730andmore

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Dieses Blog wurde im März 2010 eröffnet. Am 1. April 2010 starteten meine Frau Sabina und ich zu einer 2-jährigen Weltreise, die uns durch die USA, Karibik, Kroatien, USA, Kanada, Hawaii, Australien und Thailand führte. 730 Tage später waren wir wieder in der Schweiz sesshaft. Das Reisen wird uns nie mehr loslassen. Ebenso die Fotografie.

27. Februar 2011

Puerto Rico und 'ne Kreuzfahrt


"Nestooooor!" war das Erste was wir auf Deck unseres Kreuzfahrtschiffes hörten. Die laute, krächzende Stimme gehörte einer kleinen, alten Lady, die Nachmittags um 3 dem Bartender die Hölle heiss machte. Es passte ganz gut zu unseren Vorstellungen von der kommenden Fahrt: Mieses Essen, warme Getränke, mickrige Kabinen, nicht existierender Service, snobistisches Personal und besoffene, krakelende Gäste. Aber alles kam ganz anders. Das "Nestooor!" blieb zwar und die alte Lady bestellte sich ab morgens um 9 im Rythmus von einer halben Stunde entweder ein Bier, ein Glas Weisswein oder einen "Harvey's Wallbanger". Eine typische Schottin, zäh und mit beissendem Humor. Als wir an Bord kamen hatte sie schon eine 10tägige Kreuzfahrt auf dem gleichen Boot hinter sich. Sie verlor ihr Herz an Nestor und an Sabina und wurde von meiner Frau manchmal zu später Stunde nach ihren eigenen Worten "drunk like a skunk" in ihre Kabine gebracht. Nur die Liebe zu mir hielt sich in Grenzen, wäre ich ein Software-Programm, sie hätte mich gelöscht! Unsere hohen Nebenkosten konnten wir aus unserem 1200 USD Gewinn am ersten Tag beim Roulette im Casino bestreiten.

Edith, die trinkfeste Schottin
Ihr Sonnyboy "Nestoooor"
Michael, Usain Bolt der Kellner

Unsere Kabine hatte zwar keinen Balkon, war aber riesig. Das Buffet war fast um die Uhr geöffnet und das Essen gut. Die Angestellten aufgestellt und aufmerksam. Sei das der Dominikaner Nestor oder sein Kumpel Shaun, der Reggae singende Bartender oder auch Michael, der Usain Bolt der Kellner! Sogar die Gäste waren angenehm, ob Deutsche, Kandadier oder Amis. So manches Bier wurde mit denen getrunken und neue Kontakte geknüpft. Sollte uns unsere Reise nach Glasgow führen, werden wir sicher das eine oder andere Bier oder einen echten schottischen Wallbanger mit Edith trinken.

Das Schiff
 a rainy night
 in St. Croix
 Playground
 links hinten die Poolbar
 Die Bar am Heck
 die Eisdiele
 Auslaufen von Kollegen

Die Route führte uns von Puerto Rico nach St. Croix, St. Kitts, Dominica, St. Lucia, Barbados, Grenada, Seetag, Curaçao, Aruba und mit einem Seetag zurück. 

am Hafen von St. Croix
St. Kitts Black Rock Beach
Dominica und seltenes Bild in der Karibik:-)
Der Hafen von Castries, St. Lucia
 Anse la Raye, ein malerisches Fischerdorf
 faule Hunde wo man hinsieht
 Sabinas Musiklehrer
 Typische Bucht einer Vulkaninsel
 Fotosujets en masse
 reine technische Uebung
Hafen von Grenada
Barbados, kein Landgang, zu viele Boote im Hafen
 eines als Beispiel
St. George's Grenada (Foto mit Tungsten Light geschossen)
 f/2.8 für technisch Interessierte
 Photoshop sei Dank
 der Markt
 Marktstände und wieder ein eher seltenes Bild:-)
 Strassenzug in St. George
Curaçao
 Der Bootsmarkt
 Unscharf, leider
 kein seltenes Bild
 Juan, der Holländer
 Edgar, kein Kind von Traurigkeit
Wer kennt diese Häuserzeile nicht?
 Zooming
 es muss nicht immer alles scharf sein:-)
Aruba, kein Landgang, mieses Wetter

Ob man auf diesen Inseln auch schöne Badestrände findet, wissen wir nicht. Jeder dieser Orte hat sicher seine pittoresken Seiten, aber auch weniger schöne und wie überall, nette Einwohner, aber auch Arschlöcher. Und würde man einem Einheimischen die Augen verbinden und auf einer Insel im Regenwald absetzen, er wüsste bestimmt nicht, auf welcher er wäre. Nicht mal Columbus wollte alle Inseln der Karibik bereisen, er auf seiner Suche nach teuren Gewürzen liess allerdings dummerweise gerade Grenada aus, die einzige der Inseln, die überreich an diesen scharfen Dingern ist und die heute noch einer der Hauptproduzenten von Muskatnüssen ist. 

Manchmal zeigen die Einheimischen auch etwas zu auffällig, was sie von Gringos halten, hörte ich doch einen der Ansässigen im Hotel zu zwei abreisenden Amerikanern sagen, dass er sicher nicht an Strände gehe, wo die Touristen seien, er hasse Touristen. Hey, das war der Gepäckträger der Absteige, die Absteige, die Sheraton Old San Juan heisst. Immerhin hat dieser teure Ort unsere miesen Vorstellungen einer Kreuzfahrt voll und ganz erfüllt.

Sheraton by Night

10 Seconds shutter speed


Vielleicht vergisst der Tourist aber auch schlicht und einfach, dass in diesem Paradies, mit seinen gebirgigen Vulkaninseln und der tropischen Vegetation, während Jahrhunderten die Engländer, Franzosen, Spanier und Holländer sich um die Inseln stritten. Den Rekord hält wohl Castries, die Hauptstadt von St. Lucia, in dessen Fort 14 Mal die Herrschaft wechselte. Oder als Beispiel Grenada, das 1974 unabhängig wurde, dessen Premier 1979 in einer unblutigen Revolution abgesetzt wurde. Aber schon 4 Jahre später ermordete der Vize und langjährige Freund seinen Präsidenten. Die neue Regierung tendierte sehr stark nach links, was die USA zu einer umstrittenen Invasion veranlasste. Seit 1984 sind die Staaten für die Verteidigung der Insel zuständig und wohl auch für die seit dann eingeführten, freien Wahlen. 

Trotzdem, als wir nach der Kreuzfahrt vom Hotel am Hafen aus die Millenium wieder in See stechen sahen, liefen Sabina ein paar Tränen über die Backen. Nun, wir sind seit langem alleine unterwegs und wieder einmal in einer Gemeinschaft einige Zeit zu  verbringen, tat ganz gut. Ich meine, auf so einer Fahrt sitzen alle immerhin im gleichen Boot.

Also sassen wir wieder alleine in Old San Juan auf Puerto Rico, wo wir schon eine ganze Woche vor der Kreuzfahrt verbracht haben. San Juan ist die älteste Stadt der USA, Puerto Rico wird zwar von einem Einheimischen regiert, Oberhaupt ist aber Barack Obama, das die Einwohner allerdings wenig kümmert, fühlen sie sich doch als Nachkommen der Spanier und sind erst seit 1900 nach dem Amerikanisch-Spanischen Krieg seltsames Mitglied der USA. 

Als wir in San Juan einen Wagen mieteten, verzichteten wir auf ein GPS. Der kleine Schweizer und die hübsche Slowenien würden sich als Weitgereiste ja kaum auf einer Insel verfahren. Die dreieinhalb Millionen Einwohner würden vielleicht nicht an einer Strasse wohnen, aber so gross würde die Insel wohl nicht sein. Nach der dritten Runde fanden wir per Zufall die Ausfallstrasse Richtung unserem Ziel, dem El Yunque, dem Regenwald von Puerto Rico. Auf welchen Strassen wir sonst noch diesen Tag verbrachten, wissen wir bis heute nicht. Sie führten aber durch Berg und Tal und Wälder und Dörfer. Nach ein paar Seitenstrassen-Erkundungen fanden wir in der Dämmerung sogar wieder zu unserem Hotel zurück. Am zweiten Tag kostete uns das Besorgen eines GPS einen halben Morgen. Immerhin fanden wir endlich unseren Regenwald (er war ganz in der Nähe, wo wir uns den Tag zuvor aufhielten). Den Nachmittag und frühen Abend standen wir aber in einem Stau, verursacht durch einen Unfall. Nun, lieber in einem Stau stehen, als in einen Unfall verwickelt sein, war unser Trost. Den dritten Tag verbrachten wir am Strand vor dem Hotel. 

El Yunque, Regenwald







Bestens zurecht fanden wir uns dafür in Old San Juan mit seiner farbigen Altstadt und den beiden Forts, welche die kleine Halbinsel begrenzen.  Einer der schönsten Orte, die ich bis jetzt gesehen habe und sooo übersichtlich. Hier gaben wir uns einem wahren Fotorausch hin und schossen hunderte von Bildern. Ich habe mittlerweile Petersons "Understanding Exposure" ein paar Mal gelesen und keine Einstellung und kein Knopf an meinem Apparat ist mir mehr fremd. 

Old San Juan und Forts







































Das ABC des Fotografierens habe ich intus und kann jedem auch erklären warum, was, wann passiert oder was er mit Auto Exposure Bracketing (AEB) anstellen kann. Eine Frage zum Lichtmesser oder wann der "Mirror lockup" Sinn macht? Kein Problem. Ich bin soweit, dass ich weiss, was ich mache und ob das Bild gut oder schlecht wird. Und da Sabina mitzieht und ein genau so gutes Auge wie ich hat, heisst es am Abend nicht mehr, "wie verbessern" sondern "welches löschen"... Das Schöne am Fotografieren ist aber, dass wir erst am Anfang eines Universums stehen, das wir auf unserer weiteren Reise erkunden wollen. 

Die führt uns zurück nach Miami und von dort mit dem Avalanche ins Death Valley, den Sequoia NP und nach San Francisco, über die Number 1 zurück nach Los Angeles, wo wir Ende März das Flugzeug nach Zürich besteigen werden. Die letzten Tage in den USA werden wir vor lauter Tränen in den Augen wohl nicht mehr viel sehen...

Für technisch Interessierte

f/32, ISO 100 auf AV mit Stativ
 same
 f/3.5, shutter speed 1/1250
 unser Mietwagen, Hyundai, 50 PS
 Canon EOS 7D mit Tamron 18-270 Lens
 f/2.8
 f/7.1