730andmore

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Dieses Blog wurde im März 2010 eröffnet. Am 1. April 2010 starteten meine Frau Sabina und ich zu einer 2-jährigen Weltreise, die uns durch die USA, Karibik, Kroatien, USA, Kanada, Hawaii, Australien und Thailand führte. 730 Tage später waren wir wieder in der Schweiz sesshaft. Das Reisen wird uns nie mehr loslassen. Ebenso die Fotografie.

19. Dezember 2010

Die letzte Brücke von Key West


Als am 22. Januar 1912 der erste Zug Key West erreichte, wurde Henry M. Flaglers Vision Wirklichkeit. Flagler hatte sich in den Kopf gesetzt, eine Eisenbahn zu bauen, „across an Ocean“. Das Jahrhundertwerk wurde als 8. Weltwunder bezeichnet. Key West wurde zum Festland der USA, 110 Meilen vom eigentlichen Kontinent entfernt. Das Städtchen war wohl auch eines der wenigen dieser Erde, die nur per Schiff oder mit einer Eisenbahn erreicht werden konnte.

Niemand ahnte, dass dieser Bau 23 Jahre später an einem einzigen Tag einem wahren Monster zum Opfer fallen würde.

Key West war schon vor 1912 weltbekannt. In früheren Zeiten als Piratenhort, später als wichtigster Hafen für Kuba. Mit der Eisenbahn kamen Aussteiger, Lebenskünstler, Gaukler und Fantasten, Schriftsteller, Fotografen und Besucher, die sich vom karibischen Klima verwöhnen lassen wollten.

Impressionen von Key West













 Abenteuer wurden erlebt und Legenden gestrickt. Der grosse Hemingway wohnte einige Jahre in Key West und schlug sich in Sloppy Joes Bar die Nächte um die Ohren. Nur am Morgen des Labor Day Weekends 1935 machte er sich Sorgen um sein geliebtes Boot Pilar. Die Keys wurden vor einem heftigen Sturm gewarnt. Hemingway versuchte sein Boot zu retten. Neben seinem lag ein schlecht vertäutes im Hafen. Vom Hafenmeister bekam er aber nur die Erlaubnis, dieses Schiff zu versenken, sollte es los gerissen werden und eine Gefahr für seine Pilar werden. Wie er das inmitten eines Hurrikans bewerkstelligen sollte?

Wenige Stunden nach Mitternacht fiel der Luftdruck von 29.55 auf sagenhafte 26.32. Der heute noch namenlose Hurricane erfasste die Keys mit voller Wucht. Er war der Mächtigste im letzten Jahrhundert. Tausende von Menschen wurden getötet. Ein Zug, der Einwohner von den Upper Keys retten sollte, wurde von einer Monster-Welle von den Gleisen gespült.

Am nächsten Tag existierte die Eisenbahn, „the railroad that crossed an ocean“, nicht mehr. Noch heute kann man Brückenteile sehen, wenn man über die legendäre 7 Mile Bridge Key West entgegenfährt.

Auf der 7 Mile Bridge

Das Städtchen behielt aber seine Anziehungskraft und wurde viel später zum Schwulen- und Lesbenmekka, Heimat von Sinnsuchenden, Künstlern und Taugenichten.

Wenn es Nacht wird in Key West

































1982 sorgte Key West wieder für weltweites Aufsehen. Der Touristen vertreibenden, ständigen Polizeikontrollen auf der einzigen Strasse nach Key West überdrüssig geworden, riefen die Bürger ihre Stadt zur unabhängigen „Conch Republic“ aus, erklärten den USA den Krieg, kapitulierten allerdings eine Minute später bedingungslos und forderten von den USA 1 Milliarde Dollar für den Wiederaufbau.

Noch heute steht auf der Flagge „we seceded where others failed“ und der Leitspruch heisst „The mitigation of World tension through the exercise of humor“. Einem ihrer Bürger soll die Republik sogar das Leben gerettet haben, als er in Guatemala in einen Hinterhalt von Rebellen geriet und geschrien hat „no Americano, Citizen of Conch Republica“. Er sei daraufhin mit Tequilas anstatt mit Kugeln aus einer Kalashnikov abgefüllt worden.

Key West stand immer auf unserem Reiseplan. Aber als ich am Ufer unseres Campgrounds auf die letzte Brücke vor der Stadt blickte, schossen mir Tränen in die Augen, wusste ich doch in diesem Moment, dass ich den Tag hassen würde, an dem ich über diese Brücke zurückfahren würde. Mir wurde bewusst, dass Key West die letzte Station unserer USA-Reise ist. Nicht nur dass Sabina Jacksonville mit schwerem Herzen verlassen hatte und ich bezweifle, dass sie in Janina eine Freundin für immer gefunden hat, sondern und vor allem war ich des Reisens von Campground zu Campgroud müde geworden. Die Geschehnisse in Jacksonville lösten bei uns nächtelange Diskussionen aus und kurze Zeit stand alles, aber auch wirklich alles vor dem Ende.

Was sicher ist, wir werden den Travel Trailer verkaufen und am 28. März zurück in die Schweiz fliegen. Wir beide haben viele Pläne was wir bis zu diesem Datum machen können und auch wie wir das zweite Jahr unserer Auszeit angehen werden. Da wir aber diese Pläne fast stündlich wieder ändern, habe ich keine Ahnung, was wirklich passieren wird.

Den Blog werde ich weiterhin pflegen. Da wir aber nicht mehr von Ort zu Ort ziehen, werde ich wohl nicht mehr regelmässig schreiben. Ich hoffe, dass sich viele an unseren 47 Einträgen erfreut haben.

Sabina und ich wünschen allen wunderschöne Festtage und ein frohes neues Jahr!

Sonnenuntergang am Mallory Square


 Das Gesicht in der Sonne! Und das in den USA!


so long guys!


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich glaube, ich habe einen Bericht verpasst. Was ist den in Jacksonville vorgefallen, dass ihr ploetzlich eure Reiseplaene so radikal geaendert habt?

Gruss, Andrea (die aus Kiwistan)

Anonym hat gesagt…

hallo zusammen! wir wünschen euch ebenfalls frohe festtage. gemütliche stunden (wo auch immer) mit guten gesprächen, leckerem essen und einem guten glas wein. liebe grüsse von der anderen andrea :-)

Chile1962 hat gesagt…

Guggi, fantastic trip, fantastic pics and fantastic blog.
Nur schon darum hoffe ich, dass IHR weiter reist und reist und reist. Die Welt ist noch gross.
MERRY CHRISTMAS MY FRIENDS!!!!
Frank and family

Chile1962 hat gesagt…

Wir werden heute am TEC01 Weihnachtsessen im Catalana auf EUCH anstossen!
Frank

Anonym hat gesagt…

vielen Dank den beiden Andrea's und herzlichen Dank auch an Frank.. schauen wir mal:-)
Guggi

Anonym hat gesagt…

Gits gar nöd... mein Kommentar von Vorgestern ist nirgends zu sehen!! Hab mir solche Mühe gegeben... ja nu, etwas komprimiert:- alles Gueti un Liebi für d Fäschttäg!- halte den ganzen März Termine frei :-),- gehe jetzt noch schnell schneiden/fönen,- denke an Euch heute Abend im Schneegestöber,- hab wahrscheinlich auch was verpasst mit Jacksonville,- typisch coifför halt...