730andmore

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Dieses Blog wurde im März 2010 eröffnet. Am 1. April 2010 starteten meine Frau Sabina und ich zu einer 2-jährigen Weltreise, die uns durch die USA, Karibik, Kroatien, USA, Kanada, Hawaii, Australien und Thailand führte. 730 Tage später waren wir wieder in der Schweiz sesshaft. Das Reisen wird uns nie mehr loslassen. Ebenso die Fotografie.

28. Dezember 2010

The Florida Keys

EP Dalton und ich überfliegen die Florida Keys in seinem Leichtbau

Ein Flug mit E.P. Dalton und seinem Ultra-Light-Flugzeug ist wohl etwas vom Schönsten auf den Keys. Auf Sugarloaf Key wartet EP in einem kleinen Hafen, direkt an der Number 1 gelegen, auf seine Kundschaft. Für 20o USD eine Stunde über den Inseln von Sugarloaf zu kreisen, verpasst so mancher Reisender. Für mich war es eines der schönsten Erlebnisse. Raus aus dem Hafen und schon ist man in der Luft. Und dann kommt man der Freiheit gefährlich nahe. Eine Wonne für Augen und Seele. Mit 30 Meilen die Stunde fliegt man in 300 bis 500 Fuss Höhe über Inseln, Sandbänke und Mangrovenwälder, sieht Haie ihre Bahnen ziehen und Delphine im seichten Wasser dümpeln. Herz, was willst du mehr?

Auch wenn die Florida Keys von den karibischen Inseln als Traumziele abgelöst worden sind, sie sind unbeschreiblich schön. Irgendwie vermitteln uns aber die Bewohner, von denen die meisten auch nicht mehr die Jüngsten sind, dass ein "shitty day in paradise" immer noch ein "shitty day" ist. Das passt aber ganz gut zu unserer Stimmung, die auch nicht die beste ist. Feiertage ohne Familie und Freunde, nach 9 Monaten Reisen und ungewisser Zukunft sind auch in einem Paradies nicht einfach von Heiterkeit geprägt. Ich habe die Nase voll von den seelenlosen Campgrounds mit den über 90 % alten Bewohnern, die einem ständig zuflüstern "zähl' die Jahre, bald gehörst auch du zu uns". Manchmal komme ich mir vor, wie wenn ich in einem Altersheim meine Tage friste. Dazu kommt, dass wir vom Campground in Key West auf einen nahe Marathon wechseln mussten, auf dem sich unser Nachbar täglich ab 12 Uhr ins Koma säuft. Okay, nur seine zwei Hunde tun mir leid, die weder Auslauf haben, noch sonst irgendwie beschäftigt werden. Und dass unser Travel Trailer keinen Käufer finden wird, ist das i-Tüpfelchen! Amerikas Kaufkraft ist am Boden. Und wegen all dem, freue ich mich umso mehr über einen wundervollen Flug...

Wir sind gespannt, was wir die nächsten 3 Monate erleben werden, bevor wir im März kurz wieder in der Schweiz sind. Und noch mehr, was uns das Jahr danach erleben lässt. Happy New Year!

 Fisherman
 Nur 4 Zigaretten in der Stunde
 Dolphins
 What a World! The yolk bei Sugarloaf Key
 einfach traumhaft
dem Himmel so nah!
Schönheit, so weit das Auge reicht
 Dolphins or Sharks?
 Birds
 Living on the edge!
 Gegenlicht
 8 feet shark
 Highway to Key West
 schon wieder auf dem Heimflug
 back in safe haven


so long guys

19. Dezember 2010

Die letzte Brücke von Key West

Das Gesicht verloren

Als am 22. Januar 1912 der erste Zug Key West erreichte, wurde Henry M. Flaglers Vision Wirklichkeit. Flagler hatte sich in den Kopf gesetzt, eine Eisenbahn zu bauen, „across an Ocean“. Das Jahrhundertwerk wurde als 8. Weltwunder bezeichnet. Key West wurde zum Festland der USA, 110 Meilen vom eigentlichen Kontinent entfernt. Das Städtchen war wohl auch eines der wenigen dieser Erde, die nur per Schiff oder mit einer Eisenbahn erreicht werden konnte.

Niemand ahnte, dass dieser Bau 23 Jahre später an einem einzigen Tag einem wahren Monster zum Opfer fallen würde.

Key West war schon vor 1912 weltbekannt. In früheren Zeiten als Piratenhort, später als wichtigster Hafen für Kuba. Mit der Eisenbahn kamen Aussteiger, Lebenskünstler, Gaukler und Fantasten, Schriftsteller, Fotografen und Besucher, die sich vom karibischen Klima verwöhnen lassen wollten.

Abenteuer wurden erlebt und Legenden gestrickt. Der grosse Hemingway wohnte einige Jahre in Key West und schlug sich in Sloppy Joes Bar die Nächte um die Ohren. Nur am Morgen des Labor Day Weekends 1935 machte er sich Sorgen um sein geliebtes Boot Pilar. Die Keys wurden vor einem heftigen Sturm gewarnt. Hemingway versuchte sein Boot zu retten. Neben seinem lag ein schlecht vertäutes im Hafen. Vom Hafenmeister bekam er aber nur die Erlaubnis, dieses Schiff zu versenken, sollte es los gerissen werden und eine Gefahr für seine Pilar werden. Wie er das inmitten eines Hurrikans bewerkstelligen sollte?

Wenige Stunden nach Mitternacht fiel der Luftdruck von 29.55 auf sagenhafte 26.32. Der heute noch namenlose Hurricane erfasste die Keys mit voller Wucht. Er war der Mächtigste im letzten Jahrhundert. Tausende von Menschen wurden getötet. Ein Zug, der Einwohner von den Upper Keys retten sollte, wurde von einer Monster-Welle von den Gleisen gespült.

Am nächsten Tag existierte die Eisenbahn, „the railroad that crossed an ocean“, nicht mehr. Noch heute kann man Brückenteile sehen, wenn man über die legendäre 7 Mile Bridge Key West entgegenfährt.

Das Städtchen behielt aber seine Anziehungskraft und wurde viel später zum Schwulen- und Lesbenmekka, Heimat von Sinnsuchenden, Künstlern und Taugenichten.

1982 sorgte Key West wieder für weltweites Aufsehen. Der Touristen vertreibenden, ständigen Polizeikontrollen auf der einzigen Strasse nach Key West überdrüssig geworden, riefen die Bürger ihre Stadt zur unabhängigen „Conch Republic“ aus, erklärten den USA den Krieg, kapitulierten allerdings eine Minute später bedingungslos und forderten von den USA 1 Milliarde Dollar für den Wiederaufbau.

Noch heute steht auf der Flagge „we seceded where others failed“ und der Leitspruch heisst „The mitigation of World tension through the exercise of humor“. Einem ihrer Bürger soll die Republik sogar das Leben gerettet haben, als er in Guatemala in einen Hinterhalt von Rebellen geriet und geschrien hat „no Americano, Citizen of Conch Republica“. Er sei daraufhin mit Tequilas anstatt mit Kugeln aus einer Kalashnikov abgefüllt worden.

Key West stand immer auf unserem Reiseplan. Aber als ich am Ufer unseres Campgrounds auf die letzte Brücke vor der Stadt blickte, schossen mir Tränen in die Augen, wusste ich doch in diesem Moment, dass ich den Tag hassen würde, an dem ich über diese Brücke zurückfahren würde. Mir wurde bewusst, dass Key West die letzte Station unserer USA-Reise ist. Nicht nur dass Sabina Jacksonville mit schwerem Herzen verlassen hatte und ich bezweifle, dass sie in Janina eine Freundin für immer gefunden hat, sondern und vor allem war ich des Reisens von Campground zu Campgroud müde geworden. Die Geschehnisse in Jacksonville lösten bei uns nächtelange Diskussionen aus und kurze Zeit stand alles, aber auch wirklich alles vor dem Ende.

Was sicher ist, wir werden den Travel Trailer verkaufen und am 28. März zurück in die Schweiz fliegen. Wir beide haben viele Pläne was wir bis zu diesem Datum machen können und auch wie wir das zweite Jahr unserer Auszeit angehen werden. Da wir aber diese Pläne fast stündlich wieder ändern, habe ich keine Ahnung, was wirklich passieren wird.



Sabina und ich wünschen allen wunderschöne Festtage und ein frohes neues Jahr!

Impressionen von Key West
am südlichsten Punkt der USA
eine gute Wahl in Key West
typisch Key West
lazy days in Key West
Szene an einer der Strände der Insel
hanging out this afternoon...

Auf der 7 Mile Bridge
Wenn es Nacht wird in Key West
Ueberall Gockel, eine spezielle Geschichte von Key West
am Mallory Square
Könner und...
Clowns
die Band im Handgepäck dabei...
so sollte man nicht mit Superhelden umgehen...
weltberühmt wegen Hemingway, aber eigentlich nicht die echte Bar
Cinema Tropic und Marilyn Monroe
früher ein Kino, heute ein Gemischtwarenladen
Hinterhof in Key West
was will man mehr?
Piraten nutzten Jahrhunderte lang die Insel als Fluchtpunkt
in Key West kommt jeder auf seine Rechnung
wir warten auf bessere Zeiten
Sonnenuntergang am Mallory Square
Chinese Face! Und im schönsten Sonnenuntergang der USA!
ein Paradies für Romantiker

so long guys!


7. Dezember 2010

Perdido Key, Jacksonville - bei 27 Grad (Fahrenheit)

Krippe in Tallahassee, Floridas Hauptstadt

Nach New Orleans haben wir ein paar Tage in Pensacola, genauer gesagt in Perdido Key, verbracht. Nach Aussagen der Einheimischen habe Perdido die schönsten Strände der ganzen Golfküste. Und tatsächlich. Sie sind wunderschön, feinster Sand, schneeweiss. Aber das waren die Strände in South Padre Island, Corpus Christi und Galveston auch. Genauso schön wie die Strände, genauso langweilig sind die Fahrten auf den Highways. Seit SPI... links und rechts nur Bäume. Ein Highlight sind höchstens die Brücken, die über Flüsse und Lagunen führen.

Vor New Orleans waren wir kurz in Henderson und machten eine Fahrt mit einem Boot im berühmten Atchafalaya Swamp, die aber eine Riesenenttäuschung war. Kein Spanish Moss, keine Alligatoren und keine Vögel...

Schon in Corpus Christi fragten wir nach Spuren der Oelkatastrophe. Dort wurde uns gesagt, Galveston wäre betroffen und die weitere Küste Richtung Florida. Aber weder in Galveston, noch in New Orleans, nicht in Henderson, noch in Perdido Key haben wir an den Stränden Oel gefunden. Dem Strand in Perdido entlang reihen sich Ferienwohnsilos an Ferienwohnsilos, bis weit nach Alabama hinein. Aber auf geschätzte 40 Wohnungen pro Silo kommt eine besetzte. Es ist gespenstisch leer.

Gemäss Cat, der Inhaberin eines der wenigen Restaurants in Perdido hätten sie einen miserablen Sommer gehabt. Zwar sei sehr wenig Oel an die Strände gespült worden, das Unglück sei aber in Form von Journalisten gekommen, die Perdido namentlich und als Beispiel für die Verseuchung der Strände genannt hätten. Noch in diesen Tagen haben wir riesige Säuberungsaktionen gesehen. Aber vielleicht haben die mit der Säuberung beauftragten Leute bessere Augen als wir. Business is business. Auch die Fischer auf dem gebührenpflichtigen Pier zogen Fisch um Fisch aus dem Wasser. Sogar Fischschwärme wurden von jagenden Artgenossen aufgemischt.

In Tallahassee haben wir nur übernachtet, immerhin stammt das Krippenbild vom dortigen Campground. Nun sind wir in Jacksonville, der grössten Stadt von Florida und haben heute einen Tag mit Janina und Cesar verbracht. Wir fuhren ins 60 Meilen entfernte Saint Augustin, genossen eine Kutschenfahrt durch das wunderschön beleuchtete Städtchen, das für seine vielen Ghosts berühmt ist. Ein Ort wie aus dem Bilderbuch. Das Wetter ist wunderschön, bei 27 Grad. Leider in Fahrenheit (-2 Celsius) und so frieren wir uns hier fast die Aersche ab! Und dass für einmal kein Neid aufkommt: Strände bei diesen Temperaturen sind etwa so einladend wie ein Sack Flöhe.

Sabina zieht streunende Hunde und Katzen magisch an. Irgendwie wissen die Viecher, dass sie von meiner Frau verwöhnt werden. Sabinas Streicheleinheiten auf dem Campground von Henderson eines schwarzen Hundes und einer weissen Katze, die auch noch vor unserer Türe übernachtet hat, büsste ich mit zahlreichen Flohbissen am rechten Bein. Diese kleinen Plagegeister sind taktische Meister. Weil sie immer nur bei einem der Einwohner Blut saugen, weht ihnen erst ein steifer Wind entgegen, wenn der andere von der Anwesenheit kleiner Tiere überzeugt werden kann. Und das dauert. Anyway, dank Chemiekeule und kalten Temperaturen sind wir sie hoffentlich los!

Auf eine besinnliche Weihnachtszeit!


Nicht gerade berauschende Highway Fahrten. Mehrheitlich sieht es von Texas bis Florida so aus...
Highlight! Bei Mobile, Alabama
Oilseekers, da wurden wohl ein paar Aufträge zuviel vergeben...
sauber wie mit Ariel gewaschen...
Fishermans Freuden
Catch of the day, dem Eimer nach zu schliessen, waren sie vom Fang selber überrascht
Perdido Key
Richtung Perdido Key
Stilleben in Perdido Key
 wirklich extrem schöne Strände

Blue Angels (Navy Patrouille Suisse) trainieren über Pensacola, das Flieger-Museum ist sehenswert
Reisende

Janina und Cesar, typisches Florida Foto, in Saint Augustine
Nous deux
Vier "Musketfrierer"
Glühwein-Bar in Saint Augustine
Kutscher und Touristen
 Cesar organisierte mir ein Geburtstagsfest im Hooters, Jacksonville, dabei wäre Sabinas Geburtstag viel näher an diesem Datum gelegen.
 und ich machte mich zum Affen! Danke Cesar!
Cesar, der fast unsere Ehe sprengte, war Sabina doch extrem von ihm begeistert. Ich zwar auch, aber ich hätte Sabina nie für ihn verlassen. Im Ernst. Eine unglaubliche Persönlichkeit, so ein Typ, dem alle gefallen wollen, ob Hooters Girl oder gespenstische Gestalten, bei denen wir um Mitternacht noch Brennholz kauften. Alle liegen diesem Typen zu Füssen. Ich ausgenommen. Schade für uns, denn ich hätte gerne weiter Kontakt mit ihm gehalten. Aber das wäre für mich ein zu grosser Spagat geworden!

so long guys