730andmore

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Dieses Blog wurde im März 2010 eröffnet. Am 1. April 2010 starteten meine Frau Sabina und ich zu einer 2-jährigen Weltreise, die uns durch die USA, Karibik, Kroatien, USA, Kanada, Hawaii, Australien und Thailand führte. 730 Tage später waren wir wieder in der Schweiz sesshaft. Das Reisen wird uns nie mehr loslassen. Ebenso die Fotografie.

7. Mai 2010

Der Schein trügt



San Clemente, Freilichtmuseum für Rentner und Betagte? Natürlich trügt der Schein. Aber das kommt davon, wenn der hier schreibende Tor selber zu Rentnerzeiten, bewaffnet mit Schwabbelbauch und Hängearsch, schlurfend den Betagten dieser Stadt den Gehsteig streitig macht. Nein, San Clemente wächst mir ans Herz, nicht nur wegen seinen von stolzen Palmen gesäumten Strassen und nicht wegen seinen flachen Häusern mit dicken Mauern im spanischen Stil. Nein, San Clemente hat seine netten Plätzchen.

Zum Beispiel das Gym, "voted as best in town"! Ein Gym mit Geräten und Hanteln die noch vor Schwarzenegger’s Bodybuilder Zeiten geplant, geschweisst und reingestellt wurden. Ein Gym wo Hantelscheiben als Türstopper der Garderobentüren dienen. Und wo dröhnende Ventilatoren mir den Schweiss und die Kehle trocknen und der laute Rock uns die Ohrstöpsel der iPods in die Tasche fallen lässt. Einfach ein richtiges Gym.

Und wenn du nicht zu Rentners Zeiten die ehrwürdige Stätte besuchst, dann steht „Schwabbelbäuchchen und Hängeärschchen“ plötzlich neben den wirklich bösen Jungs. Jungs mit Bizeps wie Medizinbälle und Rückenmuskeln wie Ankertrosse. Jungs mit echten Tätowierungen, nicht Henna-Kritzeleien vom letzten Harley-Treffen. Nein, solche die Gewichte stemmen, die dir nur die Arme in die Länge ziehen würden. Und schnauben und schuften bis die Hanteln auf den Boden krachen. Und wenn du deine Hanteln noch ins Gestell zurück legen kannst, siehst du am verächtlichen Zucken der Mundwinkel, dass sie dich als Warmduscher und Beckenrandschwimmer enttarnt haben.

Und ich stehe neben ihnen und im Spiegel sehe ich ein älteres Mannli, das mit Puddingärmchen verstohlen ganz links aussen im Gestell die Leichtgewichte holt, die noch fast neu aussehen, weil sie höchstens mal von bebusten Geschöpfen in die Höhe gehoben werden. Und dann geht ein Bild hinein, geht durch der Glieder angespannte Stille und geht weiter, fünfzehn, zwanzig und mehr Jahre zurück, als ICH noch Gewichte hob und Hanteln klirren liess. Zu einer Zeit, als der einarmige Klimmzug zu meinem Aufwärmprogramm gehörte. Zu einer Zeit als meine Sixpacks noch Sixpacks waren. Die, die heute als Partyfässchen zu meinem Dasein gehören.

Und dann kommt Misha, die/der (?) Barkeeper, die im Gym die Schlüssel holt, um nebenan die Ole’s Tavern aufzuschliessen, in der neben hunderten von Biersorten und Whiskys die Footballspiele der NFL über die unzähligen Bildschirme flimmern und von der ich ein Lächeln kriege. Ja, dann glaube ich langsam, dass ich an der Westcoast bin.

Und dann geh ich über die Strasse, setze mich auf die Bank und geniesse das beste Velvet Jogurt meines Lebens. Und freue mich auf die warme Dusche und vielleicht werde ich an der Beach wieder ganz mutig sein, wie vor zwei Tagen, als ich knöcheltief den kalten Fluten des Pazifiks trotzte.

Aber am Nachmittag schreite ich über das Pier, das endlos der rauschenden Brandung des Pazifiks Paroli bietet. Und links und rechts die Surfer ihre Wellen reiten, Wellen die ich vor fünfzehn Jahren auch mal bezwingen wollte. Surfer, die ihren Spass haben und lachend auf der Welle stehen, kurz vor den Holzpfählen des Piers abdrehen und der nächsten entgegenfiebern.

Und spätabends sitze ich auf der Patio unserer Freunde, öffne ein Bud Light, steck mir eine Marlboro in den Mund und sehe von weit oben auf den nie verendenden Strom der I-5 und den roten Rücklichtern und starre den kitschigen Lämpchen der Trucks nach. Ueber mir der klare Sternenhimmel und Sabina an meiner Seite, meine wieder blonde Frau und treue Gefährtin. Und dann denke ich an meine Mutter, meine Geschwister mit ihren Familien, an meine Freunde und Kollegen, die um diese Zeit schon wieder ihrem Tagewerk nachgehen. Dann, dann bin ich einfach nur dankbar, dies alles erleben zu dürfen.

So long guys!











so long

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Genau DAS gönne ich Dir und Sabina von Herzen! Liebe Grüsse an Blondie und eben... im "Alter" bleibt halt die Wäsche des öfteren auf dem Waschbrettbauch liegen. Wellen(förmiges) etwas? Egal... hier lässt sich herrlich Fingersurfen - lach. Andrea :-)

Anonym hat gesagt…

War gerade am herrlichen Pier von Obermeilen an der Jungtierschau, liess die traumhafte Seeluft durch mich fliessen, las den neuen Blog von Euch auf dem I-Phone mit der Werbung "in 5 Min. abnehmen" unten, entschied das dies eh nicht geht und bestellte mir ein Hürlimann Bier, geniesse dabei das beobachten der Goldpreise und den sozialen Frieden in der Schweiz.
Eine herrliche Zeit für neue Verschwörungstheorieen, leider ohne meine "all-6-wöchentlichen" Gespräche mit Gerold!
Und wenn ich dann aufwache frage ich mich schon ab und zu, ob ich mit meiner Familie zu den "Six-Packs" kommen soll :-)
So long, de Coifför
PS: Du kannst jetzt wieder ausatmen, nach dem Baywatch-Foto ,Gerold!

Anonym hat gesagt…

hi Jörg

ja, der Stefano, Beizer vom Rex, hat mir vor 2 1/2 Jahren vorhergesagt, dass Griechenland pleite sei und dann die soziale Revoluation von dort über Europa breche....

hey, das waren alle 4-oder 5 Wochenrythmen!

Schon lange wieder ausgeatmet und Muskeln entspannt!:-)

Hast Du wenigstens einen Preis geholt beim Kaninchenwettrennen?
liebi Grüess Guggi

Anonym hat gesagt…

Nein, aber waren super auf dem Grill...
Greets Coifför ;-)

Anonym hat gesagt…

danke für die vielen schmunzler!
ach, was lese ich diesen blog doch gerne!! :D ganz liebe grüsse, steffi