730andmore

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Dieses Blog wurde im März 2010 eröffnet. Am 1. April 2010 starteten meine Frau Sabina und ich zu einer 2-jährigen Weltreise, die uns durch die USA, Karibik, Kroatien, USA, Kanada, Hawaii, Australien und Thailand führte. 730 Tage später waren wir wieder in der Schweiz sesshaft. Das Reisen wird uns nie mehr loslassen. Ebenso die Fotografie.

21. April 2010

"ICH HABE EIN GROSSES ..."

Mit grossen Schritten kommt der Travel Trailer auf uns zu. Noch eine Nacht im Hotel. Morgen  um die gleiche Zeit haben wir unseren Campground hoffentlich schon bezogen. Eine gewisse Nervosität kann ich nicht leugnen, wohl auch, weil ich mir noch nie etwas auf meine handwerklichen Fähigkeiten eingebildet habe. Nicht mal in meinen  Träumen. Indianer würden mich wohl "two left hands" taufen! Ebenfalls sind für morgen heftige Winde angesagt und wir haben keine Ahnung, ab welcher Windstärke wir unseren Leichtbau nicht mehr ziehen sollten! Aber da müssen wir jetzt durch.

Das Wochenende haben wir bei John und Svetka in San Clemente verbracht. John spielte ein Golfturnier und Svetka nahm uns auf einen Fussmarsch Richtung unseres Campground mit. Svetka, doch schon über 60 Jahre alt, aber rank und schlank und versessen auf sportliche und vor allem jugenderhaltende Betägigungen, legte für Kreuzbandgeschädigte ein zu hohes Tempo vor. Immer weiter zurückfallend kam ich mir in der gleissenden Sonne Kaliforniens wie Meursault in Camus' L'Etranger vor. Gut gingen wir nicht auf eine Beerdigung und ich sollte später auch keinen Mord begehen.

Der Campground erfüllt in keiner Weise unsere Träume, zum Glück aber auch nicht unsere Alpträume. Nach diesem Abstecher liessen sie mich im Golfclub zurück und holten mich später mit dem Wagen ab.

Svetka und John sind zwei supersympathische Amis und so verbrachten wir einen gemütlichen Abend bei Steak, Fisch, Wein und Bier.

Sie sind aber genau so fürsorglich wie sympathisch. Am Sonntag zeigten sie uns die verschiedenen Einkaufsmöglichkeiten. Der Reihe nach durften wir die geöffneten Walmart, Ralphs, Smart und Castco bestaunen. Die Amis denken von uns Schweizern wohl, dass wir unsere Milch noch immer auf der Alp einkaufen und unser Fleisch tiefgefroren aus Amerika einfliegen lassen...

John, auch schon um die 70, weiss als Native natürlich auch wie ich mein Auto am besten parkiere, wann ich den Blinker setzen und auf welche Spur ich wann wechseln soll. Nur als sich ein Highway Patrol Police Car mit Blaulicht hinter uns setzte, war's mit den klaren Anweisungen vorbei, vor allem da des Officers Befehle über Lautsprecher bei Tempo hundert nur zerstückelt zu hören waren. Ich blieb die Ruhe selbst, schliesslich bin ich mir sicher, dass meine Bemerkung "my brother is a Police Officer too" eher zu einer begleiteten Fahrt nach Hause, denn zu einer ins Gefängnis geführt hätte. Wie auch immer, der Officer hatte gesehen, dass unsere Autonummer abgelaufen war und kontrollierte nur, ob der Wagen nicht gestohlen wurde. Jedenfalls ärgert sich Sabina immer noch, den smarten Polizisten nicht um ein Foto gebeten zu haben!

Ueberhaupt könnten wir unsere Hände in den Schoss legen: John kennt für jede noch so kleine Aufgabe einen guten Freund, der uns weiterhelfen wird. Als er dann beim Abendessen auch noch genau wusste, wie viel ich zu essen im Stande bin, spürte ich das um meinen Hals gelegte Lasso ganz schön eng werden. "Vertelli", wir wollen doch unsere eigenen Erfahrungen sammeln!:-)

Nach einem schnellen Aufbruch und einer mühsamen Fahrt im Dunkeln und Nassen auf dem Highway genehmigten wir uns noch ein Bier an der Hotelbar. Zur Bar gehören auch ein paar Tische und Stühle im Freien auf dem Gehsteig. Da sitzen natürlich die, die rauchen und trinken. Schnell fanden wir ins Gespräch mit Tom and Geri (wie die aus dem Trickfilm), einem Pärchen aus Virginia, etwa gleich alt wie wir. Tom, ein ehemaliger Heli-Pilot der US Army, der zuletzt den zweimotorigen Black Hawk flog. Sie, eine Weisswein-Liebhaberin. Gute zwei Stunden erzählten uns die zwei (meistens synchron) von ihrem 5-jährigen Einsatz in Deutschland. So ergab sich die eine oder andere Runde. Als erste strich die Weisswein-Liebhaberin in ziemlich vollem Wind die Segel.

Es musste ja so kommen. Natürlich tauchten auch noch Mike und Ashley auf. Nach dem Abend, an dem Ashley in der Bar kotzte, gingen wir den Beiden aus dem Weg. Abends um elf schliesst die Hotelbar. Daher fuhr Mike seine eigenen Alkoholica auf, obwohl weder er noch Ashley einen Schlummi nötig gehabt hätten. Als Sabina und Ashley die Restrooms aufsuchten und Sabina nachher am Tisch Ashley als gaaanz Lässige bezeichnete und das nur, weil Ashley ihr von einem Riesenstreit mit ihrem Freund Mike berichtete, weil der während ihren Tagen nichts von Sex wissen will und ob ich auch so sei, wusste ich, dass Sabina bald den Weg ins Zimmer nehmen würde.

Mike, jung, sportlich, gut aussehend, angeberisch und vor allem laut, hatte unterdessen mit seinen Deutschkenntnissen geprahlt, obwohl nur eines Satzes mächtig: "ICH HABE EIN GROSSES SCHWANZ!" Er fand das beste Unterhaltung und urkomisch und sein albernes Gegröle dröhnte durch die Strassen. Klar dachte unser Clown, der sein Geld mit Internetpoker verdient (bei 250 Verlust hört er auf, bei 750 Gewinn auch), dass auch wir sein komödiantisches Talent schätzten und kostete seinen Spass bis zum geht nicht mehr aus. Wirklich so ein Typ wie Destruktivo aus Asterix und Obelix, wenn der auftaucht, gibt's Streit.

Sabina war zwischenzeitlich ins Zimmer verschwunden und endlich verabschiedeten sich auch Mike und Ashley. Tom, ein ganz guter Typ, und ich genehmigten uns noch ein, zwei Bierchen, schnödeten über Mike und waren mittlerweile auch in der Lage, die Welt zu verändern. Irgendwann, nach einer letzten Zigarette, mittlerweile in die Raucherecke im 3. Stock verbannt, fiel auch ich ins Bett.

Einige Zeit später muss Sabina aus ihrem Schlaf aufgeschreckt sein. Mich immer noch nicht im Zimmer wähnend und in einem Anflug von Panik muss sie aus dem Zimmer gerannt sein. Im Slip und kurzem T-Shirt fand sie sich ohne Zimmerschlüssel vor der Türe wieder. Gott hat den Säufern einen tiefen Schlaf gegeben und so hörte ich ihr verzweifeltes Hämmern gegen die Zimmertür natürlich nicht. Nach ihren Aussagen im wahrsten Sinne geschlagene 10 Minuten. Ihr blieb nichts anderes übrig, als immer noch "leicht" alkoholisiert am Desk beim Nachtwächter, halb nackt und Leibchen-über-die-Hüfte-zupfend, einen Ersatzschlüssel zu verlangen.

Irgendwie muss ich in dieser Zeit wach geworden sein und genehmigte mir auf dem Klo eine Notportion Pistazien. Friedlich und Sabina im Bette wissend, stand plötzlich eine Furie vor mir, weder meinen Tiefschlaf, noch meine arglose "WOHER kommst denn DU"-Frage verzeihend, sah ich mich einigen unwahren und auch wahren Anschuldigungen ausgesetzt. Mein Gott, da hatte sich 'ne ganze Menge nicht gerade Schönes angestaut. Aber bekanntlich reinigen Gewitter ja die Luft und so waren wir einige Stunden später schon wieder ein Herz und eine Seele! :-)

Tja, auch solche Sachen werden zu unserer Reise gehören.
Eure Sabina und Gerold
so long

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

und, wie ist es jetzt mit Sex während den Tagen bei Euch ? Tuf

Michael Knaus hat gesagt…

Also da bei Euch geht ja die Post ab und das schon in den ersten Wochen - Erdbeben und jetzt noch Sabina's Beben mitten in der Nacht - bin ja gespannt wie das weiter geht. Aber die Frage nach dem Sex während den Tagen ist wirklich nicht beantwortet :-)
Viel Spass Michi

Sabina und Gerold Guggenbuehl hat gesagt…

Ein echter Pirat, sticht auch ins Rote Meer!!!
Und, ein bisschen Privatsphäre wird ja wohl noch erlaubt sein ;)
Eure, Sabina

Anonym hat gesagt…

Privatsphäre ist ja ok... aber Pistazien auf dem Klo und halb nackt an die Reception? :-) Egal... ER hat eh den grössten und somit tut der Rest ja nichts zur Sache - lach. Geniesst es (was auch immer!)- Andrea

Anonym hat gesagt…

:-) gibt fast nichts Besseres!:-)
Guggi

Karl-Heinz hat gesagt…

…wenn das so weitergeht seh ich euch 2 bald in der The Oprah Winfrey Show! :D

Danke fürs ausführliche Mail Sabina.
Metall 5 ist jetzt fertig.
PS: Dein Nachfolger wird ein Mann sein. :–(

Gruss auch an Gerold J