730andmore

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Dieses Blog wurde im März 2010 eröffnet. Am 1. April 2010 starteten meine Frau Sabina und ich zu einer 2-jährigen Weltreise, die uns durch die USA, Karibik, Kroatien, USA, Kanada, Hawaii, Australien und Thailand führte. 730 Tage später waren wir wieder in der Schweiz sesshaft. Das Reisen wird uns nie mehr loslassen. Ebenso die Fotografie.

13. Oktober 2011

New York und Vermont - oder doch lieber Kalifornien?


Der Indian Summer im Nordosten der USA ist wahrscheinlich für jeden der gerne fotografiert ein Traum. Voller Vorfreude landeten wir am Lake George und im gleichnamigen Ort am See. Endlich wieder eine Landschaft mit Hügeln, von denen man in die Ferne blicken kann. Ich hatte langsam genug vom Flachland der Grossen Seen. Vom Lake George im Staate New York hatte ich noch nie gehört. Anderen ist die Gegend aber wohl bekannt. Noch nie haben wir eine so grosse Ansammlung von Hotels und Motels in einem Ort gesehen. Vielleicht nicht Hunderte, aber sicher Dutzende säumen die Strassen und schmiegen sich an den See. Das Wetter war mies und die Laubwälder noch sehr "patchy" (offizielle Karten, die den Stand des Indian Summers angeben sprechen von "patchy, near peak, peak und over peak").

Blick über den Lake George
 trüber Tag aufgehellt durch meine Frau
 Ein Hauch von Indian Summer
 triefende Wälder...

Spötter in der Schweiz meinten zum Indian Summer: "Bei uns heisst das Herbst." Allerdings ist das nur bedingt richtig. Wie farbig die Laubwälder im Herbst sein werden, nimmt bereits im Frühling seinen Anfang (nach Regenmenge und -dauer). Im September setzen die relativ hohen Temperaturen am Tag und die kalten Nächte einen chemischen Prozess in Gang, der die Blätter viel farbiger werden lässt als zum Beispiel in Europa. So darf man diesem Spektakel schon einen speziellen Namen verleihen. Obwohl man politisch korrekt von einem "Native American Summer" sprechen müsste.

Selten reisten wir mit so wenig geschossenen Bildern weiter. Die Fahrt nach Stowe in Vermont war kurz und abwechslungsreich. Ueber Felder und Wiesen, vorbei an riesigen Farmen, Eselszuchten und wunderschön und einsam gelegenen Herrschaftshäusern.

typische Kirche auf der Fahrt nach Vermont
Szene aus Ueberland
 auf der Ferry von New York nach Vermont
 Vermont
 eine der vielen Farmen

In Stowe waren die Hotels gut gebucht und das bedeutet auch teuer. In einem der letzten verfügbaren Zimmer der Gegend durften wir für einen alten, schäbigen Raum 190 USD hinblättern. Im Herbst gehen die Grünen halt schnell dahin...

Die Wetteraussichten konkurrierten mit der Bleibe. Die nächsten vier Tage war Regen angesagt. Sicher, die Gegend ist wunderschön, aber ein paar Tage in einem Zimmer aus den 50iger Jahren und ohne Internetanschluss abhocken? Gut, ein Hotel am Platz (direkt an einer Skipiste gelegen) hätte noch Räume im Angebot gehabt. Ein Schnäppchen für 1200 USD die Nacht. Vielleicht im nächsten Leben...

nahe Stowe in einem...
 Märchenwald
 Bergstrasse von Stowe...
 bei trüben Tagen hilft nur noch HDRI

Wir hatten genug. Genug vom Nordosten der USA. Sicher hat die Geschichte mit dem Autokauf einen Einfluss gehabt, eine Geschichte, die uns die Fahrt über den Norden an die Westküste kostete. Aber während der ganzen Rundreise blieben uns Land und Leute seltsam fremd. Kurz entschlossen liessen wir den Indian Summer sausen und flogen von New York nach Kalifornien. Zwei Nächte verbrachten wir bei unseren Bekannten in San Clemente. Da ich mich als bekennender Demokrat beim republikanischen Hausherrn dieses Mal nicht gerade willkommen fühlte, zogen wir für ein paar Tage nach San Diego. Allerdings bin ich ein Verfechter der Demokratie und sicher nicht der Demokraten von Amerika, aber das soll mal jemand einem glühenden Vertreter der Republikaner klarmachen...

Andino Kolohe, ein 17jähriges Supertalent im Wellenreiten
 für Red Bull fahrend
 oder springend
 ein Kollege von ihm
 in voller Action
 hochkonzentriert
 die Welle beherrschend
 Kohole (gewann als 14jähriger einen Professional Wettbewerb)
 und Kollege
 in Stilstudien
 Frauen, jetzt 
 hört mal auf...
 auf seinen Arsch zu schauen...
 ein Könner
 seines Fachs
 Ein Teil von San Clemente, die I 5 gut erkennbar
 San Clementes Villenstrasse
 Nebenstrasse von San Clemente Downtown
 pitoreske Bäume
 und Hotels
 und Schaufenster
 und Blumenläden
 uraltes Auto
 stepback in time
 Kreuzung in San Clemente
 die Beach von SC
 der Pacific Surfliner rauscht an der Beach vorbei
 SCs Bahnübergang
 das Pier
 Lebensretter auf dem Pier
 Pier und SC im Hintergrund
 meine Kamera will auch mal im Bild sein
 Die Piers vom Pier von SC
 In HDRI-Form
 Richtung San Diego
 wunderschöne Sonnenuntergänge und stimmiger Vordergrund
 eines meiner Lieblingsbilder

Der zweite Aufenthalt in den USA wird mir zwiespältig in Erinnerung bleiben. Verallgemeinerungen sind gefährlich (auch diese). Zwar gibt es "den" Amerikaner nicht. Die Menschen sind so unterschiedlich wie überall oder vielleicht noch ein bisschen mehr.  Wir erfuhren grosse Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft im Südwesten und Süden des Landes. Trotzdem trifft eine Verallgemeinerung wohl zu: Wenn man sich kritisch gegenüber den USA äusserst, ist das Interesse an einem Weiterführen des Geprächs dahin. Schade, denn ohne Selbstkritik wird sich das heutige Amerika gewaltig verändern. Und wenn die Welt Pech hat, werden die konservativen Kräfte der Amerikaner diese Aenderung mit allen Mitteln verhindern wollen und wir werden wohl noch manche politische und militärische Torheit dieser bigotten Grossmacht erleiden müssen.

Nichts desto trotz wären wir am liebsten für immer in San Diego geblieben. Nicht nur, weil wir in letzter Zeit unsere Reiselust manchmal suchen mussten. Nein, in dieser Stadt ist das Leben noch etwas lebenswerter. Gut, ich könnte eigentlich überall in Kalifornien leben.

Eine Kirche in San Diego
 die Treppe
 Am Harbor Drive nahe des Sheraton Hotels und dem Flughafen
 Sabina und San Diego
 Im Dampfer war mal ein Restaurant
 das spektakuläre Sunset Cliff
 Der Friedhof bei Point Loma
 hier liegen Abertausende von Soldaten und deren Angehörigen begraben
 im Hintergrund Downtown San Diego
 die Reihen faszinierten mich
 lebende Bäume bewachen die Toten
 Sabina brachte mich kaum mehr weg
 kein Wunder
 bei diesen Motiven...
 ich gab alles...
 und noch mehr...
 zauberhafter Eingang zum Friedhof
 oder?
 der 4 Meilen Board Walk am Mission Beach
 mit einem Velo bequem zu befahren
 Richtung Ocean Beach
 auch graue Häuser können spannend sein
 1995 fuhr ich mit den Rollerblades fast täglich rauf und runter
 damals eher Hütten und Hang Loose
 heute zum Teil exklusive Häuser
 allerdings den Blicken der Boardwalker ausgesetzt
 San Diegos Markenzeichen
 Architektur vom Feinsten
 ...
 ...
 mit mexikanischem Einfluss...
 CMilton111, Fotograf, Schriftsteller und früher Architekt
 stellte sich spontan als Vordergrund Motiv zur Verfügung
 da würde ich gerne logieren
 Sabina im Blick, mich keines Blickes gewürdigt... wohl ein Männchen...
 ...
 immer noch am Board Walk
 fantastisch, nicht?
 das Schweigen der Stühle
 beim Belmont Park
 mit einem uralten Karussell und einer hölzernen Achterbahn
 wieder am Boardwalk...
 fast zuviel des Guten...

Aber langsam machen wir uns auf den Heimweg. Die nächsten paar Tage werden wir in Hawaii verbringen, spätestens Anfangs November nach Australien fliegen und Ende Januar in die Schweiz zurückkehren. Reisen ist ja ganz schön. Die Schattenseiten werden aber Monat für Monat ein bisschen grösser und so hätten wir ohne Aussicht auf ein Ende unserer Reise in diesen Tagen abgebrochen. Das tönt jetzt niedergeschlagen. Aber das sind wir bei Weitem nicht. Wir haben vieles erlebt und wundervolles Gesehen. Vielleicht liegt es ganz einfach daran, dass der moderne Mensch zu sesshaft geworden ist und als Nomade durch die Welt der Sesshaften zu ziehen nicht immer eitel Freude macht. Ich werde bei Gelegenheit mal einen Zigeuner fragen...

so long guys

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

danke für den tiefschürfenden Blog. Was habe ich Euch mit auf den Weg gegeben?
1. Schaut zu, dass Ihr verheiratet wieder zurück kehrt
2. Seid Ihr Euch bewusst, dass Reisen nicht immer Fun pur ist

Nun erholt Euch gut auf Maui, damit Ihr Australien und NZ in alter Frische geniessen könnt
Reguuula

Anonym hat gesagt…

Es liegt wohl in der Natur des Menschen, ALLES irgendwann zu hinterfragen und die Kehrseite zu betrachten! Arbeit, Heimat, Beziehungen, und eben halt auch Reisen...
Lustig, dass wir im Nachhinein vieles mehr schätzen...liegt vielleicht an unserer Fähigkeit, schöne Erinnerungen länger abzuspeichern als die weniger schönen. Eigentlich eine super Einrichtung!
Eure Bilder waren der perfekte Start in einen mit Nebel durchzogenen Sonntagmorgen :-))
Liebi Grüess vom Coifför

Anonym hat gesagt…

Wiedereinmal traumhafte Bilder! Wann kommt der Bildband raus?

Grüße

Jens

Anonym hat gesagt…

Das dich der Friedhof so begeistert hat - macht mir doch etwas Sorgen - aber vielleicht ist gerade die geometrische Anordnung ein Zeichen - ein Zeichen, das ein Weg irgendwann zu Ende geht. Und auch das schönste Reisen ist wie in einem Job - irgendwann kehrt Routine ein und man sucht sich wieder was neues. Er holt Euch gut an der Wärme und sucht für mich mal noch ein schönes Katzenmotiv :-) (Guggi - die Vierbeinigen sind gemeint). Liebe Grüsse Michi

Anonym hat gesagt…

Ist halt typisch amerikanisch, bei uns ärgert man sich über einen verregneten Herbst, die Yankees taufen das in Indian Summer und locken damit noch Touristen an. Die Bilder waren wieder klasse, aber die tiefgründige, philosophische, fast grüblerische Note ist nicht mein Ding, ich bevorzuge den Bud Light Man ! Liebe Grüsse Seemä

Chile1962 hat gesagt…

Guggi und Sabine. Ich kann mir Eure Reisemüdigkeit gut vorstellen. Auf meiner Weltreise, später in London und dann in Santiago Chile wurde mir bewusst, wie schön die Heimat doch ist und wie gerne ich in der Schweiz lebe. Aber den weiten Horizont den nimmt Dir niemand mehr und hinter jeder Ecke siehst Du wie schön und verschieden die Welt doch überall ist, --- plötzlich wird dann aus Heimweh wieder Fernweh. In diesem Sinne geniesst was auch immer noch kommt!!!
Frank