genau genommen ein Arch)
16 BC, Farview Point
17 BC, Bryce Point, Amphitheater, meist fotografiert
18 düstere Gedanken:-)
19 End of Trail? Hoffe doch schwer, nicht
20 Unser Bartli, nah aufgerückt und das am morgen früh, ist aber ein ganz netter Kerl
21 Nice Guys
22 herausgeputzt und wieder mal an Krücken




Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo Gerold und salut Sabina! Get well soon, lieber Gerold und bevor die Putzerei ausartet... wie wäre es mit einem kurztrip in die Schweiz? Liebe Sabina, mein Wintergarten (resp. seine Fenster) wären absolut dankbar über den Besuch einer putzwütigen Lady! (Zur Not könntest Du auch noch den Keller ausmisten). Herzliche Grüsse, Andrea

Anonym hat gesagt…

Armer Wumpelibum
Versuche doch mal Eis aufzulegen, vielleicht lindert das den Schmerz und bringt die Geschwulst runter.
Werde heute Deine Leiden telefonisch weiterleiten und Deine Mutter auffordern, sich telefonisch um Dein Wohl zu kümmern.
Get well soon

Anonym hat gesagt…

Die Krücken stehen dir gut - auf dem Foto mit Krücken siehst du besser aus als auf dem mit dem Schild, eventuell liegt das daran, dass durch die unterschiedliche Körperhaltung das T-Shirt vorteilhafter fällt ....... gute Besserung von dem der aus eigener Erfahrung spricht (betreffend Konturen kaschieren)
Seemä

Anonym hat gesagt…

Messer auf dem Feuer zum glühen bringen, und aufschneiden.. dort wo`s wehtut... oder so irgendwie gehts in den Filmen mit ähnlicher Umgebung... Spass beiseite, spiel nicht zu lange Indianer und geh mal zu einem Arzt welcher etwas mehr als die Diagnose "geschwollen" bringt!
Übrigens: Oberholzers Aussage "das hat sich gelohnt" ist sehr logisch... schau mal die Abrechnung an... Gruss und alles Gueti, der mit den Haaren kämpft

Anonym hat gesagt…

Andrea, danke für die guten Wünsche. Das mit der CH... da warten wir noch bisschen.
Schwesterherz, mach doch keine Aufregung in Uerikon:-)
Seemä, Du bist nicht nur ein hervorragender Banker, nein, auch ein guter Beobachter. Ich denke 4-5 Kilos sind weg.. allerdings habe ich all die frühen Jahre nicht gemerkt, dass Du so eitel bist und Deine Konturen kaschiertest...:-)
Hey, Jörg, endlich wieder da. Und gleich mit guten Tipps:-) Ja, der Oberholzer hat sich ein goldenes Näschen an mir verdient, keine Wunder waren seine Visiten zu 90 % den Finanzmärkten gewidmet!!
Gruss, der mit den Redbull Flügeln!

Anonym hat gesagt…

Es freut mich ungemein, einen oder sogar zwei US Country Fans im Club der Heimweh US'ler aufnehmen zu koennen. Hier noch ein paar Tips von Interpreten, die ihr unbedingt reinziehen muesst ... (oder einfach in www.pandora.com eingeben): Brooks&Dunn, Tim McGraw, Sara Evans, Rascal Flatts, Keith Urban, Kenney Chesnay und Faith Hill. Viel Vergnuegen!! I aus Ue

Michael Knaus hat gesagt…

Lieber Guggi - sage doch immer Sport ist... immer der schnellste sein wollen und in Deinem Alter übertreiben - das Resultat sieht man nun :-). Heb Dir sorg und bist ja mit Sabina in guten Händen. Gruss und gute Besserung Michi

Jens hat gesagt…

Man euch scheint es ja gut zu gehen. Immer wieder was zu sehen und was zu lachen auf eurer Seite. Ich hoffe fuer dich, dass Sabina nicht mit dem baertigen Typen durchbrennt, ist schon nen steiler Typ.
Ansonsten hilft bei Schwellungen pusten!!
Freue mich auf den naechsten Bericht.

Bis dahin

Jens (The cable guy)

Anonym hat gesagt…

Danke Michi! Aber WOHER weisst Du das mit den guten Händen?:-)
Hi Jens, my cable guy! Uebrigens, der TV läuft tiptop! Ja, ja, ich leide und Du freust Dich:-)
Gruss Guggi