730andmore

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Dieses Blog wurde im März 2010 eröffnet. Am 1. April 2010 starteten meine Frau Sabina und ich zu einer 2-jährigen Weltreise, die uns durch die USA, Karibik, Kroatien, USA, Kanada, Hawaii, Australien und Thailand führte. 730 Tage später waren wir wieder in der Schweiz sesshaft. Das Reisen wird uns nie mehr loslassen. Ebenso die Fotografie.

28. April 2010

Vom Aufgeben und Held sein

San Diego haben wir schweren Herzens und morgens um 7am verlassen müssen. Unsere nächste Station: Irvine und die Uebernahme unseres Travel Trailers. Fast Punkt 10am waren wir im Travelland. Adam, der Verkäufer, begrüsste uns herzlich und stellte uns Mark vor, unseren Instruktor. Der TT kam uns unglaublich gross vor. Ich meine, schon der Avalanche ist ein Riesending, aber unser TT... Mark, früher wohl Army-Instructor, verlor keine Zeit und begann mit der Instruktion. Meine kleinen Scherze wurden immer "dünner", schliesslich folgte Detail auf Detail! Nach vollen 3 Stunden war unsere Festplatte seit ca. einer Stunde überladen, obwohl Mark unsere Fragezeichen im Gesicht lesen konnte und das Ganze in völlig einfachen Worten zu erklären versuchte: "When windy, wait, don't drive. When not windy, drive!" Trotzdem: Wie um alles in dieser Welt sollten wir je mit diesem Teil klar werden?

Als er mir ganz am Schluss die Bremseneinstellung des TT erklärte, war unser Selbstvertrauen so gross, wie eine nicht gereifte Traube. Da sollte ich auf den ersten Metern tatsächlich bei 25 miles/h so ein kleines Ding rechts unter dem Steuer sanft einstellen. Zuerst am rechten Rädchen die Heftigkeit der Bremse justieren und dann auf er linken Seite einem Rädchen erklären, wann das Ding bremsen solle!!! Und das auf Millimeter genau! Ich habe noch nie einen Wohnwagen gezogen. Nach den ersten Metern sank unser Selbstvertrauen auf unter Null. Das Teil zog und bockte hinter uns.

Wir fuhren eine Runde im Travelland. Millionen ziehen so ein Teil durch die Welt. Trotzdem, wir dachten allen Ernstes daran, Adam um einen guten Preis zu bitten und wollten das Teil abkoppeln (shit, wie geht denn das schon wieder?) und die Uebung sofort abbrechen und von Motel zu Motel ziehen. Ein kleiner Rest an Abenteuerlust muss wohl übrig geblieben sein. Jedenfalls wagte ich mich nach gut einer Stunde auf Nebenstrassen auf den Highway. Wir wurden zwar heftig durchgeschüttelt (so gut war mein Fine-Tuning wohl nicht), schafften es aber auf unseren Campground in San Clemente.

John erwartete uns schon. Er wollte wohl das Desaster der beiden Greenhorns live erleben. Und tatsächlich waren unsere Festplatten immer noch überladen. Nicht ein Griff zum Abkoppeln fiel uns ein. Innerlich schrie ich nach Hannes, unseren Freund und Handyman, der mir schon ein paar mal aus der Patsche geholfen hat, als ich schon beim Oeffnen der Verpackung eines bestellten Möbelteils überfordert war oder wenigstens Roli oder Iggy oder Bächer oder Jörg, meinem geliebten Coiffeur, einfach jemand, der mit Rat und Tat zur Seite stehen könnte. Aber da war nur John, hilfsbereit aber keineswegs eine Hilfe (er schaffte es tatsächlich, unser Teil auf Batteriebetrieb zu setzen und meinerseits hatte er bald das one-way-ticket zum Mond ergattert...). Anyway, mit der Hilfe zweier Nachbarn, verschiedenen Videokonsultationen (ein Tipp vom Profi, Instruktionen auf Video aufnehmen!) und ein bisschen Glück, stand das Teil vor uns: Abgekoppelt, austariert und an Wasser und Strom angeschlossen! Das Einrichten machte dann Spass und so sassen wir ca 8 Stunden später vor einem eisgekühlten Bud Light...

So gut geschlafen hatten wir beide selten. Und so wollten wir um 1130am unsere Reservation im Park-Office verlängern. Nein, unser Platz sei reserviert, um 12pm sei Check-Out. Da das Wochenende anstand ergatterten wir bis Sonntag den allerletzten Platz auf unserem Campground. Das hiess aber, Teil andocken und wieder aufstellen.

Wir fuhren die 60 Meter auf den neuen Platz. Nun kann man aber im Campground selber keine Reservationen tätigen und so rief Sabi die Nummer für Reservationen an. Eine geschlagene Stunde hat sie sich durchgekämpft und so konnten wir bis Sonntag, also 2 Nächte auf dem Standplatz bleiben, mussten dann aber für die restlichen Tage wieder einen neuen ansteuern.

Während ihres Telefongesprächs sah Sabina mich aus den Augenwinkeln um unseren Travel Trailer wieseln. Natürlich wusste sie, dass ich ihre Hilfe beim Abkoppeln und Aufbauen brauchte. Indessen geschah bei mir aber ein kleines Wunder. Plötzlich erkannte ich das System und die Logik und meine "two left hands" wurden zu Werkzeugen, die Griff um Griff ihre Sicherheit fanden. Als sie nach einer Stunde telefonieren sich um mich und unseren TT kümmern wollte, war alles abgekoppelt, aufgestellt, austariert und angeschlossen!!!!

Und ich war ihr grosser Held! Zwei Tage später brauchte ich noch ganze 25 Minuten um den Platz zu wechseln und auf dem Klo zu sitzen...

Die Moral der Geschichte? Nie aufgeben, dann wirst Du zum Helden...

Mittlerweile 4 Tage in unserem Trailer lebend, haben wir ihn in unser Herz geschlossen. Wir dachten sogar daran, auf dem Campground zu bleiben und das Haus von John und Svetka nicht zu hüten!

Die Amis, die wir kennenlernten, sind alle ohne Ausnahme sehr sympathisch. Wir freuen uns unglaublich auf unsere bald beginnende Reise.

Okay, das einzige was mich ein bisschen stört, Sabina würde mit grossem Vorsprung die "Miss Campground"-Wahlen gewinnen, nicht nur weil sie eh die Schönste ist, sondern an Ermangelung jeglicher Konkurrenz!

Und leider verstehen wir uns manchmal überhaupt nicht. Sabina hat meistens ein paar Albträume. Einer ihrer Horrorträume war, als sie mich an einem Freitagabend ins Fitnesscenter begleitete. Auf 3 Stockwerken waren nur wunderschöne Frauen mit toller Figur und die Stimmung war eher wie bei einer Party. Sie fand mich im obersten Stock, 3 Beautys an meiner linken Seite und 3 zu meiner rechten. Eine der Damen trat auf sie zu und meinte: "Der Guggi, der gehört uns, nur dass das klar ist!" Sorry, aber bei aller Empathie und Liebe, ich kann in diesem Traum wirklich keinen Horror erkennen!:-)



so long


Kommentare:

Henning hat gesagt…

Lieber Guggi, Uschi und ich lesen immer wieder gerne Deine Reiseberichte. Wir freuen uns schon auf mehr von Euren Erlebnissen. Weiterhin viel Spaß und vielleicht treffen wir uns ja mal in den Staaten. Ich bin Ende Oktober wieder dort.

So long

Henning

Anonym hat gesagt…

Liebe Camper,
ich bin fast vom Stuhl gefallen vor Lachen!!!
Dieser ausführliche Bericht hat uns sehr gefallen: Trailer-Camping for beginners ist halt eine nervenaufreibende Sache, aber äusserst geeignet zur Entwicklung der 2 linken Hände.
Ihr werdet sicher noch ganz viele schöne Episödli zu schreiben haben.
Viele Grüsse und bald wieder im Blog, Gabi und Wörni

Anonym hat gesagt…

Einiges haben wir ja schon erlebt. Und den Skunks auf dem Campground sind wir zum Glück nicht zu nahe gekommen - ihr hättet was zum Lachen gehabt und wir zu leiden ;-)))
Seit heute Nachmittag steht unser Trailer auf dem Garagenvorplatz unserer Bekannten - und, das Haus steht noch. Ach, Guggi ist einfach Mr. Perect :-) Sabina, Mrs. Left Hand

Anonym hat gesagt…

weiter so! besten dank, dass wir an euren erlebnissen teilhaben dürfen. :-) liebe grüsse von righthandwith5fingerswithouttrailerexperiance - andrea

Anonym hat gesagt…

Nun, vor diesem fast schon kitschigen aber wunderschönen Szenario dieser "Trailer - Lämpli" würde ich euch schon gerne einen frischen Cut verpassen, und etwas philosophieren...
Vielleicht weniger über das abkoppeln von Trailers, als vielmehr über "Miss Campgrounds"...
Und nach ein paar Bier finden wir vielleicht auch noch eine entfernte Konkurrenz für Platz 2 und 3 gegen Sabi ;-)
PS: In Louisiana gibts günstiges Oel... müsst es aber selber abschöpfen...
Liebe Gruess vom Coifför