730andmore

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Dieses Blog wurde im März 2010 eröffnet. Am 1. April 2010 starteten meine Frau Sabina und ich zu einer 2-jährigen Weltreise, die uns durch die USA, Karibik, Kroatien, USA, Kanada, Hawaii, Australien und Thailand führte. 730 Tage später waren wir wieder in der Schweiz sesshaft. Das Reisen wird uns nie mehr loslassen. Ebenso die Fotografie.

11. August 2010

Grand Staircase Escalante National Monument or hangin' round in Cannonville

Lizard on coloured dry wood in Red Canyon

Guten Morgen Europa! Ich bin heute um... Das Wichtigste habe ich im letzten Post vergessen. Wie viele Meilen man pro Tag gefressen hat. Der Vollständigkeit halber, wir sind bei etwa 7000 Meilen. Ganz langsam müssen wir aufpassen, dass wir nicht doch noch Spitzenreiter in einem Rekordbuch werden: In möglichst vielen Tagen so wenig wie möglich sehen!

2 Wochen war ich ausser Gefecht und die letzten 10 Tage war das Wetter mässig. So auch letzten Samstag, als wir mit John and Marsha, dem Besitzerehepaar des KOA Campgrounds, auf einen wunderschönen Hike wollten. Sogar die beiden Cracks meinten, es sei wegen möglichen Flash Floods zu gefährlich. So verpassten wir den Zebra Canyon. 

Die Gefährlichkeit ist tatsächlich hoch. Das Grand Staircase Escalante National Monument ist ein riesiges Gebiet (fast 1.9 Mio Acres, 1 Acre sind ca. 4046 qm), durch das der Scenic Byway 12 führt, die erste All American Road von Utah. Von der Strasse ab führen fast ausnahmslos ungeteerte Strassen, auf denen man zu den unzähligen Arches, Slot Canyons, bizarren Felsformationen und Hikes gelangt. Die grosse Ausnahme bildet der Bryce Canyon, der bestens mit dem Auto zu erkunden ist. Ebenso der Red Rock Canyon. Auf der 12 durchfährt man diesen.

Szenerie am Scenic Byway 12
in Cannonville Sicht von Camground
bei Tropic vor Bryce Canyon
kurz vor Boulder

Jeder Ranger und jeder 4x4 Vermieter machen darauf aufmerksam, dass man erstens genügend Wasser mitführen und zweitens das Wetter beachten soll. Das Perfide ist: Zum Teil beginnen die Tage mit strahlend blauem Himmel und hohen Temperaturen. Innert Kürze zeugt aber Donnergrollen von einem nahenden Gewitter und die darauf folgenden Regengüsse können ganze Canyos überschwemmen. Von zu Hause haben wir erfahren, dass 5 Schweizer Glück hatten, als sie im Antelope Canyon vom Wasser überrascht wurden.


Auf dem Burrtrail bei Boulder
eben noch schön...ca. 5 Minuten später in Gegenrichtung

Weniger Glück hatte ein 32-jähriger Grieche, der am Horseshoe Bend bei Page zu Tode gestürzt ist. Er stand auf einem Felsvorsprung und fotografierte den Bend. Der spröde Felsen gab nach und er fiel 200 Meter in die Tiefe.

Das ist doch schon der 2. Todesfall an einem Ort, den wir selber besucht haben. Die Tourismusindustrie hat wohl kein Interesse daran, dass solche Unfälle publik werden. Jedenfalls meinen Einheimische, dass es in den letzten Jahren mehr Todesfälle beim Angels Landing im Zion NP gab, als die Statistiken ausweisen.

Grand Staircase Escalante NM ist atemberaubend schön. Ich kann da schon verstehen, dass Besucher, die nur einen oder zwei Tage hier verbringen, ein hohes Risiko eingehen, um an die verschiedenen Sehenswürdigkeiten zu gelangen. Zum Beispiel die Cottonwood Canyon Road: Sie ist die kürzeste Verbindung zwischen Bryce Canyon und Page am Lake Powell und zusammen mit der Hole in the Rock Road eine der beliebtesten dirty Roads. Auf dieser Strasse liegt der berühmte Grosvenor Arch und weiter unten die Wave, die bildlich weltberühmt ist, aber pro Tag nur 20 Personen besuchen dürfen. Die Strecke misst ca. 60 Meilen, ist ungeteert und nach Regenfällen schnell unpassierbar. Ich bin sicher, dass viele zwar reinkommen, aber nicht mehr raus... am gleichen Tag.


Auf der Cottonwood-Road
Grosvenor Arch

Hätten wir nicht umgekehrt, wäre dies auch uns passiert. Die Strassen werden dann aber für Tage unpassierbar und wenn man zu wenig Wasser mitnimmt, kann die Situation sehr schnell lebensbedrohlich werden, erreichen doch die Temperaturen auch in dieser Höhe (ca. 1800 – 2000m) schnell 30 Grad und mehr.  Und wer nimmt schon 3.7 Liter Wasser pro Person und Tag mit? Ohne GPS Alarmsender ist man verloren, da normaler Handyempfang kaum möglich ist.

Vor dem Beginn der Cottonwood-Road biegt man links in das Kodachrome Basin ab. Den Namen erhielt die Gegend von einem Filmdreh.
Märchenlandschaft
Auffällig viele Gewitter gehen in diesem Teil nieder
Shakespeares Arch
Mount Rushmore für Unbekannte?
Sabina "at work"

Die Gegend gewinnt immer mehr Anhänger, ist aber immer noch dünn besiedelt. Panguitch ist die Bezirkshauptstadt mit ca 1800 Einwohnern und etwa 60 Meilen NW vom Bryce Canyon entfernt. Die Familie, die das Ruby’s Inn beim Eingang auf 2323 Metern Höhe des Bryce Canyons beherrscht, ist in der Gegend gar nicht beliebt. Kein Wunder, haben die es doch geschafft, dass ihre kleine Siedlung seit 2007 als Stadt gilt. Das hat den nicht unerheblichen Vorteil, dass die meisten Verkaufssteuern zurück in die eigene (Stadt-)Kasse fliessen.
Foster's, Konkurrenz Familie der Ruby's

Die Gegend lebt von der Landwirtschaft und dem Tourismus. Tropic, das nächste Dorf nahe des Bryce’ Richtung Torrey, zählt ca 200 Einwohner. Cannonville 148 und Henrieville 160. Escalante, der grösste Ort im GSCENM auch nur 800. Bis Torrey gibt es nur noch Boulder mit 180 Einwohnern. Von Panguitch nach Torrey (168 EW) sind es 131 Meilen (auf der 12).


Skyline von Escalante vom Petrified Forrest gesehen
Petrified wood

Mit dem Bartträger, dem Mitarbeiter im Camp, haben wir uns angefreundet. Er hat uns schon seine Bleibe gezeigt und uns auf einem kurzen Hike begleitet. Getauft wurde er auf Billyboy Junior, nennt sich heute aber Pat Bender und ist eigentlich Fotograf. Darum hat er mit mir über meine neue Kamera (Canon EOS 7D) und den Vorzügen von RAW/JPEG Aufnahmen diskutiert. Viele, die wir bis jetzt kennengelernt haben, überraschen uns immer wieder mit ihrem Wissen und den Tätigkeiten, die sie schon ausgeübt haben oder ausüben.

Allerdings hat er die 1% Chance auf einen Hike mit Sabina selber zunichte gemacht. Als er mit den Worten „I have a friend, she’s looking like you“ begann, meinte ich zu hören, wie ein Bogen gespannt wurde. Und er schoss den Pfeil ab! „But young!“ Das hat die 1%ige Möglichkeit durch die Unendlichkeit geteilt!


Auf dem Hike mit Pat, rechts "the Dragon"
"The Dragon" von anderer Seite

Er ist aber ein lieber Kerl und im Skype als Nude Harley zu finden... Ein FKK-Freak! Wer hätte das gedacht... Er wollte uns in Tropic ein kleines Ruby’s Inn schmackhaft machen. Ein Komplex mit Restaurant, Motel und Campground und das alles für eine halbe Million weiche Dollars! Noch etwas zu früh für uns!

Nach über 3 Wochen auf dem selben Campground sind wir natürlich bei den Locals bekannt. Aber erst als sie den gemieteten und völlig verdreckten Jeep gesehen haben, auch anerkannt. Vorher taten sie uns wohl als Beckenrandschwimmer ab. So einfach schafft man sich einen Ruf! Mit dem Jeep haben wir 3 Tage die Schotterstrassen der Gegend befahren. Es macht ganz einfach Spass. Sabina hielt sich tapfer, ist es doch auf dem Beifahrersitz nicht so gemütlich wie am Lenkrad. Etwas spät, nämlich nach Rückgabe, habe ich die Geschwindigkeitsbeschränkung von 35 Meilen auf unpaved Roads im Vertrag bemerkt. So ein Pech...
Auf der Cottonwood Road


Das Leben auf einem Campground spielt sich erstaunlich ruhig ab. Die „quiet hours“ von 10pm bis 8am werden eingehalten. Nicht mal eine Horde Holländer hat an diesem Gesetz gerüttelt. Mit den europäischen Ferien sind die Amerikaner in der Minderheit. Den grössten Anteil an Touristen machen die Franzosen aus. „C’est le ton qui fait la musique“ aber muss der bei Franzosen immer so laut sein?

Vier Gesellschaften gibt es. Die Elite, mit den bis zu einer Million Franken teuren Bussen, die einen grösseren Jeep hinter sich herziehen und niemanden grüssen. Dann die 5th Wheels oder Travel Trailers mit Zugfahrzeug und die, die mit dem Zelt reisen. Die mit den Motorhomes gehören zur Vierten, das sind alles ausnahmslos Gemietete. Die Aufzählung ist aber nicht wirklich wertend...

Was wir in unserer Zeit in Arizona und Utah nicht gesehen haben: Stechmücken und Schwarze. Allerdings mussten wir lernen, dass es eine stechende Fliegenart gibt, die nicht von den normalen Schmeissfliegen zu unterscheiden ist und die evtl. auch meine Entzündung am Fuss ausgelöst haben könnte. Schwarze Mitmenschen sind extrem in der Minderheit. Woran das liegt? Keine Ahnung.

Genau so gering an der Anzahl waren die Reaktionen auf meine erste Kurzgeschichte (in Links zu finden, hm). Von einem Schriftsteller und einem Journalisten wurde sie gelobt. Von einer Leseratte verrissen. Meine Schwester fand sie amüsant... Das Gesetz, von Kritikern gelobt, beim Publikum durchgefallen stimmt vielleicht wirklich!?

Ueberrascht wurden wir von Mona und Bob. Sabina erhielt über Facebook eine E-mail von deren Sohn. Seine Eltern hätten uns in guter Erinnerung und wenn wir dann mal in LA wären, sollten wir sie unbedingt besuchen. Sie wohnen in Long Beach und würden mit uns gerne die Huntington Beach unsicher machen! Und das wegen 2 CDs und der Nachfrage, ob es ihnen gut gehe, als wir bis 1 Uhr nachmittags nichts von ihnen gehört hatten...!

Auch meine ich mich zu erinnern, dass die Frage der Amerikaner „how are you“ oder „howdy“, wie es der Südstaatler sagt, für uns als reine Floskel galt. Dem ist gar nicht so, aus dieser Frage ergeben sich nicht selten längere Gespräche.

Das Aussergewöhnlichste an unserer Reise ist aber das Verhältnis von Sabina und mir. Klar, wir waren schon Mini-Twins in der Schweiz. Aber mit getrennten Schlafzimmern, die wir immer als Grund unserer gut funktionierenden Ehe ansahen. Dies war aber offensichtlich nicht der Grund.


Naja, kein Wunder meinerseits:-)

Mittlerweile liebe ich die Gepflogenheiten der Amerikaner. Die extrem langen Oeffnungszeiten, die kurze Wartezeit im Restaurant von der Bestellung bis zur Bezahlung, den „home-delivery-service-wherever-you-are“ von Bud Light und dass sie auch mal mit unkonventionellen Methoden falsch Fahrende informieren…!


Die Hunde haben sogar Spass daran!
Was will man mehr?
Aber welche dann?
(143 Utah)

Grand Staircase Escalante National Monument bietet genau so viel wie Moab. Mit dem Unterschied, dass die „Spots to see“ meistens nur über ungeteerte Strassen und dutzende von Meilen oder sogar nur mit Kletterausrüstung und Neopren-Anzügen zu erreichen sind. Gut zu erreichen sind die Hikes im Red Canyon und fast schöner als der Bryce.

15 Minuten vom Scenic Byway 12 entfernt
Niki de Saint Phalle?
Nach 75 Minuten
Ich hätte hier ewig verweilen können
Nur 15 Auto-Minuten vom Bryce entfernt
Und auf dem ganzen Hike nur zwei Seelen!

Relativ leicht erreichbar sind der „Devils Garden“ und der „Dance Hall Rock“ über die „Hole in the Rock Road“. Wenn man in Eile ist, erscheint der „Dance Hall Rock“ als Miniatur-Ayers-Rock und nicht der Rede wert. Geht man aber ein paar Schritte, dann steht man plötzlich auf einem unwirklich anmutenden Felsen, der von Löchern übersäht ist und immer wieder neue Felsformationen sich dem Auge erschliessen, in denen kleine Miniatur-Welten völlig abgeschlossen ihr Dasein geniessen.


Devils Garden
"The Wave" im Devils Garden
Sabina und Dry Wood, meine neue Leidenschaft
"Dance Hall Rock" auf der "Hole in the Rock-Road"
Da von der Road aus nicht ersichtlich, verpassen viele die dahinter liegende Szenerie
Unwirklich
Manchmal bleibt nur noch Staunen
Mit blauem Himmel wär's noch schöner, trotzdem...
Wieder mal ganz klein der Mensch
Gewidmet Stefan Bächer, meinem langjährigen Geschäfts-Partner und Freund, der am 12. August seinen xten Geburtstag feiert. Happy Birthday, dear Bächéééé!


Eigentlich sollte dieser Post mit "Cosmic Ashtray" betitelt sein. Der "Broken Ashtray" folgt unter dem Titel "Not our day!"

Wie sagt Sabina immer? „Life, what a beautiful choice!“ und sie hört momentan nur noch Aaron Lines. Ich auch.


so long






Kommentare:

Jens hat gesagt…

Hi ihr,

schoene Bilder habt ihr geschossen. Wie ich sehe habt ihr nun nen Polfilter?

Was geht sonst? Bei uns sind es nur noch 8 Wochen und dann geht es wieder zurueck.....leider!
Bis denn.

Jens

Anonym hat gesagt…

Hi Jens
keine Ahnung was ein Polfilter ist:-)!
sende e-mail
Gruss Guggi

Michael Knaus hat gesagt…

Ja, er ist zurück - sind wieder klare interessante Berichte. Wobei ich eigentlich so Hinweise wie bin um 9 Uhr aufgestanden, erstes Bud Light um 9.15 Uhr mit verklärtem Blick etc. doch nun etwas vermisse. Super Bilder wie immer. Lieber Gruss Michi

Anonym hat gesagt…

Michi, sollte ich um 0901am ein Bud light trinken, werde ich es im Titel bringen:-)
take care
Guggi und danke für den Komment

Anonym hat gesagt…

Als vor x Jahren Tina Turner 5 ausverkaufte Konzerte vor begeisterten 60000 Zuschauern (plus zusatz Konzert) im Hallenstadion feierte, wurde sie von einem Kritiker aufs übelste zerrissen. Soviel zu "Kritikern"
Der "Blick" war und ist die meistgelesene Tageszeitung. Ist einfach so.
Auf jeden Fall gefällt mir dein wirklicher Stil wieder viiiiel besser! Mega Fotos obendrein! Sag deinem Twin einen lieben Gruss...vom Coifför.
Ps: Die Griechen haben anscheinend wirklich wackligen Boden unter den Füssen im Moment...

Anonym hat gesagt…

Hi Jörg, sag ich ihr gerne. Sie hat heute Deinen Job übernommen, allerd Anfang ist schwer... hättest Du nicht doch mal kurz Zeit zu uns zu kommen?:-) Wegen Griechen, mich wundert, dass dort nicht viel mehr passiert... hey, take care Guggi, der mit den Fransen kämpft

Anonym hat gesagt…

hola zusammen! so lange die fransen nicht vor die linse hängen ist für mich alles ok :-) SUPER aufnahmen. herzliche grüsse und woran es auch immer liegen mag, dass eure ehe so gut funktioniert... händ sorg derzue! andrea

Anonym hat gesagt…

Das ist wieder ein interessanter Bericht mit Spitzen-Bildern. Da du aber ja auch Kritik willst, ich bin fast verzweifelt bis ich die blöde Echse auf dem ersten Bild gefunden habe. Gruäss Seemä

Anonym hat gesagt…

Andrea, dankeä villmal... mier wärded alles gäh, dass es hebed!:-)
Seemä, Du bist einfach unglaublich. Gibst nie auf, wenn Du was in Erfahrung bringen willst. Erinnere mich als, Du vor x Jahren etwa 2 oder 3 Stunden mit dem Fed Reserve telefoniert hast und sie Dir dann ca. 300 Bücher gesendet haben wann und weshalb und so sie intervenieren werden... habe ich immer an Dir bewundert...
so long Guggi

Anonym hat gesagt…

"die Cottonwood Canyon Road: Sie ist die kürzeste Verbindung zwischen Bryce Canyon und Page am Lake Powell und zusammen mit der Hole in the Rock Road eine der beliebtesten dirty Roads. Auf dieser Strasse liegt der berühmte Grosvenor Arch und weiter unten die Wave, die bildlich weltberühmt ist, aber pro Tag nur 20 Personen besuchen dürfen."

Nö, der Trailhead zur Wave liegt an der House Rock Road, einer Dirt Road, die die beiden 89 miteinander verbindet. Die Gegend gehört auch nicht zum GSENM, sondern zur "Paria Canyon - Vermillion Cliffs Wilderness". Vielleicht habt Ihr ja noch Gelegenheit, die tolle Landschaft dort zu erkunden.
Weiter viel Spaß auf Eurer Tour! Oli

Anonym hat gesagt…

Auch Vermillion Cliffs National Monument... absolut korrekt. Allerdings müssten wir über die Cottonwood auf die 89 und dann auf die House Rock Road und vorher noch im GSENM die Bewilligung holen.. wollte nur sehen ob Du auch aufpasst:-) danke. Werden leider von Cannonville aus nicht mehr dazukommen, Cottonwood gesperrt und über die 12 und 89 ist es einfach zu weit... Cheers Guggi